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Cover Die Täter des Judenpogroms 1938 in Innsbruck

Die Täter des Judenpogroms 1938 in Innsbruck

Erschienen 2016 bei Haymon Verlag
Sprache: Deutsch
300 Seiten
ISBN 978-3-7099-3746-4

Kurztext / Annotation

EINE NACHT VOLLER SCHRECKEN UND TERROR Das Attentat eines jungen polnischen Juden in der Deutschen Botschaft in Paris nutzten die Nationalsozialisten als willkommenen Anlass, um gegen alle Juden im Deutschen Reich gesetzlich vorzugehen. Die Nacht vom 9. auf den 10. November 1938 ging als eine der gewaltvollsten in die Geschichte ein. Die Nationalsozialisten demonstrierten ihre Macht auf erschreckende Weise: Synagogen wurden in Brand gesteckt, jüdische Geschäfte demoliert und ausgeraubt, tausende Juden wurden in Konzentrationslager verschleppt. ÜBERALL IST AUCH HIER Die gewaltvollen Übergriffe fanden im gesamten Deutschen Reich, in großen und kleinen Städten, statt - auch Innsbruck war davon nicht ausgenommen. Thomas Albrich stellt erstmals die Ereignisse dieser Nacht in Innsbruck sehr eindringlich und detailreich dar. Der Schwerpunkt dieses Sammelbandes liegt vor allem auf den Tätern und allen Beteiligten der 'Kristallnacht' aus Tirol. Der Herausgeber gibt einen umfassenden Überblick und detaillierte Hintergrundinformationen WER WAR DABEI? Die Einzelbiographien von rund 70 Männern sind detailreich und mit vielen Hintergrundinformationen aufbereitet. Alle verurteilten, gefallenen, ins Ausland geflüchteten sowie unbestraften Täter aus Tirol werden anhand von Archivbildern und neuen Dokumenten und Protokollen genannt.

Thomas Albrich, geboren 1956 in Dornbirn, Ao Univ.-Prof. Mag. Dr. am Institut für Zeitgeschichte der Universität Innsbruck, Hauptarbeitsgebiete: Zweiter Weltkrieg, alliierte Besatzungs-politik in Österreich, Geschichte der Juden und des Zionismus. Bei Haymon zuletzt: 'Wir lebten wie sie. Jüdische Lebensgeschichten aus Tirol und Vorarlberg' (1999), 'Von Salomon Sulzer bis 'Bauer & Schwarz'. Jüdische Vorreiter der Moderne in Tirol und Vorarlberg' (2009) sowie das dreibändige Werk im Schuber 'Jüdisches Leben im historischen Tirol' (2012).

Textauszug

Die Innsbrucker Kommandoebene im Novemberpogrom

Gauleiter Franz Hofer

Sarah Scheitnagl

Gauleiter Franz Hofer war zweifellos der führende Mann in der Nacht des Pogroms in Innsbruck. Er gab die Anweisungen, nach denen in der Folge die Ausschreitungen gegen die Juden in Innsbruck durchgeführt wurden.

Franz Hofer kam am 27. November 1902 in Bad Hofgastein/Salzburg als Sohn von Franz Hofer senior aus Tirol und Rosie, geborene Heinzle, aus Götzis in Vorarlberg zur Welt. Die Familie verblieb nur wenige Jahre in Salzburg und zog schon bald nach Tirol, genauer nach Innsbruck, wo Franz Hofer senior als Pächter des Gasthauses Breinößl fungierte. Nach dem Besuch der Volksschule sowie der Oberrealschule in Innsbruck machte sich Franz Hofer selbstständig, indem er ein Geschäft für Radiogeräte eröffnete.

Seine ersten politischen Gehversuche startete Hofer in der Heimatwehr, diese waren aber von eher bescheidenem Erfolg gekrönt: er wurde von Stabschef Waldemar Pabst "wegen völliger Nichteignung" 1 entlassen. Am 15. September 1931 fand er durch seinen Beitritt bei der NSDAP ein neues politisches Tätigkeitsfeld. Dort stieg er innerhalb kürzester Zeit (es dauerte nur ca. eineinhalb Jahre) vom Ortsgruppenleiter zum Gauleiter für Tirol und Vorarlberg auf. Daneben schaffte er es ebenfalls, die NSDAP, die zu Beginn seiner politischen Laufbahn gespalten gewesen war, so weit zusammenzuführen und zu stärken, dass die Partei große Wahlerfolge verzeichnen konnte. So führte die am 23. April 1933 stattgefundene Ergänzungswahl für den Innsbrucker Gemeinderat zu einem riesigen Erfolg für die Nationalsozialistische Partei und Franz Hofer erhielt als Spitzenkandidat in Innsbruck sogar 41 % der Wählerstimmen - ein Phänomen, das vor allem Hofers Führungsstil, der sich unter anderem durch Propaganda und organisatorisches Geschick 2 auszeichnete, zu verdanken war. 3

Die NSDAP, nunmehr die "drittstärkste Fraktion" in Innsbruck, war nun unter anderem durch Franz Hofer als einer der drei NS-Stadträte in der Innsbrucker Stadtregierung vertreten. Nachdem die NSDAP auch in Landeck einen Erfolg mit über 30 % der Wählerstimmen feierte, durften in ganz Österreich Landtags- und Gemeindewahlen nicht mehr durchgeführt werden, da die Christlich-Sozialen weitere Erfolge der NSDAP und damit deren unaufhörlichen Aufstieg befürchteten. 4

Zeitgleich mit ihren politischen Erfolgen steigerte die NSDAP ihre gewalttätigen Übergriffe. So kam es am 11. Juni 1933 in Innsbruck zu einem Attentat auf den Kommandanten der Tiroler Heimatwehr, Richard Steidle, das dieser verletzt überlebte; ein weiterer Angriff erfolgte am 19. Juni 1933 auf christlichsoziale Turner, welchen die Nationalsozialisten mit einer Handgranate verübten. 5
In der Illegalität

Als Konsequenz dieser Anschläge wurde die NSDAP in Österreich verboten und gegen Hofer - dieser war im Juli/August 1934 in das Gefangenenhaus in Innsbruck verbracht worden - ein Prozess wegen Hochverrats angestrebt. Bevor es zur Durchführung weiterer rechtlicher Schritte gegen Hofer kommen konnte, gelang es ihm mit Hilfe von vier Mitgliedern der Tiroler SA zuerst nach Bozen und sodann mit dem Flugzeug nach München zu fliehen. Eine während der Flucht am Brennerpass durch einen Gendarmen beigebrachte Schusswunde nutzte Hofer gekonnt, um sich am "Parteitag des Sieges", der vom 31. August bis 3. September 1933 in Nürnburg stattfand, auf einer Bahre liegend in Szene zu setzen und dabei eine "flammende Rede" zu halten. 6

1934 wurde Franz Hofer die österreichische Staatsbürgerschaft durch die Regierung Dollfuß aberkannt. Trotzdem war er bis zum Juliputsch 1934 von Deutschland aus als Leiter der Tiroler NSDAP tätig und publizierte ebenso die in Österreich illegale Zeitung des Gaues Tirol-Vorarlberg, den Roten Adler . Nach dem Juliputsch erfolgte die Auflösung der österreichischen Landesleitung in Bayern und Franz

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