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Cover Mag's im Himmel sein, mag's beim Teufel sein

Mag's im Himmel sein, mag's beim Teufel sein

Stars und die Liebe unter dem Hakenkreuz

Erschienen 2018 bei Kremayr & Scheriau
Sprache: Deutsch
192 Seiten; 221 mm x 144 mm
ISBN 978-3-218-01130-3

Langtext

Was geschah mit der Liebe in der Zeit des braunen Terrors? Welchen Schikanen waren Paare in Nazideutschland ausgesetzt, die interkonfessionell, oder, wie es in der NS-Diktion hieß, "gemischtrassig" verheiratet oder liiert waren und die im Rampenlicht standen? Wie stand es um jene Stars, die die Bevölkerung in Propagandafilmen dem NS-Regime konform unterhielten, vom Kriegsalltag ablenkten und gleichzeitig um ihre Liebe kämpften oder diese um der Karriere willen aufgaben? Ausgehend von den "Nürnberger Rassengesetzen", die seit 1935 in Kraft waren, untersucht Evelyn Steinthaler die Beziehung vier prominenter Paare und wie unterschiedlich deren Umgang mit dem öffentlichen Druck war: Wir treffen Heinz Rühmann und Herta Feiler, Joachim Gottschalk und Meta Wolff, Kurt Weill und Lotte Lenya sowie Hansi Burg, die in wilder Ehe mit dem Superstar des deutschen Kinos, Hans Albers, zusammenlebte - und viele ihrer Weggefährten. Steinthaler erzählt vom Einfluss der Politik in einem totalitären Staat auf das Private, von Grenzen der Zuneigung durch politisch beeinflusste Karriereplanung, von Anpassung, Opferbereitschaft und selbstverständlicher Liebe, die bereit ist, Entfernungen und Distanzen zu überdauern.

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Kundenbewertungen

Diktatur bis ins Schlafzimmer 28. November 2018
Sie waren berühmt, sie waren Stars, ihre Filme waren Kassenschlager, aber auch über ihr Privatleben wollte man alles wissen. "Wer mit wem" war natürlich auch am Beginn des 20. Jahrhunderts schon ein Thema- interessant für die Fans, aber möglicherweise gefährlich mit der Machtübernahme der Nazis. Die sogenannten Nürnberger Gesetze zur "Reinhaltung des deutschen Blutes" galten auch für die Stars aus Theater und Film, besondere Publikumslieblinge konnten aber unter Umständen besondere Ausnahmeregelungen bekommen. In ihrem neuen Buch greift Evelyn Steinthaler vier Paare heraus, bei denen ein Partner- in drei Fälle ist es die Partnerin- gefährdet, weil nicht "rein arisch" war. Welchen Schikanen waren sie ausgesetzt, wie sind sie mit dem ständigen Druck des Regimes umgegangen? Wer sich für das Thema interessiert, hat die Lebenslinien von Stars wie Hans Albers. Heinz Rühmann, aber auch von Zarah Leander, Magda Schneider oder auch der Familie Hörbiger/Wessely wahrscheinlich verfolgt, aber immer noch ergeben sich neue Aspekte oder genauere Informationen. Evelyn Steinthaler schreibt über Hans Albers und Heinz Rühmann, sie haben sich irgendwie arrangiert, sie sind bis heute bekannt und ihre Filme werden immer noch gespielt. Nahezu vergessen ist hingegen Joachim Gottschalk, der mit seiner jüdischen Frau Meta Wolff und dem gemeinsamen Sohn Selbstmord begangen hat. Nicht mehr nach Deutschland zurückgekehrt sind Lotte Lenya und Kurt Weill nach ihrer Emigration, sie haben auch aus dem Exil in den USA gegen die Naziherrschaft protestiert. Diktaturen üben Druck aus auf alle, die nicht der Linie entsprechen. Man kann sich aber nicht immer darauf verlassen manches Gesetz lässt sich umgehen, manche Freiheit ist möglich- und gerade diese Unwägbarkeit ist verlockend und gefährlich zugleich. Wer Goebbels missfiel, hatte vielleicht gerade in Hitler einen besonderen Fan? Wer hat Stellung bezogen, wer hat sich dem Regime verweigert, wieviel Anbiederung war nötig, damit man überleben konnte? Die Fragen, die Evelyn Steinthaler stellt, sind nicht leicht zu beantworten. War Hans Albers "mutiger", weil er sich Repräsentationsterminen entzogen hat, oder hat der große Blonde mit dem Auftritt "hoppla, jetzt komm ich" schon allein durch sein imponierendes Wesen mehr Respekt genossen? Hat sich Heinz Rühmann zu sehr angebiedert, zu sehr den kleinen Mann verkörpert, der er auch im Film oft war? Ein Star ist jemand, der nach oben kommen, Erfolg haben will, und dafür auch den nötigen Ehrgeiz und Egoismus mitbringen muss, sonst bleibt man Durchschnitt. Aber ist die Konzentration auf den Beruf, auf die eigene Kunst, nicht auch schon eine politische Haltung in politisch schwierigen Zeiten? Fragen in Evelyn Steinthalers neuem Buch über Stars und die Liebe unter dem Hakenkreuz, durchaus mit Bezügen zur aktuellen Situation in Europa. Evelyn Steinthaler, 1971 in Klagenfurt geboren, engagiert sich unter anderem in politischer Bildung, sie gestaltet zum Beispiel Bezirksführungen in Wien zum Thema Widerstand. Für das Buch "Frauen 1938" hat sie den Bruno-Kreisky-Anerkennungspreis für das Politische Buch erhalten, 2015 ist der Band "Wien 1945" im Milena-Verlag erschienen.
Verbotene Liebe unter dem Hakenkreuz 15. Oktober 2018
Stellvertretend für die vielen Paare, die von den Nazis schikaniert wurden, weil sie ? lt. den Nürnberger Rassegesetzen ? in ?gemischtrassigen? Beziehungen leben, stellt die Autorin fünf berühmte Paare vor, deren Frauen jüdischer Herkunft sind: ? Hans Albers und Hansi Burg ? Kurt Weill und Lotte Lenya ? Joachim Gottschalk und Meta Wolff ? Heinz Rühmann und Maria Bernheim bzw. Herta Feiler ? Hans Moser und Blanca Hirschler Wie sind die Lebensumstände für Schauspieler in Nazi-Deutschland? Propagandaminister Goebbels herrscht mit eiserner Faust über die schönen Künste. Kein Theaterstück, kein Film darf ohne seine ausdrückliche Genehmigung aufgeführt oder gedreht werden. Er greift in die Besetzungslisten ein, bestimmt die Regisseure und setzt die Honorare fest. Schauspielern mit jüdischen Partnern wird eine Scheidung nahegelegt. Das Ehepaar Kurt Weill und Lotte Lenya denken bereits 1933 an Emigration. 1935 gehen sie dann wirklich. Hans Albers ist zu jener Zeit ein gefeierter Star. Er setzt über alle möglichen Befehle Goebbels hinweg. Albers ist mit Hansi Burg nicht verheiratet, will sie aber nicht verlassen. Sie wird eine Scheinehe mit einem Norweger eingehen und trotzdem mit Albers zusammenleben. Damit führen die beiden Goebbels damit an der Nase herum. Während der 12 Jahre der Nazi-Diktatur schafft es Albers, kein einziges Mal bei einer Veranstaltung von Goebbels zu erscheinen. Außerdem verweigert er konsequent mit dem Propagandaminister abgebildet zu werden. Die Konsequenzen sind nicht allzu streng. Hans Albers bekommt keine Zuwendung aus Hitlers ?Künstlerfonds?. Ganz anders trifft es Joachim Gottschalk und Meta Wolff. Meta lebt schon seit der Geburt ihres gemeinsames Sohnes Michael 1933 zurückgezogen. 1941 wird das Paar zu einer privaten Feier eingeladen, zu der (uneingeladen) plötzlich Goebbels erscheint. Er küsst allen anwesenden Damen die Hand, auch die von der Jüdin Meta Wolff. Als ihn sein Adjutant darauf aufmerksam macht, fühlt er sich desavouiert und rauscht wütend ab. Sofort befiehlt er Gottschalk die Scheidung, andernfalls würden Meta und Michael nach Theresienstadt deportiert. Gottschalk weigert sich und begeht mit seiner Familie 1941 Selbstmord. Hans Moser ist der Lieblingsschauspieler Hitlers. Er richtet ein Gnadengesuch an den Diktator persönlich, der Ehefrau Blanca einige Sonderrechte gewährt. Sie braucht weder den Judenstern noch den Vornamen ?Sarah? zu tragen und in ihren Reisepass fehlt das übliche ?J?. Allerdings muss sie 1939 nach Ungarn fliehen. Blanca überlebt und nach dem Krieg werden die beiden wieder in Wien leben. Während sich Albers oder Moser durch die Jahre lavieren, treibt Heinz Rühmann seine Karriere trotz zweier jüdischer Ehefrauen voran. Seine erste, Maria Bernheim, eine ehemals bekannte Schauspielerin, managt ihn jahrelang, bis sich das Paar auseinandergelebt hat. Die Empfehlung Goebbels ist ein willkommener Anlass, diese Ehe zu beenden. Doch auch die zweite Gemahlin, die Wienerin Herta Feiler ist Jüdin. Er ordnet alles seiner Karriere unter, unterstützt das System und erhält aus Hitlers ?Künstler-Fonds? 40.000 Reichsmark Rühmann gehörte zu jenen Schauspielern, die vorgaben, ?völlig unpolitisch? zu sein. Der Titel des Buches ist einem Lied von Hans Albers entnommen (S.142). Bemerkenswert ist das Nachwort der Autorin. Sie zitiert wie folgt: ?Ich bin dafür, die Sache in die Länge zu ziehen.? (Oskar Helmer, österreichischer Innenminister von 1945-1959 zur Frage nach Restitution). ?Es ist geschehen, und folglich kann es wieder geschehen.? (Primo Levi) ?Neutralität hilft dem Unterdrücker, niemals dem Opfer. Stillschweigen bestärkt den Peiniger, niemals den Gepeinigten.? (Auschwitz-Überlebender Eli Wiesel) Gerne gebe ich für dieses Buch 5 Sterne.
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