zum Fürchten...
von Asmodeus, 1. Juni 2013
Ein winziger Ort in den Bergen North Carolinas. Dort findet sich jeden Tag eine eingeschworene Kirchengemeinde im Haus Gottes ein - doch was dort geschieht, ist gottlos. Der 13-jährige Stump, der Zeit seines Lebens kein Wort gesprochen hat, soll mit Hilfe von Vater Chambliss, durch den - so ist sich die Gemeinde sicher - Jesus spricht und wirkt, geheilt werden. Doch der Junge verlässt die Kirche nicht mehr lebend. Die Familie steht vor einem Abgrund. Der Sheriff sieht sich verschlossenen Türen und Gemütern gegenüber. Doch so sehr die Kirchengemeinde auch bemüht ist, ihre Geheimnisse zu schützen, treten schon bald Abgründe und Bösartigkeiten zu Tage, die die erschreckende Zerstörungsmacht von blindem Gehorsam aufzeigen und auch jene, die schweigen und wegsehen, zu Mittätern machen. Wiley Cash greift in seinem Roman ein brisantes Thema auf: gefährliche Mitläuferschaft, religiöser Fanatismus, todbringende Feigheit.
Ausgezeichnet mit dem Dagger Award für den besten Debütroman und von Kirkus Reviews und Library Journal zum besten Roman 2012 gewählt, tritt man diesem Roman nicht gänzlich unvoreingenommen und erwartungslos gegenüber. Doch auch wenn ich mir an mancher Stelle ein wenig "mehr" (mehr Klarheit, mehr sich auflösende Fragen, mehr Background) gewünscht hätte, bietet dieser Roman sowohl Tiefgang als auch Unterhaltung. "Fürchtet euch" stimmte nachdenklich wie ein Roman, bot Spannung bis zur letzten Seite, wie man es sich von einem Krimi wünscht, und ließ Tränen fließen, die nur eine Familientragödie hervorlocken kann. Vielschichtiges Lesevergnügen!
Wenn der Glaube zur tödlichen Falle wird...
von britta70, 30. Mai 2013
Ein beschauliches Dorf in North Carolina inmitten der 80er Jahre. Die Idylle trügt. Was hinter den Kirchenmauern und unter der spitituellen Führung des Predigers Chambliss vor sich geht, ist das pure Grauen. Doch die eingeschworene Gemeinschaft steht geschlossen hinter Chambliss, der ihrer Meinung von Gott geschickt wurde und durch den sie die Stimme Gottes zu vernehmen glaubt. Allein Adelaide Lynn, die bereits einmal Zeugin eines Tod bringenden Rituals mit Giftschlangen wurde, hält sich vom Ort des Grauens fern. Zwar traut sie sich nicht gegen Chambliss ihre Stimme zu erheben, doch nimmt sie die Kinder während der Zeit des Gottesdienstes in ihre Obhut, um das Schlimmste zu verhindern. Leider kann sie jedoch nicht verhindern, dass Julie Hall, die dem Prediger gänzlich verfallen ist und die Ehe mit Ben wohl eher noch zum Schein aufrecht erhält, ihren 13jährigen Sohn Christopher mit in die Kirche bringt. Christopher, liebevoll, Stump genannt, ist stumm und Julie vertraut darauf, dass er mithilfe des Predigers und seinen Ritualen geheilt wird. Als sie meint, einen ersten Erfolg vernommen zu haben, gibt es für sie keinen Halt mehr. Jess, der jüngere Bruder, weiß in welcher Gefahr sein Bruder schwebt und dass seine Mutter sich täuscht. Doch er findet nicht die Worte, um dem Treiben hinter den verklebten Kirchenfenstern Einhalt zu gewähren. Christopher stirbt und die Familie treibt rasant dem Abgrund entgegen...
Der mit diversen Auszeichnungen versehene Debütroman von Wiley Cash lehrt einem regelrecht das Fürchten. Betroffen erlebt man mit, wie ein fehlgeleiteter Glaube Unschuldigen zur tödlichen Falle gerät. Entsetzt muss man die Tatenlosigkeit der geblendeten Anhängerschaft des fanatischen Predigers zur Kenntnis nehmen. Ein kleiner Hoffnungsschimmer am Ende des dunklen Tunnels mildert kaum die erschütternde Wirkung dieses Romans auf den Leser. Zwar kann Wiley Cash die am Anfang erzeugte Spannung nicht durchgängig halten. Dennoch ergibt sich durch die Parallalelität der 3 Erzählperspektiven ein mehr oder weniger stimmiges Ganzes. Einige Fragen bleiben ungeklärt, aber durch die Einblicke, die die 3 Erzähler: die Hebamme Adelaide, der Sheriff Glem und Christophers Bruder Jess, gewähren, kann man sich das, was unausgesprochen bleibt, selbst zusammen reimen.
Insgesamt gesehen, ein gelungenes Debüt, das zum Nachdenken anregt. Ich hin auf weitere Romane aus der Feder von Wiley Cash sehr gespannt!
Wohin fanatischer Glaube führen kann...
von KleineHexe82, 29. Mai 2013
Bei ?Fürchtet euch? handelt es sich um das Roman-Debüt des amerikanischen Autors Wiley Cash, der aus einer Bergregion im äußersten Westen North Carolinas stammt, welche auch Schauplatz von ?Fürchtet euch? ist. Das Buch wurde in den USA bereits mit mehreren Preisen ausgezeichnet, sodass ich sehr gespannt darauf war.
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Im Mittelpunkt des Romans steht eine Kirchengemeinde in dem kleinen Ort Marshall in North Carolina, die von dem sehr charismatischen Prediger Carson Chambliss geführt wird. Dieser reißt gerne Bibelstellen aus ihrem Zusammenhang oder legt sie so aus, wie er sie braucht. Außerdem ist es beispielweise üblich, dass die Anhänger ihre Glaubensstärke beweisen, indem sie im Gottesdienst Giftschlangen berühren. Dabei starb bereits vor längerer Zeit eine ältere Dame, deren wahre Todesursache dann von der Gemeinde vertuscht wurde. Nun kommt es aber zu einem weiteren Todesfall. Der dreizehnjährige Christopher Hall, der seit seiner Geburt noch nie ein Wort gesprochen hat, soll im Abendgottesdienst ?geheilt? werden und stirbt bei dieser Zeremonie. Die Mitglieder der Gemeinde schweigen natürlich dazu, was genau passiert ist, und so fällt es dem örtlichen Sheriff schwer, die genauen Todesumstände zu klären. Allerdings hat Jess, der neunjährige Bruder des getöteten Jungen mehr mitbekommen, als alle wissen, und zwar nicht nur von den Vorfällen im Gotteshaus, sondern auch davon, was sich einige Tage davor in seinem Elternhaus abgespielt hat.
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Erzählt wird die Geschichte aus drei verschiedenen Perspektiven. Aus der Sicht des neunjährigen Jess, aus der von Adeleide Lyle, einer älteren Dame, die als Hebamme und Heilerin im Ort arbeitet und die Sonntagsschule leitet und schließlich noch aus der Perspektive von Clem Barefield, dem örtlichen Sheriff. Diese tragen jeweils unterschiedliche Aspekte zu den Hintergründen bei, sodass sich langsam ein immer klareres Bild von dieser sehr speziellen Gemeinde und den Machenschaften ihres Predigers ergibt. Diese Erzähltechnik hat mir einerseits sehr gut gefallen, da man als Leser so tiefe Einblicke erhält, stellenweise behinderte sie den Lesefluss allerdings etwas, da es mit den Perspektivwechseln auch immer wieder zu Zeitsprüngen kam, die sich manchmal nicht sofort erschlossen. Als etwas langatmig empfand ich die immer wieder eingebauten Rückblicke, in denen man mehr über die Lebensgeschichte verschiedener Protagonisten erfährt, was aber meiner Meinung nach nicht immer in dieser Ausführlichkeit notwendig für das Verständnis der Zusammenhänge gewesen wäre. An anderen Stellen hätte ich mir dafür teilweise noch etwas genauere Informationen erhofft, besonders was bestimmte Glaubenspraktiken angeht. Insgesamt beschäftigt sich das Buch aber mit einer Thematik, die ich sehr interessant finde und es gelingt dem Autor auch auf eine beeindruckende Art, aufzuzeichnen, wohin ein derart fanatischer Glaube führen kann, welche Doppelmoral gerade beim Anführer der Gemeinde vorhanden ist und welche weiteren Umstände dies alles begünstigten.
Spannendes Debüt mit Tiefgang
von Heather_H, 26. Mai 2013
*INHALT*
In einem kleinen Ort in North Carolina, mitten in den Bergen, stirbt ein 13-jähriger Junge während eines Gottesdienstes der "Signs Following"-Kirche. Er war von Geburt an stumm und sollte während einer Zeremonie geheilt werden, doch er überlebt den Abend nicht.
Niemand redet, daher fällt es dem Sheriff schwer, den Hergang des Gottesdienstes zu rekonstruieren, bis Christophers jüngerer Bruder Jess sein Schweigen bricht und damit ungeahnte, katastrophale Ereignisse auslöst..
*MEINE MEINUNG*
Meiner Meinung nach ist Wiley Cash ein wundervolles, unglaublich tolles und spannendes Debüt gelungen.
Die Atmosphäre des Buches wird vom Cover sehr gut eingefangen: Es ist die ungezwungene Weite eines Kleinortes in den USA, die scheinbare Idylle, hinter der jedoch die hässliche Fratze des Bösen lauert. Es spielen sich im Ort, vor allem aber in besagter Gemeinde, unglaubliche Dinge ab, über die jedoch der Mantel des Schweigens gehüllt wird.
Die Protagonisten Adeleide Lyle (Leiterin der Sonntagschule), Jess Hall (Bruder des stummen Christopher) und Clem Barefield (Sheriff) führen durch die Geschichte und beleuchten auf Grund ihrer persönlichen Geschichten verschiedene Aspekte der Geschichte, die sich langsam zusammen setzt. Dadurch können auch die anderen Charaktere von verschiedenen Seiten beobachtet werden und haben die Gelegenheit, Tiefe zu entwickeln.
Der Schreibstil hat mich sofort gefangen genommen; es wird bereits im ersten Kapitel ein Spannungsbogen aufgebaut, der zu keinem Zeitpunkt einbricht, während der Leser immer mehr über das verschlafene Nest und deren Bewohner erfährt und immer tiefere Einblicke in die privaten Zustände erfährt.
Wiley Cash ist in seinem Debüt eine tolle Mischung aus Heiterkeit und Düsternis gelungen, eine unbeschwerte, leichte Atmosphäre, die doch immer wieder von der Kirche überschattet wird, die ihre Schatten weit voraus wirft.
Diese interessante, tiefgründige und zum Nachdenken anregende Geschichte wird virtuos erzählt und mit Thriller-Elementen verfeinert.
Nette abwechslung
von Raziel, 23. Mai 2013
Eine kleine Gemeinde die sich an einen Prediger hängt der angeblich von Jesus dazu auserkoren wurde die Menschen von ihren Süden zu reinigen und zu heilen. Von einem Prediger der eine Vergangenheit hat die niemand kennt und wenn sie davon wissen würden ihn auch vielleicht gar nicht als Prediger hochleben lassen würden. Es würde vielleicht alles nicht so schlimm sein, würde in einer Sonntagabendmesse nicht der kleine Stump (Christoper Hall) ums Leben kommen.
Nun bekommen wir das Buch von drei verschiedenen Personen erzählt. Jess Hall der kleine Bruder von Stump, Sheriff Clem Barefield und Adelaide Layle, einer älteren Dame die viel weiß aber auch viel für sich behält.
Alles sehr mysteriös aufgebaut aber leider nicht stabil genug. Erst wird viel wert auf diese ?Gemeinde? gelegt aber davon entfernt man sich dann doch recht fix und landet in einem Familiendrama.
Es gab aber auch Passagen die mich zum nachdenken angeregt haben und es dadurch nicht wirklich langweilig wurde und man trotzdem wissen wollte wie die ganze Sache nun endet.
Das Ende war leider etwas enttäuschen in der Hinsicht was nun wirklich mit Stump passiert ist. Das hätte noch ausgebaut werden können.
Cover gut gestaltet und passend. Schreibstil gut und flüssig zu lesen.
Alles in allem eine leichte Lektüre die man zwischendrin gut lesen konnte aber eben etwas die Höhepunkte fehlten.