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Cover Die sechs Pilger

Die sechs Pilger

Roman

Erschienen 2017 bei Tirom-Verlag
Sprache: Deutsch
432 Seiten; 22 cm x 14 cm
ISBN 978-3-903193-00-0

Hauptbeschreibung

Was für den Autor als Pilgerreise beginnt, entwickelt sich rasch zu einer Geschichte, die zurückreicht bis ins 12. Jahrhundert. Geschehnisse verweben sich und führen ihm vor Augen, dass es hier etwas zu Ende zu bringen gilt.
Selten hat es jemanden verstanden, den Jakobsweg - den Camino Francés, so fesselnd und zugleich inspirierend darzustellen, wie es dem Autor mit diesem Buch gelungen ist. Doch war es wirklich nur eine Geschichte?

„Nur wer bereit ist mehr zu akzeptieren, als er zu verstehen imstande ist, wird den Zugang zu mir finden.“
Worte eines Weges

Kurztext / Annotation

Eine Zeitenreise zwischen Gegenwart und Vergangenheit auf dem Camino Francés

Textauszug

Kapitel 1 Anno 1134
Man sieht noch eine leichte Zeichnung des Weges, der mehr und mehr vom Schnee verschlossen zu werden droht. Nässe lässt den Schnee schwer werden. Tritt man darauf, zeichnen sich deutliche Spuren in den Untergrund. Es sind die Spuren von Adeline, Flore und Julien. Kleine Fußstapfen begleiten große, daneben kleine rote Punkte, die zu Flecken verlaufen, in einem Geflecht aus unzählig angehäuften Eiskristallen, weiß und kalt. Adelines Schritte zeichnen die großen Spuren ins Bild, Flore und Julien die kleinen und aus Flores Nase tropft es rote Punkte in den Schnee. Ein Bild, das schon kurz nach seinem Erscheinen verloren geht, so zahlreich breiten sich dicke Schneeflocken über das Land und heftige Sturmböen verschließen den Pfad.
Niemand sollte bei solch einem Wetter hier oben sein, auf den Gipfeln der Pyrenäen, und doch sehe ich ein kleines, lebendiges Häufchen, in dem noch ein Hauch von Wärme steckt, das sich gegen die Unwirtlichkeit des Augenblicks stemmt und zu erlöschen droht. Ich sehe in die beinahe schon leblosen und kalten Gesichter von Adeline, Julien und Flore. Fast übersehe ich den roten Faden, der von Flores Nase aus über ihre Wange läuft, so rot ist ihr Gesicht vor Kälte. Sie weint, doch sehe ich keine Tränen über ihr junges Gesicht laufen. Ein Gesicht, das Anmut verspricht, wenn es mit der nötigen Wärme und Liebe umsorgt wird. Adeline ist bereits erwachsen, beinahe acht Jahre älter als ihre kleine Schwester, und sie legt einen Arm schützend um sie. Die Knöchel ihrer Finger sind purpurrot und vor Kälte kaum noch bewegungsfähig und dennoch führen sie Julien, dessen Hand sie umschlossen halten. Sein Haupt ist tief gesenkt und er selbst wird durch die Kraft von Adelines Arm hochgehalten. Ihr Körper bietet ihm Schutz vor dem Schnee, der sie jetzt wild und heftig erfasst. Es wird immer schwieriger für Adeline, auf dem Weg zu bleiben, an den sich dunkle und tiefe Abhänge heften. Doch gerade diese Angst, den falschen Schritt zu gehen und damit die Existenz von Julien und Flore zum Erlöschen zu bringen, ein Leben das gerade erst begonnen hat und noch zu so vielen Fragen bereit ist, lässt sie achtsam sein und macht die Schmerzen und die Kälte, von der sie umschlossen sind, vergessen.
Die Schritte werden kürzer und das Gelände wird zusehends steiler. Fortwährend verlieren die Füße der drei den Halt und die Körper werden von den geschwollenen Knien Adelines aufgefangen, jedes Mal zerreißt ihr der Schmerz das Gesicht. Ein Gesicht, das starke Ähnlichkeit mit dem von Flore hat. Es ist reifer, von der Welt bereits unzählige Male begutachtet und damit der Scheu beraubt, gezeichnet von klaren geraden Linien, leicht verspielt. Glattes schwarzes Haar, das ihr bis an die Schulter reicht, auch wenn es jetzt durch den Schnee und die von ihm abtropfende Nässe verklebt und wild wirkt. Der Mantel, der nichts anderes ist als ein rechteckiger, um ihren Körper geschlungener Wollumhang, vermag es nicht, die zierliche, schmale Gestalt darunter zu verbergen. Eingehüllt in ein Bliaut, ein eng anliegendes, ihre schmale Figur betonendes Oberkleid aus Leinen, das ihr ganzer Stolz ist, auch wenn es bei näherer Betrachtung nicht so prunkvoll und vornehm aussieht, wie es vorzugeben scheint. Es reicht ihr bis an die Knöchel und lässt dort das ebenso lange Unterhemd in der Bewegung der Schritte abwechselnd hervorblicken. Die Füße werden von nach vorne hin spitz zusammenlaufenden und über den Rist verflochtenen Lederstücken umhüllt. Es sind harte Lederstücke, die ihre Fersen mit Blasen übersäen und die Zehen wund scheuern. Auch Flore und Julien tragen solche Schuhe und würden über die wunden Stellen in deren Innerem klagen, hätten sie die Kraft dafür. Ihre Körper werden ebenso wie Adelines durch einen rechteckigen Wollmantel, soweit es geht, vor der Kälte geschützt. Immer öfter glitzert es von dessen Oberfläche, hervorgerufen von Eiskristallen, die sich daran geheftet haben und von der das nun lichter werdende Wolkenband durchdringenden Sonne gespeist werden. Das Schneetreiben lässt nach und gibt die Sicht auf eine weiße Landschaft frei. Es ist kein Weg zu erkennen. Adeline hält an und sieht in die ausdruckslosen Gesichter von Julien und Flore.
„Wir rasten kurz“, sagt sie erschöpft. Julien lässt sich in den Schnee fallen. Adeline mahnt ihn aufzustehen, doch Julien reagiert nicht. Sie hebt ihn hoch und klopft den Schnee von seinem Gesäß, der einen nassen Fleck auf dem Stoff hinterlässt. Die Schneeauflage ist nicht besonders dicht und das darunter befindliche Gras ist nass. Adeline räumt ein Stück Fels von Schnee frei, breitet ihren Mantel darüber und setzt Julien darauf. Dann nimmt auch Adeline Platz, mit Flore in ihren Schoß gebettet.
Die Sonne findet jetzt vermehrt offene Stellen durch den wolkenverhangenen Himmel, der Fels beginnt zu leben.
„Ich habe Hunger.“
Adeline reagiert auf Juliens Verlangen und greift in ihren Beutel, bricht ein Stück Brot ab und reicht es ihm, auch Flore gibt sie ein Stück. Adeline entfernt den roten Faden, der von Flores Nase aus über ihre Wange läuft, mit einer Hand voll Schnee und betrachtet die Quelle der Entstehung. Die Nase hat aufgehört zu bluten. Adeline reibt mit den Händen ihre Knie, beugt und streckt sie, verfolgt von einem gelben Tuch, das sich mit Flores Haupt bewegt.
Sie hat dieses Kopftuch zu ihrem elften Geburtstag bekommen. Das liegt knappe vier Monate zurück und es war der schönste Tag in ihrem noch jungen Leben. Anfangs, danach hasste sie diesen Tag, aber sie liebt weiterhin ihr Kopftuch, die letzte Erinnerung an ihren Vater. Flores Mutter war bei der Geburt ihrer kleinen Schwester Merle gestorben. Das war vor vier Jahren und ein Jahr darauf starb auch Merle an nicht abklingendem Fieber. Zu jener Zeit trat auch Julien in ihr Leben. Er trieb sich ständig in der Nähe ihres Hofes herum. Es war Flore, der er als Erstes ins Blickfeld kam. Er wurde ein Teil der Familie und ihr Bruder, ihr kleiner Bruder, auf den sie achtgeben muss. Den Hof, den sie in La Romieu, einer kleinen Ansiedlung von Bauern und Teil der Besitztümer einer Benediktinerabtei in Marseille, bewirtschafteten, brachte genügend hervor, um davon leben zu können. Und manchmal reichte es auch für eine kleine Überraschung, wie an diesem elften Geburtstag von Flore. Ihre Lieblingsfarbe ist Gelb und sie wünschte sich nichts sehnlicher, als ihre langen schwarzen Haare mit einem gelben Kopftuch zu schmücken.
Mit der Sonneneinstrahlung setzt sich der Schnee und es zeichnet sich eine Richtung in die Landschaft. Zeit, weiterzugehen. Jeder Tritt lässt die Füße im tiefer werdenden Boden versinken und zehrt den letzten Rest der ohnehin bereits verbrauchten Kräfte aus ihren Leibern. Dieser Teil verläuft recht eben und der schmelzende Schnee wird von der Erde wie von einem Schwamm aufgesogen und festgehalten. Sie erkennen nicht, wie tief der nächste Schritt sie im Erdreich versinken lassen wird. Es sind keine Spuren vorhanden, die ihnen den Weg weisen könnten. Nach jedem Schritt sieht sich Adeline um. Ja, wir müssen hier richtig sein, sagt sie ständig vor sich her. Flore und Julien folgen ihr, ohne ein Wort zu sagen, aber sie nehmen es ihrer großen Schwester übel, sie hier hochgebracht zu haben.
Sie waten eine halbe Stunde, die ihnen wie eine Ewigkeit vorkommt, durch den Schlamm, bis sie wieder einigermaßen festen Boden unter den Füßen haben. Flore, die nun mit Julien ein Stück vorausgelaufen ist, sieht als Erstes ins Tal von Roncesvalles.
„Kinder, wir haben es geschafft, wir müssen am Col de Lepoeder sein“, sagt Adeline mit vor Freude weinerlich klingender Stimme. „Kommt her, gebt mir die Hand, wir müssen vorsichtig sein beim Hinuntergehen.“ Sie wendet sich mit Nachdruck an die beiden, die von einer Seite zur anderen springen. Flore lässt es sich von ihrer Schwester bestätigen, dass sie als Erste hier oben war, noch vor Julien, und ist sichtlich stolz darauf.
„Aber nur weil ich ausgerutscht bin.“ Julien kann sich die Niederlage nur schwer eingestehen. Der Untergrund ist fest und mittlerweile frei von Schnee. Das schlechte Wetter hat die nach Süden hin gerichtete Seite des Berges verschont. Nebel zieht auf. Die Sicht wird mit jedem Schritt schlechter. Adeline fasst erneut nach den Händen ihrer Geschwister.
„Wo ist Julien?“ Adeline blickt zu Flore.
„Ich weiß nicht, er war eben noch hier.“ Eine nicht besonders hilfreiche Antwort.
„Julien!“, ruft Adeline.
„Julien!“, ruft jetzt auch Flore. „Da vorne, siehst du ihn?“
„Julien, bleib stehen“, ruft Adeline in seine Richtung. Doch Julien steht bereits und hebt den Arm.
„Seid still, hört ihr nicht?“ Schweigen. „Hört doch, es kommt aus der vor uns liegenden Richtung.“ Julien flüstert dabei, als könnten die Geräusche durch seine Worte verloren gehen.
„Es sind Glocken.“ Vorerst noch etwas unsicher, aber dann sprudelt es aus Adeline hervor. „Ja, dort vorne muss sich das Hospital befinden, von dem mir Pater Raoul erzählt hat.“ Sie kramt in ihrer Tasche, bringt einen gefalteten Zettel zum Vorschein und liest: Großer Berg – Ibañeta-Pass – Hospital. „Wir sind auf dem richtigen Weg. Gott sei Dank.“ Julien und Flore nehmen die Heiterkeit, die von Adelines Gesicht ausströmt, in die ihren auf und lächeln, das erste Mal am heutigen Tag.
„Kommt, Kinder!“ Sie werden von dem Geläut förmlich angezogen. Das Schlagen der Glocken wird lauter und Mauern treten ins Bild. „Seht, das Hospital, hier können wir übernachten“, sagt Adeline.
„Bekommen wir auch etwas zu essen?“, fragt Julien zaghaft.
„Sicherlich bekommst du etwas zu essen.“ Adeline streicht mit ihren Fingerrücken über seine kalte Wange.
Sie stehen nun vor einer großen Holztür, die sich öffnen lässt. Adeline blickt hinein. Ein großer Mann in einem braunen Umhang mit Kapuze, die ihm am Rücken baumelt, kommt den Flur entlang und begrüßt Adeline und ihre Begleiter, die der Reihe nach hinter Adeline den Flur betreten.
„Seid willkommen, ich bin Pater Nevio. Ihr habt doch sicher Hunger, folgt mir“, begrüßt sie der Mann im Hospital. Ein karger, schmaler Raum, ebenso karg und schmal wie sein Gastgeber. Mit einer Kerze in der Hand führt sie der Mann in einen von mehreren Kerzen beleuchteten und von einem Feuer gewärmten Saal.
„Holz haben wir hier genug“, bekräftigt Pater Nevio, als er beim Anblick der Kinder sieht, wie die angenehme Wärme in ihnen hochsteigt. „Ihr könnt am Feuer eure Kleider und die Schuhe trocknen.“
Adeline beobachtet weitere vier im Raum befindliche Personen. Ein älterer Mann, der sich die Seele aus dem Leib zu husten droht, und eine Frau mittleren Alters, die ihm mit ihrer rechten Hand über den Rücken streicht, während sie ihm mit einem Tuch die Stirn betupft. Beide befinden sich gleich auf der rechten Seite neben dem Feuer. Ein weiterer, ihr abgewandter Mann blickt auf der linken Seite des Raumes aus dem Fenster. Obwohl barfuß und nur mit einem Unterhemd bekleidet, wirkt dieser Mann vornehm auf Adeline. Es sind seine Haare und die Art, wie er steht, die dies bewirken. Die vierte Person im Raum hantiert mit Schuhen am Feuer herum. Ein jüngerer Mann, vermutlich der Diener des Herrn am Fenster, denkt sich Adeline. Er nickt ihr zu. Sie vergräbt ihr Gesicht verlegen im Wollmantel.
„Kommt, ihr drei“, sagt Pater Nevio und führt sie in den daneben liegenden Raum, wo sich die Küche befindet. „Es ist besser, wenn ihr eure Kleider und Schuhe hier trocknet. Das ist Bruder Noel.“ Pater Nevio deutet auf den Mann an der Feuerstelle.
„Er wird euch etwas zu essen geben. Die beiden Pritschen dort an der Wand“, Pater Nevio zeigt mit seinem Kinn auf die rechte Seite des Raumes, „gehören heute Nacht euch. Ihr werdet alleine sein. Noel und ich schlafen draußen im Saal bei den anderen.“
„Ihr habt Glück“, sagt Bruder Noel zu seinen drei neuen Gästen. Er ist ebenfalls hager und groß gewachsen wie Pater Nevio. Seine Stimme ist laut und kräftig. „Die Navarresen – ich muss schon sagen, ein grimmiges und Furcht einflößendes Volk – haben uns ein Schaf gebracht. Sie haben gesagt, es wurde vom Blitz getroffen. Ich weiß nicht, ich trau denen nicht über den Weg, aber sie bringen uns ständig etwas zu essen, sei es drum. Hier, esst, wir haben heute genug.“
Bruder Noel gibt jedem der drei ein großes Stück vom gebratenen Lammrücken auf den Teller. Daneben stellt er eine Schüssel Getreidebrei für die hungrigen Mägen. Flore und Julien haben noch nie in ihrem Leben Lammfleisch gegessen. Schweinefleisch und Huhn, ja, das kennen sie, auch wenn es nicht gerade üppig in ihrem bisherigen Nahrungsumfeld vorhanden war, aber Lamm oder Schaf, was immer das sein mag, ist noch nie durch ihre Kehlen gerutscht. Ungeachtet dessen verschlingen sie es förmlich mit ihren Mäulern, sodass Adeline sie andauernd bremsen muss.
Später am Abend tritt Pater Nevio nochmals an Adeline heran.
„Woher kommt ihr?“, fragt er. „Ihr seid doch auf Pilgerreise, wie ich es der Stickerei an deiner Tasche entnehme.“
„Wir kommen von La Romieu und wollen ans Grab des heiligen Jakobus, und es freut mich, wenn Ihr uns als Pilger seht. Ich heiße Adeline und das sind Flore und Julien, meine Geschwister.“ Adeline fühlt sich seiner Worte geschmeichelt.
Pater Nevio blickt auf die beiden Kinder.
„Seid ihr alleine?“, will er von ihr wissen.
„Ja“, lautet die kurze Antwort.
„Dies ist nicht wirklich ein Platz für Kinder“, ermahnt Pater Nevio Adeline. „Und damit meine ich auch dich“, fügt er noch hinzu.
„Die beiden sind meine Familie und sie gehen mit mir, wohin ich auch gehen muss, und mich führt es nach Santiago, nach Compostela“, erwidert Adeline.
„Du bist dir nicht bewusst, was euch auf dieser Reise erwartet. Kennst du überhaupt den Weg?“
Adeline holt den gefalteten Zettel aus ihrer Tasche hervor. „Hier stehen die Wegpunkte und ich kann lesen.“ Trotzig hält sie ihm das Blatt Papier vors Gesicht.
Pater Nevio entfaltet das Schriftstück, blickt darauf und sagt: „Wer hat dir das gegeben?“
„Vor langer Zeit, noch bevor mein Vater geboren war, hat sich ein Mann im heutigen La Romieu niedergelassen. Er war ein Einsiedler und erzählte den vorbeikommenden Menschen von seiner Reise zum Grab des heiligen Jakobus. Es kamen Leute, nur um seine Geschichte zu hören, und nach und nach ließen sich dort Menschen nieder. Dem Benediktinerkloster, dem diese Ländereien gehören, blieb dies nicht länger verborgen. Auch die Mönche lauschten, prüften seine Erzählungen und gaben schließlich diesem Ort den Namen La Romieu. So erzählte es mir mein Vater und ihm sein Vater. Dieses Stück Papier ist alles, was mir von ihm geblieben ist.“ Adeline blickt zu Pater Nevio. Dieser faltet den Zettel zusammen und gibt ihn Adeline zurück.
„Wo liegt La Romieu?“, will er nun wissen.
„Unweit südlich von Agen.“
„Ich weiß, wo Agen liegt. Ihr müsst dann an die sechs Tage unterwegs sein.“
„Es sind zwölf“, sagt Adeline.
„Dann meine ich ein anderes Agen.“ Pater Nevio zupft sich mit der Hand sein Kinn.
„Ihr meint schon das richtige Agen, Pater. Wir sind zuvor nach Conques gegangen, ans Grab der heiligen Fides. Sie sollte uns Kraft spenden für die Reise, vor allem aber Julien, der nicht der Kräftigste ist.“
„Ich kenne diese Geschichte. Ein junges zwölfjähriges Mädchen, auf einem glühenden Rost gemartert, enthauptet und verbrannt. Es hatte sich geweigert, die heidnischen Götter anzubeten. Es geschah nur wenige Jahre bevor das Christentum als Religion anerkannt wurde. Die Gebeine des Mädchens wurden aber erst Hunderte Jahre später von Christen ins jetzige Conques geschafft. Es soll Wohl den Kranken, aber auch den Gesunden spenden. Ihr habt richtig getan und ich gebe euch meinen Segen.“
Mit einem „Danke, Pater“ senkt Adeline demütig ihr Haupt.
Pater Nevio verlässt den Raum, öffnet eine versperrte Tür, die zu einem weiteren Raum rechts vom Saal führt. Eine kleine Kammer mit einem Tisch, einem Stuhl und einem Regal an der Wand. Er fasst ans Regal, holt ein Buch hervor und beginnt zu schreiben: „17. Mai, anno 1134 – das Hospital beherbergt heute sieben Menschen. Es sind sieben Pilger mit dem Ziel Compostela. Ein Ehepaar aus Le Puy (Notiz: Werde beide noch einen Tag hierbehalten, der Mann ist krank). Ein Edelmann aus Tours mit Diener. Adeline, Flore und Julien, Geschwister aus La Romieu (Notiz: 18, elf und zehn Jahre. Seltsam, wie erfreulich doch manchmal dieser Ort sein kann).“
Und ich sehe Leben in den Gesichtern von Adeline, Julien und Flore und ich spüre, wie sich Juliens Lungen mit Sauerstoff füllen.

Kapitel 2 Festigkeit
„Cafetería Palace“ steht über der schmalen Eingangstür des Restaurants, das mir Kurt empfohlen hat. Ich sehe auch sogleich die Tafel, auf der mit Kreide das Menü für die Pilger des Camino Francés angeboten wird. An der zur Straße hin ersichtlichen Seite auf Englisch und an der abgewandten Seite in der Landessprache. Das Lokal ist gut besucht. Dem fragenden Blick des Kellners antwortend, sage ich: „Menü“, und werde an einen noch freien Tisch geleitet. Daneben sitzen Leute, die ich schon gesehen habe. Ich erkenne Wolfgang und Anna, beide aus Deutschland, und grüße sie, nachdem sie mich bereits zuvor begrüßt haben. Auch die anderen am Tisch nicken.
Ich bekomme sofort eine Flasche Rotwein und aufgeschnittenes Baguette in einem Körbchen serviert und kurz darauf auch die Vorspeise, einen Salat mit Nudeln und Käse. Das fängt ja gut an, denke ich mir. Ich mag keinen Käse, stochere darin herum und lasse den Salat dann stehen. Ich erkläre dem Kellner, dass es nicht an der Qualität des Essens liegt, sondern dass ich keinen Käse vertrage, und betone es nochmals auf Spanisch. Das sind immer die ersten Worte, die ich in einem anderssprachigen Land lerne. „Sin queso.“ Der Kellner lässt daraufhin nicht locker und bringt mir einen neuen Salat, diesmal ohne Käse. Wow, das nenne ich Service.
Am Nebentisch, an dem Wolfgang und Anna sitzen, steht ein Mädchen auf. Es ist Gina, wie ich später noch erfahren werde. Wolfgang und die anderen am Tisch fordern mich auf, zu ihnen zu kommen, mit meiner Flasche Rotwein natürlich, die sie mit mir gemeinsam zu trinken gedenken. Ich ziere mich nicht lange, deute dem Kellner meinen Platzwechsel an und setze mich, die Flasche Wein in der Hand, an den frei gewordenen Platz neben Wolfgang. Es ist anfangs schwierig für mich, gegen die Aufmerksamkeit, die dem Rotwein entgegengebracht wird, anzukämpfen, aber schließlich halte ich doch länger durch als mein mitgebrachter roter Freund.
Wir stellen uns gegenseitig vor. Vielmehr ist es Wolfgang, der diese Aufgabe übernimmt und mich mit jedem bekannt macht. Vermutlich fühlte er sich dazu verpflichtet, da er wie ich Deutsch spricht, und ich bin ihm dafür auch dankbar. Mir gegenüber sitzt Chris, er ist mit 59 Jahren der Älteste am Tisch und kommt aus der Grafschaft Essex in England. Links von ihm sitzen Sherri, sie ist 57, und Kristi, 50, beide leben in Oregon. Wolfgang hält es für angebracht, auch gleich das Alter anzuführen. Am Kopf des Tisches befindet sich Steve, der 54-jährige Australier, und neben Wolfgang, er ist 49, sitzt Anna, 44 Jahre alt, sie kommt ebenfalls aus Deutschland.
„Reinhard“, wiederholt Kristi meinen Namen, etwas anders eingefärbt, und sie gibt mir damit zu verstehen, dass der heutige Abend mit der englischen Sprache vorliebnehmen wird.
„Du kommst aus Österreich? Ein schönes Land, ich war schon mal in Salzburg und Wien.“
„Wirklich?“, mache ich auf erstaunt und werde sofort von Sherri unterbrochen, die Österreich ebenfalls schön findet. Sie weiß sogar, dass wir Österreicher Deutsch sprechen, auch wenn sie noch nie dort war.
Der Kellner bringt mir die Hauptspeise, ein gebratenes Hühnerfilet mit Kartoffeln, und bereits die Nachspeisen für meine Tischnachbarn. Ein weiterer Kellner, wie sich jetzt herausstellt der Chef des Hauses, stellt uns noch eine Flasche Rotwein auf den Tisch. Sherri und Kristi bekräftigen dies mit einem lauten Beifall und wir Übrigen stimmen freudig ein. Es ist mein dritter Abend in Spanien und es fällt mir schwer, die Gastfreundschaft, die uns Pilgern von den Einwohnern dieses Landstrichs entgegengebracht wird, zu verstehen. Ich habe gerade ein dreigängiges Abendessen verzehrt und eine Flasche Rotwein getrunken zu einem Preis, bei dem ich mich schämen sollte. Zu Hause würde ich nicht mehr als die Hauptspeise für dieses Geld bekommen. Ich will gerade meine Tischnachbarn darauf ansprechen, als am Tisch die Gläser zum Gruß ans Lokal erhoben werden. Ich bin mit voller Freude dabei und bringe mein Glas beinahe zu Bruch.
Mein Blick fällt auf den Tisch. Essensreste suhlen sich neben Rotweinflecken und machen die Tischdecke fast schon zu einem Kunstwerk. Daneben liegen zerknüllte Papierservietten, die diesen künstlerischen Aspekt unterstreichen. Wolfgang schnäuzt sich in seine Serviette und trägt zur musikalischen Untermalung dieses von mir bewunderten Ambientes bei. Es sind ausschließlich fröhliche Gesichter, die mich umgeben und immer wieder für Augenblicke mit mir Kontakt aufnehmen. Gerade diese wortlosen Blicke nehmen mich ein und sie geben mir ein Gefühl von Wärme und Geborgenheit. Wir nutzen die verbleibende Zeit bis zum Zapfenstreich um 22 Uhr für einen Bummel in der angrenzenden Altstadt von Pamplona.
Ich möchte hier noch kurz auf die Bedeutung des Zapfenstreichs eingehen. Bei allen öffentlichen, kirchlichen und städtischen Herbergen auf dem Camino Francés ist es Teil des Pilgerwesens, die Tore um 22 Uhr zu schließen und diese erst wieder am nächsten Tag um 6 Uhr zu öffnen. Diese Gepflogenheit diente früher dem Schutz der Pilger und wird auch heute noch beibehalten; auch viele private Herbergen halten sich an diese Abmachung.
Es ist kalt geworden, aber trotzdem herrscht Leben in den schmalen Straßen der Altstadt. Ein Freitagabend, an dem auch hier wie in den vielen anderen christlichen Städten und Gemeinden der Übergang vom arbeitsreichen Teil der Woche in die kurzen, erholsamen Tage zum Ende der Woche gefeiert wird, auch wenn laut der katholischen Kirche die Woche mit dem Sonntag beginnt. Viele Restaurants und Bars schmücken diesen Teil der Stadt. Zwei Gassen weiter stehen wir vor der Kathedrale Santa Maria, einem wuchtigen gotischen Kirchenbau. Die Eingangstore sind bereits geschlossen. Sherri fordert uns auf, oben am Ende der Stufen zur Kathedrale zusammenzurücken. Sie macht ein Foto, und wir schlendern weiter durch die Altstadt.
Chris bleibt vor einer Anzeigentafel mit Laufschrift stehen und murmelt etwas von 13 Grad. Auch ich blicke auf diese Tafel. Chris deutet auf die Laufschrift, die den Countdown bis zum Stiertreiben hinabzählt, das alljährlich in Pamplona stattfindet. Ich meine, dass es sich bei der letzten Zahl um Stunden handelt. Chris überlegt, dann müsste dieses Ereignis bereits kommendes Wochenende stattfinden. Es sind zwei Zahlengruppen, die angezeigt werden. Die zweite Zahlengruppe zeigt 2014, wir deuten diese als die Jahreszahl, die erste zeigt 44. Auch Wolfgang hat sich mittlerweile in unsere Diskussion eingeschaltet und wir sind uns jetzt sicher, dass es Tage sind, die zur Jahreszahl angezeigt werden. Der Stierlauf wird daher am 7. Juli seinen Anfang nehmen, so haben wir es beschlossen, und die Stiere werden diese Straße entlangkommen.
Ich denke, ich habe mal gelesen, dass Ernest Hemingway in seinem Roman ,Fiesta‘ von diesem Stierlaufen berichtet“, sage ich zu Chris.
„Ist durchaus möglich“, bejaht er und gibt mir dabei zu verstehen, dass er zwar Hemingway kennt, aber noch nichts von ihm gelesen hat.
„Durch dieses Buch soll der Stierlauf auch für die Amerikaner …“ Kristi fällt mir ins Wort.
„Was ist mit den Amerikanern?“, und treibt uns an weiterzugehen. „Es ist schon halb zehn, wir müssen zurück in die Albergue, wenn wir heute noch in einem warmen Bett schlafen wollen.“ Kristi unterstreicht es mit richtungsweisenden Armbewegungen.
„Meinst du, sie sind hier auch so streng, was die Sperrstunde angeht?“, frage ich.
„Ja“, antwortet Kristi. „Es ist schließlich eine Herberge der Jakobusbruderschaft Paderborn.“ Den Namen der Albergue spricht sie lang gezogen aus und lächelt dabei.
„Wir wollen es nicht darauf ankommen lassen“, pflichtet ihr Chris bei.
„Ihr habt recht“, sage ich, „und es ist auch nicht fair den anderen Pilgern gegenüber, die schlafen wollen, wenn wir im Zimmer so spät noch Radau machen.“
Der Weg zurück entpuppt sich als kürzer als gedacht und wir setzen uns auf die Steinbrücke, die sich über den kleinen Fluss neben der Albergue spannt. Wir genießen noch für einen kurzen Augenblick das prächtige Farbenspiel des Sonnenuntergangs und mein Blick wandert zu unseren Füßen, die von der Brücke baumeln. Hier war es wieder, das Gefühl der Geborgenheit und der Wärme, das ich zum ersten Mal beim gemeinsamen Abendessen empfunden habe. Es ist der Camino, der sich beginnt mir zu öffnen, ein kleines Dankeschön für die Kräfte, die ich ihm über die Pyrenäen geopfert habe, und eine kleine Wiedergutmachung für die Schmerzen, die er mir zugefügt hat und die ich ertragen habe, ohne auch nur den Funken eines Gedankens ans Aufgeben zu vergeuden. Ich hatte die Empfindung, geprüft zu werden für die Reise, die ich vorhabe, und war glücklich darüber und bin es nun umso mehr.
Wir umarmen uns wortlos und sehen gemeinsam auf unsere Füße. Die Füße, die uns noch Hunderte Kilometer durch das nördliche Spanien tragen werden, und wenn es in diesem Moment auch niemand sagt, so bin ich doch überzeugt, dass, wenn ein Wort dazu gesprochen werden sollte, es für jeden dasselbe sein würde: GEMEINSAM.

Kapitel 3 Am Anfang
Blicken wir zunächst aber noch zwei Tage zurück. Begonnen hat alles in Saint-Jean-Pied-de-Port, einem kleinen Ort auf der französischen Seite der Pyrenäen. Im Mittelalter war dieser Ort Teil des Königreichs Navarra, das sich heute auf die andere Seite der Pyrenäen begrenzt, die spanische Seite. Es hat die Nacht über geregnet. Ich habe es in den zahlreichen wachen Momenten der frühen Morgenstunden durch das offene Fenster vernommen und umso erleichterter bin ich jetzt, dieses Geräusch nicht mehr zu hören. Mit der Nacht und dem Schlaf hat sich auch der Regen verabschiedet. Ich bin froh, nichts wäre in diesem Moment schlimmer für mich gewesen, als meinen Weg im Regen anzutreten.
Meine Blase drängt mich ins Badezimmer. Besetzt. Wir sind sechs Personen im Zimmer und müssen uns das in einem Raum befindliche WC, das Waschbecken und die Dusche mit weiteren drei Personen im Nebenzimmer teilen. Es steht niemand vor dem Bad. Ich warte also zwischen der verschlossenen Tür zum Badezimmer und der offenen Tür zu meinem Schlafraum.
Ein junges Mädchen, es dürfte nicht älter als 22 oder 23 Jahre sein, zart, mit langen blonden Haaren, beginnt wieder mit der Beatmung, oder ist es die Reinigung seiner Lungen? Ich habe es schon gestern Abend dabei beobachtet, als ich vom Abendessen zurück ins Zimmer gekommen bin. Ich dachte zuerst instinktiv an eine Wasserpfeife, da die junge Frau dabei mit einem jungen Burschen in ihrem Alter im Bett saß. Wie ich dann aber leider feststellen musste, handelte es sich hierbei um kein Vergnügen für die beiden, sondern um eine technische Errungenschaft, die ihren Lungen beim Atmen half. Das Mädchen leidet offenbar an einem schweren Lungendefekt und der junge Mann, ich meine, es ist ihr Freund, half ihr beim Bedienen des Geräts. Ich kann nicht verstehen, was sie sagen, es klingt ein wenig nach einem skandinavischen Dialekt. Das Bad ist jetzt frei.
Ich verlasse beinahe gleichzeitig mit dem Mädchen und dem Jungen die Albergue, so nennt man auf dem Camino die Pilgerunterkünfte, und verabschiede mich von Rosa, die mit ihren sechs Katzen Besitzerin dieser Pilgerunterkunft ist. Es war meine erste auf dem beinahe 800 Kilometer langen Camino Francés, der auf mich wartet, und mein erster Massenschlafraum seit meiner neunmonatigen Pflichtzeit beim österreichischen Bundesheer. 30 Jahre sind seither vergangen und ich habe mittlerweile meinen 49. Geburtstag gefeiert, mehr oder weniger, eher weniger. Wir schreiben den 21. Mai 2014 und es ist kurz vor 8 Uhr. Die meisten der heute startenden Pilger sind bereits auf dem Camino. Ich kaufe mir noch ein Baguette und raus geht es durch das Stadttor, den ersten Anstieg auf die Pyrenäen hoch.
Im Geiste gehe ich nochmals die Checkliste durch, alles dabei? Mir schiebt sich gerade ein Abschnitt eines Buches vor Augen, das ich zur Einstimmung auf den Jakobsweg gelesen habe. Darin schreibt der Autor, dass er seinen Pilgerpass zu stempeln vergessen hatte. Es durchzieht mich ein Schauer. Ich drehe mich um 180 Grad und nehme Ziel auf Saint-Jean-Pied-de-Port, zurück durch das Stadttor und direkt ins Pilgerbüro. Nur noch vereinzelte Pilger befinden sich hier. Der erste Stempel erscheint in meinem Pilgerpass und ich bin ein klein wenig stolz und vor allem froh, mein Missgeschick noch rechtzeitig bemerkt zu haben. Ich starte meine Reise ein zweites Mal und nun baumelt auch eine Jakobsmuschel an meinem Rucksack.
Ich muss auf die Markierungen achten, denn Pilger sehe ich jetzt weit und breit keine mehr, weder vor noch hinter mir. Nach etwa 30 Minuten auf der leicht ansteigenden Asphaltstraße stoße ich auf das Mädchen mit den verklebten Lungen und ihren Freund. Sie werden begleitet von einem Mann mit einer riesigen Kamera, sie ist beinahe so groß wie mein Rucksack. Ich überhole die kleine Gruppe und nehme flotten Schrittes – meine Kondition ist prächtig – den Weg weiter nach oben. Wie ich später bei einem kleinen Halt erfahren werde, ist der Mann vom dänischen Fernsehen und filmt den Weg der beiden. „Länger als drei Tage sind finanziell nicht drin“, wird er mir sagen. „Die Fernsehanstalt ist klein. Das Mädchen und der Junge werden aber noch bis Burgos gehen.“
Es beginnt, leicht zu nieseln, und ich ziehe meine Jacke über. Eine leicht gefütterte Jacke gegen Wind und Regen. Es ist schon eigenartig, dass es gerade diese Jacke ist, die mich den heutigen Tag und auch die nächsten Tage ständig begleiten wird, habe ich sie doch bis zuletzt aus Platzgründen nicht mitnehmen wollen. Ich habe mich schließlich dafür entschieden, sie zumindest für die Überquerung der Pyrenäen einzupacken, danach könnte ich sie irgendjemandem auf der Straße schenken, um sie nicht durch das sonnendurchflutete Spanien schleppen zu müssen. Es sollte anders kommen.
Der leichte Nieselregen verwandelt sich in einen Schauer und ich ziehe auch noch meinen Regenponcho über, was sich aber nicht als ganz so einfach herausstellt. Als richtiger Laie, was Wanderungen betrifft, habe ich den Regenschutz nicht griffbereit, sondern ihn inmitten meines Rucksacks verstaut und dies stellt sich jetzt als ziemlich dumm heraus.
Inzwischen haben der Camino und ich die asphaltierte Straße verlassen. Ich habe schon zu mehreren vor mir gestarteten Pilgern aufgeschlossen und auch so manchen überholt. Der Regen hat nachgelassen und hört jetzt vollends auf. Mir wird warm beim Gehen und ich streife den Regenponcho ab. Ein Blick zum Himmel: Es ist heller geworden, ich verstaue den Poncho außen an meinem Rucksack. Der Weg hat an Steilheit zugenommen und ich sehe vereinzelt Pilger an seinem Rande stehen, die nach Luft schnappen. Meine Heimat verschafft mir jetzt einen kleinen Vorteil. Die Topografie meiner Wohngemeinde ähnelt dieser hier doch sehr. Nicht dass ich zu Hause Wanderungen mit vollem Gepäck gemacht hätte, aber über die eine oder andere Anhöhe bewegt man sich doch und auch das absolvierte Schwimm- und Lauftraining machen sich beim Anstieg auf diesen Berg bezahlt. Ich bin mit meinen 1,87 Metern auch größer gewachsen als die meisten meiner Begleiter und außer den zwölf Kilo auf meinem Rücken und der Wasserflasche an meinem Gürtel schleppe ich nur mein Normalgewicht mit mir, 84 Kilogramm waren es zuletzt.
Ich habe Spaß am Gehen und erreiche auch schon Orisson, eine kleine private Albergue, die sich auf der leicht abgesetzten Anhöhe am Ende des vier Kilometer langen und steilen Anstiegs ins Gelände schmiegt. Hier gönne ich mir einen Kaffee mit Milch oder, wie man hier zu sagen pflegt, einen Café au lait, und ein Croissant. An die 25 Pilger zähle ich. Sie bilden kleine Einheiten, die sich vermutlich schon vor Antritt der Reise gekannt haben. Eine Sechsergruppe, der Sprache nach zu urteilen Franzosen, peppt ihren Kaffee mit Cognac auf. Das Bild eines fröhlichen Wandertags. Ich genieße den Kaffee und die herrliche Sicht in das darunter liegende Tal, das von weißgrauen Wolkenteppichen verziert wird.
Ich muss weiter, wenn ich heute noch Roncesvalles erreichen will. Das steilste Stück der heutigen Etappe habe ich laut Reiseführer hinter mich gebracht. Ich folge einer schmalen Straße über eine karge und felsige Landschaft, die heute von einem bunten Band aus Pilgern durchzogen wird, immer weiter aufwärts. Es wird windig und kälter. Einige Radfahrer überholen mich. Ein Blick zum Himmel verrät nichts Gutes, dunkle Wolken ziehen mir entgegen. Der Pilgerstrom hat Löcher bekommen, die Abstände dazwischen sind größer geworden. Regentropfen klatschen auf den Asphalt. Zeit, um wieder unter meinen Regenponcho zu schlüpfen.
Der Regen wird stärker und heftige Windböen peitschen mir nass ins Gesicht. Von den Knien abwärts, denn so weit reicht mein Poncho, wird es nasskalt. Jetzt ist das eingetreten, wovor ich mich so gefürchtet hatte. Die Gedanken von Kälte, Nässe und nach der Sinnhaftigkeit meines Unterfangens springen durch meinen Kopf, kreisen umher und lassen die Umgebung, ohne sie zu bemerken, an mir vorüberziehen. Meter für Meter, bis ich auf der vor mir erscheinenden Anhöhe etwas wahrnehme. Es sieht nach einem Fahrzeug aus, nach einem Kleinbus, vermutlich ein Ausschank. Ich habe wieder ein Ziel vor Augen und dies hilft mir, meine Gedanken zu ordnen und das Infragestellen meiner Reise zu verdrängen.
Ich verspüre ein leichtes Ziehen in meinen Oberschenkeln. Erste Mangelerscheinungen machen sich in meiner Muskulatur bemerkbar. Viereinhalb Stunden ständig aufwärts ohne wirkliche Nahrungszufuhr, ich hatte auch kein Frühstück, fordern ihren Tribut. Ich besinne mich der Magnesiumtabletten, die ich für anstrengende Wegstücke eingepackt habe. Meine Gedanken durchleuchten den Rucksack. Hier sind sie, im unteren durch einen Reißverschluss getrennten Teil meines Rucksacks, dort, wo ich meine Toilettenartikel verstaut habe, in der größeren Tasche von beiden. Nur noch das kleine Wegstück bis zum Bus. Ich kann ihn jetzt schon deutlich erkennen, auch ein Vorzelt sehe ich. Dort nehme ich eine Jause zu mir und die Magnesiumtablette, auch einen heißen Kaffee, wenn es denn einen geben sollte, denke ich vor mich hin und ich werde vom Regen emporgepeitscht.
Endlich, ich habe mein zuvor gestecktes Ziel erreicht und es gibt heißen Kaffee, mit dem ich mich nicht nur innerlich wärme, auch meinen Händen gefällt dieses mollige Gefühl. Nicht viele Personen haben hier Unterschlupf gefunden. Kurz vor mir ist ein Mädchen, nicht viel älter als 20, mit seiner Freundin eingetroffen, es weint heftig. Ich finde, das Mädchen steht kurz vor einem Nervenzusammenbruch. Seine Freundin macht dem Mann am Ausschank klar, dass er ein Taxi rufen soll, was er auch macht. Eine ältere Frau versucht, es zu beruhigen.
Zwei Männer, der Besitzer des Ausschanks und ich versuchen, das Vorzelt, das nun von heftigen Windböen gebeutelt wird, zu stabilisieren. Weitere Personen befinden sich nicht an diesem Punkt der Pyrenäen, der jetzt mehr und mehr in den Mittelpunkt eines Weltuntergangsszenarios rückt. Die Regentropfen sind zu Eiskristallen mutiert und treffen uns jetzt von der Seite, angefacht von einem mächtigen Sturm, der uns das Vorzelt aus den Händen reißt und durch die Luft wirbelt. Ständig wird mir die Sicht vom Regenschutz, der sich über meinen Kopf wickelt, genommen, was mich der eisigen Nässe freigibt. Der Camino versucht, mich abzuwerfen, aber irgendetwas in meinem Inneren befiehlt mir, weiterzugehen und mich dieser Urgewalt zu stellen. Es ist auch das Vernünftigste in dieser Situation. Dem einzigen Unterschlupf auf diesem nackten Bergrücken beraubt, entschließe ich mich, so wie die beiden Männer und die Frau, weiterzugehen.
Ich blicke nochmals zurück zu den Mädchen, die an dem Kleinbus kauern und auf das Taxi warten. Der Weg erhebt sich wie ein scheuendes Pferd. Das Wasser schießt beinahe bachartig über den felsigen Untergrund und wird unaufhaltsam von den gefrorenen Wassermassen gespeist, die sich vom Himmel ergießen. Ich bin ein Spielball der Naturgewalten, aber aus irgendeinem Grund umspült mich eine Gelassenheit, lasse ich die Kräfte der Natur auf mich einwirken und mir scheint, ich bin sogar dankbar dafür. Vergessen ist die Kälte, die meinen Körper umhüllt, die Nässe, das Brennen in meinen Oberschenkeln, mir ist, als trage mich die volle Aufmerksamkeit des Camino. Ich blicke mich um, sehe niemanden und doch spüre ich eine Verbundenheit, eine Verbundenheit, die ich jetzt mit Tränen der Freude, die über mein Gesicht auf den Camino tropfen, unterstreiche. Für einen kurzen Augenblick löst sich ein Gedanke, eine Erinnerung in meinem Kopf und verschwindet sogleich wieder in den unendlichen Windungen meines Gehirns. Es war wie ein schöner Traum, den man am Morgen noch verspürt, aber so sehr man sich auch anstrengt und sich daran zu erinnern versucht, er ist frei von Bildern, er versprüht nur ein schönes, angenehmes und behagliches Gefühl.
Das Wetter beruhigt sich, Regen und Wind lassen nach und der Weg wird zunehmend flacher. Irgendwo hier habe ich die Grenze zu Spanien überschritten. Ich stoße auch wieder vereinzelt auf Pilger. Sie wissen nichts von einem derartigen Unwetter. Es hat stark geregnet, ja, das siehst du am Matsch, durch den wir waten, höre ich sie sagen. Ich versuche, die tiefen Stellen im Morast zu umgehen, und werde daran von den sich immer dichter an den Pfad heftenden Bäumen gehindert. Ich merke erst nach einiger Zeit, dass der Regen mittlerweile von den Blättern fällt und nicht mehr vom Himmel. Die Bäume werden spärlicher und ich stehe am höchsten Punkt, dem Col de Lepoeder.
Die nächsten vier Kilometer führen mich durch ein steil abwärts gerichtetes Waldgebiet. Der Boden ist aufgeweicht und glatt. Vorsichtig schreite ich hinunter, suche Halt am glitschigen Erdreich und versuche stets, das Gleichgewicht zu halten, was mir nicht immer leichtfällt mit dem Gewicht auf meinen Schultern. Ich überhole zwei Pilger. „Buen Camino“, stoßen wir fast gleichzeitig hervor. Der Gruß auf dem Camino, den ich heute sicherlich bereits 50 Mal gehört und gesagt habe.
Abschnittsweise ist es sehr ruhig und einsam, so wie jetzt, wo ich seit 30 Minuten niemanden zu Gesicht bekomme, und hier ist es wieder, dieses seltsame, ich möchte beinahe schon sagen unheimliche Geräusch, das mich bereits seit mehreren Minuten verfolgt. Ein Knarren, ein Klopfen, als ob man Stöcke aufeinanderprallen lässt. Holzarbeiter? Ich blicke mich um, ich sehe niemanden. Es ist ruhig, kein Laut ist zu vernehmen. Ich gehe weiter und da höre es von Neuem, dieses Reiben und Klopfen. Immer nur kurz, manchmal auch hintereinander. Ich blicke nach oben. Ein Wassertropfen löst sich vom Blatt einer Buche und explodiert mitten auf meiner Stirn. Das ist es, ich habe die Ursache gefunden. Hier wachsen Buchen und Tannenbäume dicht aneinander, paarweise, sie kreuzen sich im Wachstum und der Wind lässt sie von Zeit zu Zeit aneinanderschlagen, sehr effektvoll.
Ein Wegweiser schreibt „Roncesvalles – 1 km“. Ich bin erleichtert, es ist bereits 16 Uhr und es war ein langer und anstrengender Tag. Ich blicke auf einen riesigen Komplex aus Ziegel und Stein. Das Kloster von Roncesvalles, wo aber ist der Ort? Ich frage einen gerade vorbeigehenden Einheimischen, wo ich hier bin.
„Das ist Roncesvalles“, erklärt er mir mit einem französischen Akzent.
„Das ist Roncesvalles? Nur das Kloster?“, reagiere ich etwas ungläubig.
„Ja, oberhalb des Klosters befinden sich noch ein Hotel und ein Restaurant. Mehr als 28 Einwohner gibt es hier nicht“, bekomme ich dem Sinn nach in einem Gemisch aus Englisch, Französisch und Spanisch zur Antwort. Ich blicke mich nochmals um, nehme die Steinstufen, die zum Gebäude hochführen, und stehe vor einem großen Holztor, das nur ins Schloss gelehnt ist. Mit einem kräftigen Druck schiebe ich das Tor zurück und blicke in einen großen Raum, in dem sich zahlreiche Rucksäcke vor mir ausbreiten. Ich werde von einem großen und sportlich aussehenden Mann begrüßt. Er fragt mich, woher ich komme, zunächst auf Englisch. Nachdem ich mich als Österreicher zu erkennen gegeben habe, erklärt er mir auf Deutsch, dass er und die übrigen Angestellten hier aus Holland kommen und zeitlich begrenzt ihre Dienste verrichten. Er verweist mich zur Rezeption, wo meine Daten aufgenommen werden und ich ein Bett für die Nacht zugeteilt bekomme.
Ich stelle mich in die Reihe, die aus acht Pilgern besteht, und bekomme einen Zettel, auf dem ich meine Personalien bekannt zu geben habe und einige wenige Fragen zu beantworten sind. Meine Mundwinkel krümmen sich leicht nach oben, als ich beim Ankreuzen zur Frage des Fortbewegungsmittels neben „zu Fuß“ oder „mit dem Fahrrad“ auch „mit dem Pferd“ lese. Ich bezweifle die Aktualität dieser Formulare. Zu Pferd? Wie sich herausstellen wird, werde ich dies in den nächsten Tagen zu revidieren haben. Ich bekomme das Bett mit der Nummer 135 im dritten Stock zugeteilt und schließe daraus, der 135. Pilger zu sein, der am heutigen Tag in diesem Kloster Unterschlupf sucht.
„Insgesamt haben 180 Pilger Platz“, erklärt mir Gillis, der Holländer von zuvor, den ich nun beim Namen kenne.
„Und so wie es aussieht, werden wir diese Betten heute auch alle benötigen. Für Notfälle gibt es aber noch den alten Trakt mit 120 Betten“, erklärt er mir weiter und zeigt mir den Weg zu den Unterkünften, um mich zuvor aber noch auf die Waschküche im Kellergeschoss und den im Erdgeschoss befindlichen Aufenthaltsraum und die Küche für die Selbstversorgung aufmerksam zu machen. Die Schuhe musste ich bereits zuvor in einem eigens dafür vorgesehenen Raum abstreifen. Niemand darf mit den Wanderschuhen die oberen und unteren Räumlichkeiten betreten.
Der Schlafraum beherbergt 40 Betten, die auf jeder Seite nach zwei Betten mit einer brusthohen Trennwand unterteilt sind. Dazu verfügt jeder Schlafplatz über einen geräumigen Spind und zwei Steckdosen. Der ganze Saal ist sehr hell und durch Holzgiebel an der Decke begrenzt. Der dritte Stock ist also der letzte in diesem Gebäude. Auf der anderen Seite des Schlafraums führt ein Lift ins Kellergeschoss, wo sich die Waschküche befindet, die ich nun als Erstes aufsuche, um meine nasse und durch Schlamm verschmutzte Jeans zu waschen, per Hand, denn die zwei Waschmaschinen sind restlos ausgebucht. Ich finde einen beheizten Trockenraum und wasche auch noch mein durchnässtes T-Shirt sowie Hemd und Socken. Wer weiß, wie es in den nächsten Tagen wird.
Im großen Innenhof des Klosters, der jetzt von der Sonne erhellt wird, breitet sich ein Meer von Wanderschuhen und Pilgern aus. Auch ich nutze dieses Schauspiel zum Reinigen meiner Schuhe, um sie anschließend zum Trocknen in die Sonne zu stellen. Hier sitze ich nun, tippe auf meinem Tablet-PC und lasse meinen ersten Tag am Camino Francés Revue passieren.

Kapitel 4 Pamplona
Es war eine unruhige Nacht. Obwohl ich erschöpft und müde von diesem ersten Tag in den Pyrenäen war, wurde ich unentwegt aus dem Schlaf gerissen. Zuerst durch das Schnarchorchester, das den Saal zu seiner Spielfläche erklärte, dem ich aber durch Ohrstöpsel, die ich tief in meine Ohrgänge schob, weitgehend entkommen konnte. Danach wurde ich von unangenehmer Kühle, die meinen Körper erfasste, aus dem Schlaf gerissen, da das Seideninlett, mit dem ich mich begnügen musste, mir nicht die nötige Wärme spendete. Aus Platzgründen hatte ich auf einen Schlafsack verzichtet, da ich mir schon wärmere Temperaturen für diese Jahreszeit in Spanien vorgestellt hatte. Es gelang dann doch, mir die nötige Wärme zu verschaffen, indem ich Socken, Jeans und noch ein T-Shirt überzog und auch noch Handtuch und Regenponcho über mich warf. Für die krönende Untermauerung dieser Nacht sorgte ein stechender Schmerz in meinem linken Knie.
Um 6.30 Uhr wurde der Saal mit künstlichem Licht geflutet und ich von der Pein dieser Nacht erlöst. Als ob man in einen Ameisenhaufen stochert, begann der Saal zu leben. In alle Richtungen verteilten sich die Leute. Die einen in Richtung Waschküche, um sich die gewaschenen und über Nacht getrockneten Kleidungsstücke zu holen, die anderen zog es in den Waschraum und zu den Toiletten. Es gab jeweils zwei Toiletten für die weiblichen und die männlichen Gäste dieses 40 Personen umfassenden Schlafsaals. Erstaunlicherweise gab es keine Warteschlangen, weder vor den Toiletten noch vor den Waschbecken. Nach einer Stunde war der Saal leer. Beinahe. Ich und drei weitere Personen stopften noch die letzten Utensilien in den Rucksack und machten sich für den heutigen Teil des Weges fertig.
Ich verlasse wieder als einer der Letzten die Unterkunft, diesmal das Kloster von Roncesvalles, und stehe nun nach nicht ganz zwei Kilometern vor der ersten großen Herausforderung des heutigen Tages: Ein lediglich etwa sieben Meter kurzes, steil abfallendes Stück, das die asphaltierte Straße zur weiterführenden, markierten Wegstrecke des Camino Francés trennt, entpuppt sich für mich als unüberwindbar. Der erste Schritt, der mich abwärtsführt, bringt mein linkes Knie zum Explodieren. Ein stechender Schmerz entspringt dem Knie, fährt hoch bis an meine Schläfen und lässt mein Gesicht zu einer Fratze werden. Ich stehe wie versteinert da, entlaste mein linkes Bein, beuge und strecke es vorsichtig. Keine großen Schmerzen. Ich stelle mein Bein abermals in den Boden. Scheiße! Schweißtropfen bilden sich auf meiner Stirn, nicht vor Erschöpfung, nein, vor Schmerzen.
Es scheint mir wie eine Ewigkeit, bis ich dieses kurze Gefälle überwunden habe. Tausende Gedanken durchfluten mein Gehirn. Keine Gedanken von Aufgeben, aber an Rückreise, Krankenhaus und Versager. Ich beneide die Pilger, die mich jetzt überholen, die fast an mir vorbeilaufen und „Buen Camino“ rufen. Selbstmitleid steigt in mir hoch und lässt mich beinahe an lächerlichen sieben Metern des 800 Kilometer langen Camino durch den Norden von Spanien zerbrechen.
Noch nicht, denn mit jedem weiteren Schritt in der Ebene lassen auch die Schmerzen nach. Sie reduzieren sich auf ein erträgliches Maß, das mir erlaubt, mit normalem Tempo weiterzumarschieren. Es stellt sich bald heraus, dass es gerade die abwärtsgerichteten Wegstücke sind, die meinem linken Knie zu schaffen machen und den Schmerzpegel ansteigen lassen. Lang gezogene und gerade abfallende Strecken nehme ich jetzt im Eiltempo. Diese bereiten mir weniger Unbehagen. Ich vermeide es damit, mein Bein in den Weg zu stemmen und es zu belasten. So komme ich ganz gut über die ersten 15 Kilometer. Ich bin nicht der Einzige, der humpelt. Es haben auch andere Probleme mit ihren Gliedmaßen. Mitunter regnet es leicht. Die Landschaft ist hügelig und einsam, wäre da nicht die Flut an Pilgern, die ich bei offenem Gelände nie aus den Augen verliere.

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