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Cover Galopp

Galopp

von Dick Francis; Übersetzt von: Nikolaus Stingl; Ursula Goldschmidt

Erschienen 2013 bei Diogenes
Sprache: Deutsch
288 Seiten
ISBN 978-3-257-60009-4

Kurztext / Annotation

Ex-Jockey Randall Drew wird in einer delikaten Mission nach Moskau geschickt. Ein mysteriöses Wesen mit Namen "Alyosha" bedroht einen königlichen Kandidaten an den Olympischen Spielen in Moskau. Der Auftrag ist vage, der Gegner unsichtbar, und die Hindernisse sind eigentlich unüberwindlich...

Dick Francis, geboren 1920, war viele Jahre Englands erfolgreichster Jockey, bis ein mysteriöser Sturz 1956 seine Karriere beendete. Fast 50 Jahre lang schrieb er Thriller, die das Pferderenn- und Wettmilieu als Hintergrund haben. Seine 42 Romane wurden alle Bestseller. Dick Francis starb 2010.

Textauszug

[9] 1

Mir fielen mindestens drei Gründe ein, warum ich nicht nach Moskau wollte; einer davon war sechsundzwanzig, blond und gerade dabei, oben ihren Koffer auszupacken.

"Ich kann kein Russisch", sagte ich.

"Natürlich nicht."

Mein Besucher seufzte über soviel Beschränktheit und nahm ein vornehmes Schlückchen von seinem Pink Gin. Seine Stimme klang herablassend.

"Niemand erwartet von Ihnen russische Sprachkenntnisse."

Der Freund eines Freundes hatte ihn telefonisch angekündigt. Er sagte, sein Name sei Rupert Hughes-Beckett; es handele sich um eine etwas - äh - delikate Angelegenheit, und er wäre dankbar, wenn ich eine halbe Stunde Zeit für ihn hätte.

Als ich auf sein Klingeln hin die Haustür öffnete, fiel mir sofort das Wort "Mandarin" ein, und seither hatte jede Geste, jede Betonung diesen Eindruck verstärkt. Ein Mann von ungefähr fünfzig, groß und hager, tadellos und unauffällig gekleidet, umgeben von einer Aura unerschütterlicher Höflichkeit. Die kultivierte Stimme sprach, ohne daß sich die Lippen viel bewegten, als könne ein Anspannen der Muskeln in der Mundgegend an sich schon das Entschlüpfen eines unvorsichtigen Wortes verhindern. Jede Bewegung der Hände war beherrscht, ja sogar die Art, wie er sich nur kurz umsah und sich dann ganz auf mich, seine eigenen Handrücken und das Glas mit seinem Drink konzentrierte.

Männer seines Schlages waren mir nicht unbekannt, und einige hatte ich sogar gern, Rupert Hughes-Beckett gegenüber jedoch [10] verspürte ich eine unerklärliche Abneigung, die in mir den Wunsch erweckte, nein zu seinen Vorschlägen zu sagen.

"Es würde Sie nicht viel Zeit kosten", sagte er geduldig. "Wir rechnen mit einer - höchstens zwei Wochen."

Ich brachte genausoviel behutsame Höflichkeit auf wie er.

"Warum fahren Sie nicht selbst?" fragte ich. "Sie würden viel leichter Zugang finden."

Ein Hauch von Ungeduld zuckte in seinen Augen auf. "Man hält es für besser, jemand zu schicken, der mit... äh... Pferden vertraut ist."

Schlüpfrige Bemerkungen hätten zu nichts geführt und Rupert Hughes-Beckett kaum gefallen. Außerdem schloß ich aus der abfälligen Art, wie er "Pferd" sagte, daß er von seinem gegenwärtigen Auftrag ebensowenig begeistert war wie ich. Das machte ihn mir nicht sympathischer, aber es erklärte wenigstens, warum ich ihn instinktiv abgelehnt hatte. Er tat sein Bestes, und das war gar nicht wenig, doch mit diesem einen Wort hatte er seine ganze Geringschätzung verraten: Mir war diese Haltung schon zu oft begegnet, ich kannte sie.

"Keine Ritter mehr im Auswärtigen Amt?" fragte ich spöttisch.

"Wie meinen Sie?"

"Warum ich?" wollte ich wissen und hörte in der Frage die ganze Verzweiflung des ungewollt Erkorenen. Warum ich ? Ich will nicht. Weg damit. Sucht euch jemand anderen. Laßt mich in Ruhe.

"Man fand wohl, es sollte Ihnen angetragen werden, weil Sie den nötigen... äh... Status haben", erwiderte er und lächelte schwach, als wolle er sich für eine derart extravagante Feststellung entschuldigen. "Und die Zeit natürlich", setzte er hinzu.

Das ging unter die Gürtellinie, aber mein Gesicht blieb ruhig und ausdruckslos. Ich nahm die Brille ab und hielt sie gegen das Licht, wie um zu sehen, ob sie sauber sei, dann setzte ich sie [11] wieder auf. Eine Verzögerungstaktik, die ich mein Leben lang, häufig ganz unbewußt, angewendet hatte, um mir Zeit zum Überlegen zu verschaffen. Eine Angewohnheit aus der Zeit, als mich ein Rechenlehrer mit sechs Jahren gefragt hatte, was ich mit dem Multiplikator gemacht hätte.

Ich hatte damals die eulenhaften Silbergerahmten abgesetzt und seine plötzlich verschwommenen Umrisse angestarrt, während ich in panischer Angst nachdachte. Was, um Himmels willen, war ein Multiplikator?

"Ich habe ihn nicht gesehen, Sir. Ich war's nicht, Sir."

Sein sardonisches Gel

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