Gelungene Mischung
von Helu, 22. Juli 2013
Eine gute Mischung ist dem Autor und Hobby-Pilger Peter Pfarl bei dem vorliegenden Pilgerführer gelungen. Eine Mischung, die Hintergrundinformationen über den Heiligen Wolfgang, eine Fußweg- und eine Fahrradroute zum Wolfgangsee sowie viele Hinweise auf landschaftliche und kulturelle Sehenswürdigkeiten entlang des Weges zusammenbringt und zu einem runden Ganzen werden lässt.
Am Beginn stehen Biographie, Legenden, Wallfahrt und Wunder des Heiligen Wolfgang. Hier erklärt sich der Weg vom Ort der Grabstätte (Regensburg) hin nach St. Wolfgang, das seit jeher weitaus bedeutender und größer ist, was die Verehrung des Heiligen angeht. In diesem ersten Teil fällt das Kapitel zu den anderen Wolfgangsorten sowohl wegen seiner sprachlichen und inhaltlichen Schwächen auf. Da hier fast nur aufgezählt wird, hätte man es sich entweder komplett sparen können, oder eben erweitern müssen ? schließlich möchte der Leser zum Beispiel, da er auf ein ?Sauhaxenopfer? in Fratres (S.30) hingewiesen wird, auch wissen, was es damit auf sich hat.
Es folgt die Beschreibung des Wolfgang-Pilgerwegs für solche, die sich zu Fuß auf den Weg machen. Nach grundsätzlichen knappen Tipps zum Fußpilgern (für einen völlig unerfahrenen sind diese vermutlich zu wenig ausführlich), folgt die Beschreibung der jeweiligen Etappen, die zwischen 17 und 37 km liegen. Die Beschreibungen sind zunächst sehr pragmatisch: Neben der letzten Gelegenheit für längere Zeit, die Wasservorräte aufzufüllen, stehen vor allem Wegbeschreibungen oder Hinweise auf Wegweiser. Zusätzlich werden Informationen über die Orte, ihre Baudenkmäler (v.a. Kirchen) und die Landschaften gegeben. So erfährt man vieles über die Ausstattung der Kirchen und Legenden aus dem Leben Wolfgangs, die mit bestimmten Orten in Verbindung gebracht werden. Besonders informativ sind die farbig unterlegten Kästchen, die auf Höhepunkte an der Strecke hinweisen. Immer wieder empfiehlt der Autor Routen abseits der Verkehrsstraßen, auch wenn damit teilweise Umwege verbunden sind.
In gleicher Weise wird der Fahrradweg beschrieben, der abgesehen von Start- und Zielpunkt erst ab Mattighofen mit dem Fußweg identisch ist.
Der kritische Leser mag sich an mancher Formulierung etwas stoßen (?Nachdem sich weitere Wunder ereignet hatten [...]?, S.32; ?Er gehört zu einer Kirche, die wegen eines Hostienfrevels erbaut wurde [...]?, S. 94), jedoch muss man das Format und das Profil des Autors berücksichtigen.
Als einer, der von der Wallfahrt und seiner Heimat fasziniert ist, möchte er das Pilgern auf einem ?der großen Wege der Welt?, den er als ?ein Stück abendländischer Kulturgeschichte? (S.32) beschreibt, wiederbeleben und dazu ermuntern. In den Texten wird diese Leidenschaft sehr deutlich erfahrbar, z.B. wenn er bei der Landschaft, die Richtung Wolfgangsee immer schöner wird, regelrecht ins Schwärmen gerät.
Auf diese Weise kann der Pilgerführer ein hilfreicher Begleiter werden für jene, die sich auf den Weg nach St. Wolfgang am Wolfgangsee machen und dabei die Mischung aus Pilgern, Landschaften und Kulturdenkmälern erfahren wollen.
von re.maier-henze@web.de, 10. Juli 2013
Viele Pilger kommen aus unterschiedlichen Richtungen, um ein gemeinsames weit entferntes Ziel zu erreichen. Der Ausgangspunkt des hier empfohlenen Wolfgangweges ist Regensburg, und von dort aus geht es über Altötting weiter nach St. Wolfgang am Wolfgangsee. Der Verlauf dieses neuen 300-330 km langen Pilgerweges, fern von Hauptverkehrsrouten durch die Natur, ist ein Vorschlag des Autors und seiner Berater (8f.) und wurde von ihnen erkundet. Der Weg führt an jenen Stätten vorbei, die vom Leben und Wirken des hl. Wolfgang (924-994), einst Bischof von Regensburg, geprägt sind. Vor der Erläuterung des in 11 Etappen aufgeteilten 300 km langen Fußweges erfährt der geneigte Leser nähere Einzelheiten aus der Vita des oft wandernden Heiligen (10-30). Es folgt eine informative Einführung zur optimalen Ausrüstung und zu Übernachtungsmöglichkeiten, sogar mit diversen Telefonnummern, um im Voraus das Nachtlager zu sichern! Jede Etappe besteht aus zwei Teilstrecken, und die zu leistende Km-Zahl ist angegeben. Zwischen die Seiten der einzelnen 11 Abschnitte sind jeweils Wanderkarten und Fotos von Sehenswürdigkeiten eingefügt. Der längere Radweg setzt sich aus 4 Etappen, die zwar ohne Teilstrecke, aber mit Km-Zahl angegeben sind, zusammen. Wieder gibt eine Einführung allerbeste Ratschläge für den ?zünftigen Biker? (87), Radwegkarten, Sehenswürdigkeiten und Übernachtungsmöglichkeiten sind integriert.
Dem Autor und seinem Team geht es letztlich nicht nur darum, mutige Wanderer und Radfahrer durch die Heimat zu führen. Sie sehen im Menschen eine durch das Leben pilgernde Person, der während des Pilgerns eine Möglichkeit gegeben ist, sich innerlich von der Realität des Gehens zu lösen. Wer nun den Wolfgangweg wählt, kann sich zudem in das Reich der vielen den hl. Wolfgang umgebenden Legenden und Wunder vertiefen.
Das handliche Büchlein mit seinen prächtigen Farbphotos auf Hochglanzpapier ist nicht nur eine Hommage amical an den bedeutenden Heiligen, sondern spiegelt auch die Heimat- und Wanderliebe des Autors und seiner Mitarbeiter.