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Cover Owen Meany

Owen Meany

von John Irving; Übersetzt von: Jürgen Bauer; Edith Nerke

Erschienen 2012 bei Diogenes
Sprache: Deutsch
864 Seiten
ISBN 978-3-257-60022-3

Kurztext / Annotation

John Irvings Auseinandersetzung mit einem halben Jahrhundert amerikanischer Geschichte, mit der Frage nach dem Glauben in einer chaotischen Welt: die bewegende Geschichte der einzigartigen Freundschaft zwischen Owen Meany und John Wheelwright. Man schreibt den Sommer 1953, die beiden elfjährigen Freunde Owen und John spielen Baseball, als ein fürchterliches Unglück passiert...

John Irving, geboren 1942 in Exeter, New Hampshire, lebt in Toronto. Seine bisher dreizehn Romane wurden alle Weltbestseller und in mehr als 35 Sprachen übersetzt, vier davon verfilmt. 1992 wurde Irving in die National Wrestling Hall of Fame in Stillwater, Oklahoma, aufgenommen, 2000 erhielt er einen Oscar für die beste Drehbuchadaption für die Verfilmung seines Romans Gottes Werk und Teufels Beitrag

Textauszug

[11] 1

Der Fehlschlag

Ich bin dazu verdammt, mit der Erinnerung an einen Jungen mit einer entsetzlichen Stimme zu leben - nicht wegen seiner Stimme, auch nicht, weil er der kleinste Mensch war, der mir je begegnet ist, und nicht einmal, weil er das Werkzeug zum Tod meiner Mutter war, sondern weil er der Grund ist, warum ich an Gott glaube: wegen Owen Meany bin ich Christ geworden. Ich behaupte nicht, ein Leben in Christus zu führen, oder mit Christus - und ganz bestimmt nicht für Christus, wie es einige Glaubenseiferer von sich behaupten. Meine Kenntnisse vom Alten Testament sind recht oberflächlich, und die vom Neuen Testament habe ich seit meinen Tagen in der Sonntagsschule nicht mehr aufgefrischt, abgesehen von einigen Passagen, die ich höre, wenn ich in die Kirche gehe. Etwas vertrauter bin ich mit den Bibelstellen, die im Gebetbuch stehen; in meinem Gebetbuch lese ich oft, in der Bibel nur an den hohen Kirchenfeiertagen - das Gebetbuch ist viel übersichtlicher.

Ich bin schon immer ziemlich regelmäßig zur Kirche gegangen. Früher war ich bei den Kongregationalisten - ich wurde in der kongregationalistischen Kirche getauft, und nach einigen Jahren der Verbrüderung mit der Episkopalkirche (ich wurde dort konfirmiert) wurde meine religiöse Gesinnung ziemlich vage; als Jugendlicher ging ich in eine "konfessionsfreie" Kirche. Dann wurde ich Anglikaner; die anglikanische Kirche von Kanada ist meine Kirche, seit ich die Vereinigten Staaten verließ, vor etwa zwanzig Jahren. Die Unterschiede zwischen der anglikanischen Kirche und der Episkopalkirche sind nicht sehr groß - so gering, daß mich manchmal der Verdacht beschleicht, einfach wieder zur Episkopalkirche zurückgekehrt zu sein. Jedenfalls verließ ich die [12] Kongregationalisten und die Episkopalkirche, und auch mein Land - für immer.

Wenn ich sterbe, möchte ich in New Hampshire begraben werden, neben meiner Mutter, doch die anglikanische Kirche wird die notwendige Zeremonie abhalten, ehe mein Leichnam die unwürdige Prozedur über sich ergehen lassen muß, durch den amerikanischen Zoll geschleust zu werden. Was ich für mich in der Beerdigungsliturgie ausgesucht habe, ist ganz und gar üblich und steht im Gebetbuch - mit dem Unterschied, daß es gelesen und nicht gesungen werden wird. Fast alle meine Bekannten kennen die Passage bei Johannes, die so anfängt: "...und wer da lebt und glaubt an mich, der wird nimmermehr sterben." Dann kommt die Stelle: "...In meines Vaters Haus sind viele Wohnungen. Wenn's nicht so wäre, hätte ich es euch gesagt." Und besonders gefallen hat mir schon immer die Offenheit bei Timotheus, wo es heißt: "Denn wir haben nichts in die Welt gebracht; darum werden wir auch nichts hinausbringen." Es wird ein hundertprozentig anglikanischer Gottesdienst werden, dergestalt, daß meine früheren Mitkongregationalisten in den Kirchenbänken zappeln würden. Ich bin jetzt Anglikaner, und ich werde auch als Anglikaner sterben. Doch ab und zu lasse ich einen Sonntagsgottesdienst ausfallen; ich behaupte nicht, besonders fromm zu sein; meine Beziehung zur Kirche ist eher lau und muß jeden Sonntag wieder aufgewärmt werden. Was ich an Glauben habe, verdanke ich Owen Meany, einem Jungen, mit dem ich zusammen aufwuchs. Owen war es, der mich zum Gläubigen machte.

In der Sonntagsschule entwickelten wir eine Art Spiel, für das wir Owen Meany mißbrauchten, der so klein war, daß seine Füße nicht nur nicht den Boden berührten, wenn er auf dem Stuhl saß, sondern daß seine Knie nicht einmal bis zur Kante des Stuhles reichten und die Beine gerade vorstanden wie bei einer Puppe. Es sah aus, als sei Owen Meany ohne Gelenke geboren.

[13] Owen war so winzig, daß es uns ungeheuer Spaß machte, ihn hochzuheben; wir konnten es einfach nicht lassen. Wir hielten es für ein Wunder: Wie leicht er doch war. U

Beschreibung für Leser

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