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Cover Magic Hoffmann

Magic Hoffmann

Erschienen 2012 bei Diogenes
Sprache: Deutsch
288 Seiten
ISBN 978-3-257-60004-9

Kurztext / Annotation

Fred, Nickel und Annette träumen einen Traum, und der trägt den Namen Kanada the times they are a-changin' Happy birthday, Türke! Ein Mann, ein Mord Hausaufgaben Chez Max Cherryman jagt Mister White

Textauszug

[10] 2

Weiße Turnschuhe, knöchelhoch, mit schwarzen Streifen. Ob man so was heute noch trug? Fred zog die Schnürsenkel fest und machte einen Knoten. Draußen gingen die anderen zur Werkstatt. Manche klopften gegen die Tür.

"Mach's gut, Magic!"

"Worauf ihr euch verlassen könnt!"

Fred hatte die ganze Nacht kein Auge zugetan. Übermüdet und euphorisch wie er war, kam ihm das Leben an diesem Morgen cowboyeinfach vor. Vier Jahre abgerissen, Tasche packen, Sonnenaufgang. Jetzt konnte ihm niemand mehr was! Und wenn die Schuhe außer Mode waren, würde er sie eben wieder in Mode bringen. Wäre schließlich nicht das erste Mal. Früher im Dance 2000 ...

Er schloß den Reißverschluß des blauen Overalls und betrachtete sich im Spiegel. Das breite, kantige Kinn, auf dem kein richtiger Bart wachsen wollte, die heraustretenden, immer leicht verdutzt wirkenden Augen, die abstehenden Ohren und die halblangen, dunkelblonden Haare, die er sich seit seinem vierzehnten Lebensjahr selber schnitt: Er nahm sie auf der Kopfmitte in die Faust und stutzte, was überstand. Er war der alte geblieben - keine Frage. Und er war stolz drauf. Sie hatten ihn nicht kleingekriegt. Weder Sozialisierungsversuche von oben noch kriminelle Mitmach-Angebote von unten hatten ihm etwas anhaben können. Das Gefängnis war nur ein Wartezimmer gewesen, in dem er die [11] meiste Zeit mit geschlossenen Augen gesessen und sich die Ohren zugehalten hatte.

Die anfängliche Bewunderung seiner Mitgefangenen für den geschickt gemachten Banküberfall und Freds Weigerung vor Gericht, seine Kumpel zu verraten, war schnell der Gleichgültigkeit gewichen gegenüber einem, der sich aus allem raushielt und sich für nichts zu interessieren schien, außer für Fischfang und Blockhüttenbau. Einige hielten ihn für dumm, andere für ein Großmaul, manche für beides. Tatsächlich war Fred dumm ebenso wie klug. Sagenhafte Einfalt wechselte sich mit überraschender Schlauheit ab. So hatte er sehr schnell begriffen, welche Wärter er für sich gewinnen mußte, um in Ruhe gelassen zu werden, war aber lange Zeit nicht dahintergekommen, warum sein eigentlich sehr friedlicher Zellennachbar ihn in der Turnhalle immer wieder zum Ringkampf herausforderte, obwohl Fred viel kräftiger war. Einmal hatte Fred ihn zum Spaß gewinnen lassen und zum ersten Mal unter ihm liegend einen spitzen Druck am Bauchnabel verspürt. Was Fred nicht interessierte, kapierte er auch nicht, und dabei wurde er zum "Großmaul". Denn Nichtkapieren tat er nicht still und heimlich, sondern laut und anmaßend, mit fliegenden Fahnen. So erklärte er den Jungs in der Gefängnisschreinerei, die alle besser waren als er: Sich mit Schwalbenschwanzverzinkungen und Furnier das Hirn zu verstopfen mache nur für Idioten Sinn. Nicht von ungefähr hatten sich seine Kontakte zu den Mitgefangenen bald auf Tischfußball und den Austausch von Sexheften beschränkt. Außerdem mochte Fred den Jammer oder die Wut der anderen nicht - im Knast durfte man keine traurige Figur abgeben, fand er. Frei, reich und [12] gesund, da konnte man schon mal heulen. Aber gefangen, von Wärtern tyrannisiert, ohne Frauen und dann auch noch unglücklich ...?!

Fred fuhr sich durch die Haare: Mit den Heften war es nun endlich vorbei! Er war nicht schön, hatte aber früher mit mehr oder weniger bewußt angewandtem Trottel-Charme und unbekümmerter Art jede Menge Erfolg bei Mädchen gehabt. Warum sollte es inzwischen anders sein? ... Gleich würde er entlassen, würde er Blusen, Röcke, Hintern und Beine sehen, würde das Leben wieder anfangen - so wie es früher gewesen war, nur mit zweihunderttausend Mark anstatt Pfennigen in der Tasche!

Fred schloß den Koffer, hockte sich auf die Bettkante und rauchte eine letzte Zigarette.

Wenig später holte ihn der Gefängniswärter und brachte ihn zum Tor. Durch die Gegensprechanlage informierte der Wärter den Wachmann: "Fred Hoffmann

Langtext

Fred, Nickel und Annette träumen einen Traum, und der trägt den Namen Kanada . Dort könnte man leben, wie man will, fischen und fotografieren, weit weg vom Muff der Provinz. Doch von Dieburg nach Vancouver kommt man nicht ohne Umweg. Für Fred führt dieser über den Knast in das Berlin nach dem Mauerfall, wo er Nickel, Annette und sein Geld abholen will. So war s besprochen doch the times they are a-changin .

Beschreibung für Leser

Unterstützte Lesegerätegruppen: PC/MAC/eReader/Tablet

Biografische Anmerkung zu den Verfassern

Jakob Arjouni, geboren 1964 in Frankfurt am Main, studierte zunächst, jobbte nach dem Abitur einige Jahre in Südfrankreich und lebte dann in Berlin. Er veröffentlichte Romane, Theaterstücke, Erzählungen und Hörspiele. Zusammen mit seiner Familie lebte der Autor vorwiegend in Südfrankreich. Im Januar 2013 erlag Jakob Arjouni einem Krebsleiden.

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