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Cover Am Strand

Am Strand

Roman

von Ian McEwan; Übersetzt von: Bernhard Robben

Erschienen 2012 bei Diogenes
Sprache: Deutsch
208 Seiten
ISBN 978-3-257-60026-1

Kurztext / Annotation

Das Schlimmste am Heiraten ist die Hochzeitsnacht. Zumindest für Edward und Florence, 1962 im prüden England. Begierde und Befangenheit, Anziehung und Angst sind miteinander im Widerstreit in der Hochzeitssuite mit Blick aufs Meer. Die Nacht verändert das Schicksal der Liebenden - für immer.

Ian McEwan, geboren 1948 in Aldershot (Hampshire), lebt bei London. 1998 erhielt er für Amsterdam Abbitte

Textauszug


[7] Sie waren jung, gebildet und in ihrer Hochzeitsnacht beide noch unerfahren, auch lebten sie in einer Zeit, in der Gespräche über sexuelle Probleme schlicht unmöglich waren. Einfach sind sie nie. In der Hochzeitssuite eines georgianischen Landhaushotels setzte sich das Brautpaar zum Abendessen an den Tisch. Nebenan sah man durch die offene Tür ein ziemlich schmales Himmelbett, dessen Überwurf so makellos weiß und so erstaunlich glatt gestrichen war, als hätte ihn nie eine Menschenhand berührt. Edward erwähnte mit keinem Wort, daß er zum ersten Mal in einem Hotel übernachtete, wohingegen Florence, die ihren Vater als Kind auf vielen Reisen begleitet hatte, als Dame von Welt gelten konnte. Auf den ersten Blick schienen sie beide gehobener Stimmung zu sein. Ihre Hochzeit in der Kirche St. Mary in Oxford war reibungslos verlaufen, der Gottesdienst erbaulich gewesen, der Empfang vergnügt, der Abschied von Studien- und Schulfreunden fröhlich und turbulent. Anders als befürchtet, hatten sich die Eltern von Florence nicht herablassend gegenüber Edwards Eltern benommen, und Edwards Mutter war auch nicht aus der [8] Rolle gefallen, hatte sogar den Anlaß der Feier nicht völlig vergessen. In einem kleinen Auto, das der Mutter von Florence gehörte, waren die Frischvermählten davongefahren und am frühen Abend im Hotel an der Küste von Dorset angekommen, das Wetter ließ sich zwar weder den Umständen angemessen noch ideal für Mitte Juli nennen, war aber ganz passabel: Es regnete nicht, doch fand Florence es auch nicht warm genug, um auf der Terrasse vor dem Haus zu essen, was sie eigentlich gern getan hätten. Edward war anderer Ansicht, aber viel zu rücksichtsvoll, als daß er auch nur daran gedacht hätte, ihr zu widersprechen, schon gar nicht an diesem Abend.

Also aßen sie auf ihrem Zimmer - die Glastür einen Spalt geöffnet, so daß sie auf den Balkon sehen konnten, auf den Ärmelkanal und den endlosen Kieselstrand von Chesil Beach. Von einem Servierwagen im Flur bedienten sie zwei junge Männer im Smoking, bei deren Kommen und Gehen durch die Hochzeitssuite die gebohnerten Eichendielen in der Stille komisch knarrten. Der stolze, fürsorgliche Bräutigam aber achtete eifersüchtig darauf, daß die Bewegungen und Mienen der Bediensteten nur ja keine Belustigung verrieten. Er hätte nicht das leiseste Kichern geduldet. Doch die Burschen aus dem nahe gelegenen Dorf bedienten sie mit gebeugtem [9] Rücken und verschlossenem Gesicht; ihr Benehmen wirkte zaghaft, und ihre Hände zitterten, wenn sie etwas auf dem gestärkten Leinentischtuch abstellten. Sie waren selbst nervös.

In der Geschichte der englischen Kochkunst war dies nicht gerade eine ruhmreiche Zeit, doch bis auf Besucher aus dem Ausland störte sich damals niemand daran. Und wie seinerzeit so viele Festessen begann auch dieses Dinner mit je einem Stück Melone, verziert von einer einzigen Cocktailkirsche. Im Kerzenlicht der Warmhalteplatten warteten auf silbernen Tellern bereits seit längerem gebratene Rindfleischscheiben in einer Mehlschwitze, dazu gab es weichgekochtes Gemüse und bläulich schimmernde Kartoffeln. Der Weißwein kam aus Frankreich, woher genau, war nicht zu erkennen, da das Etikett einzig eine pfeilschnelle Schwalbe zierte. Einen Rotwein zu bestellen wäre Edward nicht in den Sinn gekommen.

Während nun Edward und Florence sehnsüchtig darauf warteten, daß die Kellner sie allein ließen, wandten sie sich auf ihren Stühlen dem Ausblick zu und betrachteten den breiten, moosigen Rasenstreifen mit der dahinterliegenden Wildnis blühender Bäume und Büsche, die sich an die steile Küstenböschung klammerten. Sie konnten einige [10] schlammige Stufen erkennen, einen Pfad, gesäumt von in die Höhe geschossenen Gewächsen, die wie gigantischer Rhabarber oder Riesenkohl aussahen und deren Stengel sich unter dem Gewicht dunkler, dickadriger Blätter beugten. In ganzer Pracht breitete sich

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