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Cover Der wahrhaftige Volkskontrolleur

Der wahrhaftige Volkskontrolleur

Roman

von Andrej Kurkow; Übersetzt von Kerstin Monschein

Erschienen 2011 bei Haymon Verlag
432 Seiten
ISBN 978-3-85218-703-7

Kurztext / Annotation

Es ist unglaublich, was Pawel Dobrynin erlebt, nachdem er unerwartet zum 'Volkskontrolleur auf Lebenszeit für die ganze Sowjetunion' gewählt wird. Auf seiner Reise durch die Sowjetunion begleitet ihn eine Vielzahl von schillernden Figuren: darunter der geheimnisvolle Kremlträumer, der Gedichte vortragende Papagei Kusma und ein Engel, der aus dem Paradies desertiert ist. Der Engel ist auf der Suche nach einem Gerechten, um mit ihm gemeinsam ins Paradies zurückzukehren, denn bislang ist noch kein einziger Sowjetbürger dort eingegangen ... Andrej Kurkow, Autor der Bestseller Picknick auf dem Eis und Der Milchmann in der Nacht, erzählt eine unterhaltsame und fesselnde Geschichte zwischen Fantasie und Wirklichkeit in der Sowjetunion. Dazu gibt es charmante Helden, eine abenteuerliche Geschichte und viel schwarzen Humor - ein echter Kurkow eben.
Andrej Kurkow, geboren 1961 in St. Petersburg, lebt seit seiner Kindheit in Kiew. Er studierte Fremdsprachen (er spricht insgesamt elf Sprachen), war Zeitungsredakteur und während des Militärdienstes Gefängniswärter. Danach wurde er Kameramann und schrieb zahlreiche Drehbücher. Seit 1996 ist er freier Schriftsteller und arbeitet daneben für Radio und Fernsehen. Zuletzt erschienen: Der Milchmann in der Nacht (2009).

Textauszug

Kapitel 3

Nachdem das Fuhrwerk das Dorf hinter sich gelassen hatte und sich zu beiden Seiten des Weges Kolchosfelder ausdehnten, drehte sich der Kutscher zu Pawel um, durchbohrte ihn mit einem kritischen Blick und fragte:

"Bist du etwa der, der der Gerechteste wird?"

Die Frage erstaunte Pawel, und er zuckte die Achseln.

"Dann sagst du eben nichts, wenn du nicht magst", sagte der alte Kutscher nach einem Augenblick, ohne die Antwort abzuwarten, und wandte sich wieder der Straße zu. "Wenn du es wirst, dann erfahre ich es sowieso. Der Ruhm eines Gerechten eilt in kürzester Zeit durch das ganze Land. Nenn mir wenigstens deinen Nachnamen, damit ich dann weiß, ob es der war, den ich gefahren habe, oder nicht."

"Dobrynin", sagte Pawel leise.

"Ein guter Name", nickte der Kutscher, ohne sich umzudrehen. "Ein Name für einen Helden. Ich habe bei eurem Kolchosbrigadier übernachtet, er hat mir am Abend von dir erzählt. Ehrlich seist du, bis zur Dummheit, sagte er. Aber ich habe seine Worte nicht gutgeheißen. Ich sagte zu ihm: Ehrlichkeit hat nichts mit Dummheit zu tun, sondern mit dem Gewissen. Wenn ein Mensch Fremdes nicht braucht, und es ihm um das Eigene nicht leid ist. Genau das hab ich ihm gesagt. Aber er war nicht einverstanden. Da dachte ich darüber nach, warum das wohl so ist in unserem Land, dass so wenige Leute die Ehrlichkeit an sich selbst schätzen? Na?"

"Ich weiß es nicht", gab Pawel zu.

"Siehst du, ich auch nicht. Ich gehöre ja auch zu diesen Leuten, ich schätze die Ehrlichkeit an mir selbst auch nicht so sehr. An den anderen schon, an mir selbst nicht besonders. Und gestern Abend ... Na, dieser Brigadier und ich haben miteinander getrunken, und er zeigte mir so ein kleines Büchlein. Lenin selbst, sagt er, hat es geschrieben. Ich riss die Augen auf - von Lenin habe ich ja schon gehört. Und als nun der Brigadier in den Keller ging, um Salzgurken zu holen, nahm ich das Büchlein und steckte es unters Hemd. Gestohlen hab ich's. Und warum? Schließlich kann ich gar nicht lesen. Und meine Alte auch nicht. Jetzt fahre ich also und quäle mich. Obwohl, so sehr auch wieder nicht, wenn ich ehrlich bin ..."

"Das ist nicht gut", seufzte Pawel.

"Das weiß ich ja", seufzte seinerseits der Alte. "Aber was kann man jetzt machen?"

"Gibt es bei euch im Bezirk eine Schule?", fragte Pawel.

"Natürlich."

"Dann nimm es und schenke es der Schule, damit die Kinder es lesen können. Dort wird es von Nutzen sein", sagte Dobrynin besonnen. " Sogar noch mehr als im Haus des Brigadiers."

"Oooh ...", machte der Kutscher nachdenklich. "Das ist wirklich weise ... und gerecht ... So mache ich es. Zuerst bring ich dich ans Ziel, und dann fahre ich sofort zur Schule. Ich kenne die, die Lesen und Schreiben unterrichtet. Ihr gebe ich es."

Sie fuhren noch lange. Der Gaul war alt und brachte kaum ein Bein vor das andere. Das Fuhrwerk bedeutete für ihn das Gleiche wie zwanzig Waggons für eine schwache Dampflok. Mal schwieg der Alte, mal redete er über irgendetwas, aber nicht mehr über die Ehrlichkeit, sondern über so allerlei aus dem Alltag. In den Minuten der Stille dachte Pawel in gespannter Erwartung über seine Zukunft nach, und in den übrigen Minuten hörte er dem Alten zu, der sich nicht mehr nach ihm umdrehte, sondern immer nach vorne auf den Weg sah, während er erzählte. So erreichten sie nach einiger Zeit die ersten Hütten des Bezirksdorfes. Der Alte erzählte Pawel, dass es vor der Revolution mehr als hundert Bauernwirtschaften in seinem Dorf gegeben habe und dass er nicht wüsste, wie viele es jetzt seien. Die Kolchoswirtschaft dort sei zwar groß, aber schwerfällig.

Sie hielten vor einer Hütte mit roter Fahne auf dem Dach. Aus dem in den Himmel ragenden Schornstein, an dem die Fahnenstange befestigt war, stiegen dichte und flockige Rauchschwaden, so als ob feuchte Kohle verbrannt würde. Der Rauch stieg empor und hob den roten Fahnen

Langtext

Es ist unglaublich, was Pawel Dobrynin erlebt, nachdem er unerwartet zum "Volkskontrolleur auf Lebenszeit für die ganze Sowjetunion" gewählt wird. Auf seiner Reise durch die Sowjetunion begleitet ihn eine Vielzahl von schillernden Figuren: darunter der geheimnisvolle Kremlträumer, der Gedichte vortragende Papagei Kusma und ein Engel, der aus dem Paradies desertiert ist. Der Engel ist auf der Suche nach einem Gerechten, um mit ihm gemeinsam ins Paradies zurückzukehren, denn bislang ist noch kein einziger Sowjetbürger dort eingegangen ...
Andrej Kurkow, Autor der Bestseller Picknick auf dem Eis und Der Milchmann in der Nacht, erzählt eine unterhaltsame und fesselnde Geschichte zwischen Fantasie und Wirklichkeit in der Sowjetunion. Dazu gibt es charmante Helden, eine abenteuerliche Geschichte und viel schwarzen Humor - ein echter Kurkow eben.
"Für Freunde des gepflegten Wahnsinns: Auch ein neugieriger Engel und ein literarisch bewanderter Papagei haben reizende Auftritte"
STERN

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