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Cover Haben schon alle abgestimmt?

Haben schon alle abgestimmt?

Notizen aus dem EU-Parlament

Erschienen 2019 bei Verlag Kremayr & Scheriau
Sprache: Deutsch
192 Seiten
ISBN 978-3-218-01197-6

Kurztext / Annotation

2014 sorgte er für einen Knalleffekt: Eugen Freund wurde Spitzenkandidat der SPÖ für die Europawahlen. Fünf Jahre lang war er nun einer von 18 Vertretern Österreichs im Europäischen Parlament. Als Mitglied des Außenpolitischen Ausschusses war er mit allen Ereignissen befasst, die in dieser Zeit Schlagzeilen gemacht haben: der Besetzung der Ost-Ukraine und der Krim durch russische Truppen, dem Krieg in Syrien, den nicht enden wollenden Auseinandersetzungen zwischen Israel und den Palästinensern, der Flüchtlingssituation, dem Brexit und vielen mehr. Seine Erinnerungen an diese Tätigkeit beginnen mit dem Wahlkampf 2014, bei dem er - wie er schreibt - 'ins kalte Wasser gestoßen' wurde. Eugen Freund beschreibt, wie er, eine Woche nach seiner unfreiwilligen Pensionierung durch den ORF, als Spitzenkandidat der SPÖ präsentiert wurde - obwohl er bis zu diesem Zeitpunkt kein Naheverhältnis zu irgendeiner österreichischen Partei hatte; wie er sich im Europäischen Parlament einarbeitete und vor allem im Außenpolitischen Ausschuss einen Namen machte; was er auf Fact-Finding-Missionen in die Ukraine, nach Israel und Palästina, zu den Vereinten Nationen in New York und in die US-Hauptstadt Washington erlebte;wie schwierig es war (und ist), die Bevölkerung und die Medien für die Arbeit im EU-Parlament zu interessieren oder gar zu begeistern. Und: wie stimulierend es war, so gut wie jeden Tag mit Staatsbürgern aus 27 Ländern zu kommunizieren, die alle aus anderen Kulturkreisen kommen, eine andere Sprache sprechen oder die Geschichte anders erlebt haben.

Eugen Freund ist seit 1972 im Journalismus tätig, ab 1974 beim ORF: erst als Radioreporter, später dann als Moderator der ZIB 2, danach im Bereich der TV-Innen- und Außenpolitik sowie als Korrespondent und Moderator des 'Auslandsreports'. Zahlreiche Veröffentlichungen im profil, in der ZEIT, der Schweizer WELTWOCHE sowie im Standard. Von 1995 bis 2001 war er ORF-Korrespondent in Washington, von 2011 bis Ende 2013 präsentierte Eugen Freund regelmäßig die ORF-Nachrichtensendung 'Zeit im Bild'. Von 2014 bis 2019 war Eugen Freund Mitglied des Europäischen Parlaments für die SPÖ. Zuletzt erschien bei K&S sein Roman 'Der Tod des Landeshauptmanns', der mehrere Wochen die Bestsellerliste anführte.

Textauszug

Wie alles anfing

Der Anruf

Alles begann mit einem Anruf vor Weihnachten 2013. Mittlerweile hatte ja ganz Österreich mitbekommen, dass meine Zeit im ORF zu Ende ging, dass ich mehr oder weniger mitten am Höhepunkt meiner Tätigkeit im ORF (als Moderator der "Zeit im Bild") ausscheiden musste und dass ich versuchte, dagegen medial (und natürlich auch ORF-intern) anzukämpfen. Dass es dazu kam, war zum Teil auch meine Schuld: Zweieinhalb Jahre zuvor hatte ich - ohne Not - einen Vertrag unterschrieben, wonach ich mich bereit erklärte, am 31. Dezember 2013 in den (vorzeitigen) Ruhestand zu treten. "Und was ist, wenn ich dann nicht will, oder der ORF seine Meinung ändert?", hatte ich den zuständigen Mitarbeiter der Personalabteilung gefragt. "Ach, dann reden wir halt wieder darüber ...", war seine gelassene Antwort. Und ich dachte mir: Zweieinhalb Jahre, das ist so eine lange Zeit, warum sollte ich mir jetzt den Kopf darüber zerbrechen. Doch im Oktober 2013 flatterte mir ein Brief des ORF ins Haus, der genau beschrieb, was ich alles bis zum Ausscheiden am Jahresende zu erledigen hätte, bis hin zu dem Satz, dass ich auch sämtliche Schlüssel hinterlegen müsse. Selbst da glaubte ich noch nicht daran, dass das wirklich das Ende bedeuten würde. Schließlich war ich seit April 1974 im ORF, erst 62 Jahre alt und hatte immer noch gute Kritiken, sowohl von Zusehern als auch von den Medienbeobachtern der Zeitungen. Doch das alles änderte nichts daran, dass ich "mitten im Leben" (wie ich es empfand) plötzlich ohne Job dastehen würde.

Bis dieser Anruf kam. Ich war gerade am Sprung in die Arbeit, als das Festnetz-Telefon klingelte. Das tat es damals nur mehr selten, schließlich hatte ich seit Jahren ein Handy und alle meine Freunde und Bekannten hatten die Nummer. Ich hob also ab, und am anderen Ende der Leitung meldete sich: "Josef Ostermayer!" Meine Gehirnräder drehten sich. Josef Ostermayer? Ach ja, das musste der Minister sein. Ich war mit ihm eineinhalb Jahre davor in Kärnten zusammengetroffen, als die Bundesregierung gemeinsam mit dem Kärntner Landeshauptmann Gerhard Dörfler einen Schlussstrich unter die leidige Problematik der zweisprachigen Ortstafeln gezogen hatte. Das wurde, nach der feierlichen Aufstellung von deutsch-slowenisch-sprachigen Straßenschildern in Eisenkappel und Sittersdorf, dann in einem Gasthaus in Globasnitz gefeiert, um nicht zu sagen, begossen. Weil mit der Auseinandersetzung um die Rechte der Kärntner Slowenen meine journalistische Karriere begonnen hatte, wollte ich auch bei der friedlichen Beilegung dieses Konfliktes dabei sein - und so luden mich Dörfler und Ostermayer auch ins Wirtshaus ein. Mehr als ein paar freundliche Worte tauschte ich damals mit Ostermayer, der als die rechte Hand von Bundeskanzler Werner Faymann galt, aber nicht aus. "Herr Freund", klang es also durch das Telefon, "wären Sie an einer politischen Karriere interessiert? Sie wissen ja, dass im Mai die Wahlen zum Europäischen Parlament anstehen, und ich wollte Sie fragen, ob Sie sich vorstellen können, für die SPÖ als Spitzenkandidat anzutreten." Wumm! Ich hatte mir ja viel durch den Kopf gehen lassen, was ich nach meiner Tätigkeit beim ORF in Angriff nehmen könnte, aber eine politische Funktion stand nicht auf dieser Liste. "Puh, das kommt jetzt überraschend, da muss ich erst einmal darüber nachdenken und das mit meiner Familie besprechen ..."

Europa-Abgeordneter? Ich hatte bis dahin wenig mit Brüssel zu tun gehabt, kurz schoss mir durch den Kopf, dass man mich vielleicht wieder einmal mit Raimund Löw verwechselt hatte, der ja immerhin Korrespondent in der EU-Hauptstadt war. Aber dann hätte Ostermayer mich ja nicht mit "Herr Freund" angesprochen ... Wir sprachen noch kurz über den Zeitplan, ich könne über die Feiertage nachdenken und ihm dann die Entscheidung mitteilen. "OK, danke, ich melde mich dann wiede

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