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Cover Ein Mann, ein Mord

Ein Mann, ein Mord

Kayankayas dritter Fall

Erschienen 2012 bei Diogenes
Sprache: Deutsch
192 Seiten
ISBN 978-3-257-60003-2

Kurztext / Annotation

Ein neuer Fall für Kayankaya. Schauplatz Frankfurt, genauer: der Kiez mit seinen eigenen Gesetzen, die feinen Wohngegenden im Taunus, der Flughafen. Kayankaya sucht ein Mädchen aus Thailand. Sie ist in jenem gesetzlosen Raum verschwunden, in dem Flüchtlinge, die um Asyl nachsuchen, unbemerkt und ohne Spuren zu hinterlassen leicht verschwinden können. Was Kayankaya dabei über den Weg und in die Quere läuft, von den heimlichen Herren Frankfurts über korrupte Bullen und fremdenfeindliche Beamte in den Ausländerbehörden bis zu Parteigängern der Republikaner mit ihrer Hetze gegen alles Fremde und Andere, erzählt Arjouni klar, ohne Sentimentalität, witzig, souverän.

Jakob Arjouni, geboren 1964 in Frankfurt am Main, veröffentlichte Romane, Theaterstücke, Erzählungen und Hörspiele. Er war 21 Jahre alt, als sein Frankfurter Privatdetektiv Kemal Kayankaya in Happy birthday, Türke! Ein Mann, ein Mord Hausaufgaben Chez Max Cherryman jagt Mister White

Textauszug

[87] 9

"Kommen Sie, kommen Sie, aus hundert Mark zweihundert - schauen Sie, gewinnen Sie! Wo ist die Kugel? Hier? Nein. Hier? Nein. Hier ist die Kugel! Und weiter geht's ... hundert Mark auf die Hand, keine Tricks, kein doppelter Boden - ehrliches Spiel. Schauen Sie genau hin, schauen Sie ..."

Die kleine weiße Kugel flitzte von links nach rechts, von oben nach unten, hüpfte übers Pflaster, tauchte mal zwischen den Fingern, mal unter einer der drei Streichholzschachteln auf und war schließlich verschwunden; noch einmal vertauschte der Spieler die Schachteln, hielt inne, wedelte mit einem Bündel Hunderter und sah unschuldig in die Runde.

"... wo ist die Kugel?"

Seit zehn Minuten kniete er auf dem Bürgersteig, wirbelte Pappe durcheinander und hatte zwei besoffenen Japanern und einem Kleinstadtgroßmaul in Nappagarnitur vierhundert Mark abgenommen. Etwa zwanzig Männerköpfe wogten skeptisch im Aprilwind. Alle wußten, gewinnen war unmöglich, aber alle schauten auf das Bündel. Der Wind fegte in heftigen Böen, Autos hupten, und Menschen rannten, und eine Megaphonstimme verkündete die Revolution auf dem Spülbürstensektor - im Kreis um den Spieler herrschte Stille. Als er in die Hände klatschte und von neuem seinen Spruch runterleiern wollte, trat ein Pole zwei Schritte vor, setzte seinen Stiefel auf die linke Schachtel, fischte einen Hundertmarkschein aus der Brieftasche und sagte "Zeigen".

[88] In die Runde kam Bewegung, einige nickten zustimmend, andere wandten sich kopfschüttelnd ab.

Der Spieler betrachtete den Stiefel. "Seh ich aus wie 'n Schuhputzer?"

Der Pole zuckte die Schultern und bückte sich. Doch kurz bevor er die Schachtel heben konnte, stolperte ein kleiner Dicker aus dem Nichts, lallte besoffen und stieß ihn um. Ein Raunen ging durchs Publikum, und ehe der eine sich fluchend die Hose abgeklopft hatte und der andere verschwunden war, hatte die Kugel den Platz gewechselt.

Ich lehnte gegen die Auslage eines Sexshops, rauchte und beobachtete den Eingang zum EROS-CENTER ELBESTRASSE . Es war kurz vor sechs. Koffer- und Gemüsehändler begannen ihre Ware reinzuräumen.

Während der Pole zum ersten Schlag ansetzte, stoben die Plastiklappen auseinander, und Slibulsky hüpfte die Treppe runter. Ich wartete, bis er die Kreuzung erreicht hatte, dann warf ich die Zigarette weg. Im selben Moment flog mir der Pole in die Seite. Ich stürzte zu Boden, er hinterher, und gemeinsam landeten wir im Rinnstein. Röchelnd blieb er auf mir liegen. Sie mußten ihm eins mit dem Schlagring verpaßt haben. Ein Schneidezahn fehlte, und das Blut spritzte wie aus einem undichten Schlauch. Ich stieß ihn beiseite, rappelte mich hoch und suchte die Straße ab. Slibulsky war verschwunden.

"Sorry, aber konnte ich wissen, daß so 'n Polacke gleich aus 'n Latschen kippt?" Es war einer aus der Hütchenspielrunde, keine achtzehn, milchige Haut, Augenringe wie ein Alter. Er hatte auch gesetzt, aber gewonnen. Ein [89] Lockvogel. Jetzt trat er von einem Bein aufs andere, rieb sich die in Eisen gefaßte Hand und betrachtete mich abwartend. Vielleicht hielt er mich für eine der Figuren vom Kiez, mit denen man sich's besser nicht verdirbt. "... naja, tut mir leid, wegen dem Anzug mein ich."

Ich sah an mir herunter. Tatsächlich sah es aus, als käme ich vom Schlachtfest.

"Tja, das wird 'ne teure Reinigungsrechnung ..."

Er ging einen Schritt zurück. "Tja ..."

"Aber vielleicht können wir's auch anders regeln. Du kennst doch sicher Ernst Slibulsky, drüben vom Center?"

"Der mit der Knubbelnase?"

"Genau. Und 'nem gebrochenen Arm. Ich will wissen, wo das passiert ist."

"Wo der sich den Arm gebrochen hat?! Keine Ahnung. Ich seh den doch bloß. Und was man so hört."

"Und wo siehst du ihn?"

"Na, hier. Immer rein und raus, und manchmal drüben im

Langtext

Ein neuer Fall für Kayankaya. Schauplatz Frankfurt, genauer: der Kiez mit seinen eigenen Gesetzen, die feinen Wohngegenden im Taunus, der Flughafen. Kayankaya sucht ein Mädchen aus Thailand. Sie ist in jenem gesetzlosen Raum verschwunden, in dem Flüchtlinge, die um Asyl nachsuchen, unbemerkt und ohne Spuren zu hinterlassen leicht verschwinden können. Was Kayankaya dabei über den Weg und in die Quere läuft, von den heimlichen Herren Frankfurts über korrupte Bullen und fremdenfeindliche Beamte in den Ausländerbehörden bis zu Parteigängern der Republikaner mit ihrer Hetze gegen alles Fremde und Andere, erzählt Arjouni klar, ohne Sentimentalität, witzig, souverän.

Beschreibung für Leser

Unterstützte Lesegerätegruppen: PC/MAC/eReader/Tablet

Biografische Anmerkung zu den Verfassern

Jakob Arjouni, geboren 1964 in Frankfurt am Main, studierte zunächst, jobbte nach dem Abitur einige Jahre in Südfrankreich und lebte dann in Berlin. Er veröffentlichte Romane, Theaterstücke, Erzählungen und Hörspiele. Zusammen mit seiner Familie lebte der Autor vorwiegend in Südfrankreich. Im Januar 2013 erlag Jakob Arjouni einem Krebsleiden.

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