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Cover Saturday

Saturday

von Ian McEwan; Übersetzt von: Bernhard Robben

Erschienen 2012 bei Diogenes
Sprache: Deutsch
400 Seiten
ISBN 978-3-257-60028-5

Kurztext / Annotation

Henry Perowne, 48, ist ein zufriedener Mann: erfolgreich als Neurochirurg, glücklich verheiratet, zwei begabte Kinder. Das einzige, was ihn leicht beunruhigt, ist der Zustand der Welt. Es ist Samstag, und er freut sich auf sein Squashspiel. Doch an diesem speziellen Samstag, dem 15. Februar 2003, ist nicht nur die größte Friedensdemonstration aller Zeiten in London. Perowne hat unversehens eine Begegnung, die ihm jeden Frieden raubt ...

Ian McEwan, geboren 1948 in Aldershot (Hampshire), lebt bei London. 1998 erhielt er für Amsterdam Abbitte

Textauszug

[7] Eins

Henry Perowne, ein Neurochirurg, wacht einige Stunden vor Tagesanbruch auf und merkt, daß er in Bewegung ist, daß er im Sitzen die Decke zurückschlägt und aufsteht. Wann genau ihm das bewußt wird, weiß er nicht, doch scheint es auch nicht von Bedeutung zu sein. Und obwohl ihm derlei noch nie passiert ist, macht es ihm keine Angst, es überrascht ihn nicht einmal, denn seine Glieder sind entspannt, die Bewegungen angenehm, Rücken und Beine fühlen sich ungewöhnlich kräftig an. Er steht am Bett, nackt - er schläft immer nackt -, und richtet sich zu ganzer Länge auf; er nimmt den ruhigen Atem seiner Frau wahr, die winterlich kühle Schlafzimmerluft auf der Haut. Auch das ist ein angenehmes Gefühl. Der Wecker zeigt zwanzig vor vier. Er hat keine Ahnung, warum er nicht mehr im Bett liegt: Er muß sich nicht erleichtern, weder ein Traum noch ein unerledigtes Problem vom Vortag noch der Zustand der Welt plagen ihn. Es ist, als sei er, so wie er da im Dunkeln steht, gänzlich entwickelt und ohne jeden Ballast Stoff geworden aus dem Nichts. Trotz der frühen Stunde und der vielen Arbeit in letzter Zeit ist er nicht müde, auch macht ihm kein neuer Fall zu schaffen. Genaugenommen fühlt er sich sogar hellwach, klar im Kopf und unvermutet hochgestimmt. Wie von allein und ohne einen festen Vorsatz geht er zum nächstgelegenen der drei Schlafzimmerfenster, wobei er [8] sich so leicht und gelöst bewegt, daß er zu schlafwandeln oder zu träumen glaubt. Sollte das der Fall sein, wäre er enttäuscht. Träume interessieren ihn nicht, da findet er die Möglichkeit schon ergiebiger, daß dies real sein könnte. Er ist ganz er selbst, kein Zweifel, er weiß, daß der Schlaf vorüber ist: Zwischen Schlaf und Wachsein trennen, die Grenzlinie ziehen zu können, daran erkennt man einen gesunden Verstand.

Das Schlafzimmer ist groß und spärlich eingerichtet. Während er mit beinahe komischer Leichtigkeit durch den Raum schwebt, betrübt ihn für einen Moment die Vorstellung, daß diese Erfahrung enden wird, doch verflüchtigt sich der Gedanke wieder. Henry steht am Mittelfenster und zieht behutsam, damit Rosalind nicht aufwacht, den großen, hölzernen Klappladen auf. Er denkt dabei an sich und nimmt gleichzeitig Rücksicht. Er will nicht gefragt werden, was er gerade treibt - was könnte er darauf schon erwidern und warum mit dem Versuch einer Antwort diesen Augenblick zerstören? Er öffnet den zweiten Laden, faltet ihn in den Rahmenkasten und schiebt leise das Fenster in die Höhe. Es ist um einiges größer als er selbst, gleitet aber, vom verborgenen Bleigewicht gezogen, schwerelos nach oben. Als ihn die Februarluft umweht, spannt sich seine Haut, doch macht ihm die Kälte nichts aus. Vom zweiten Stock blickt er in die Nacht, sieht die Stadt im eisig weißen Licht, die knochig kahlen Bäume auf dem Platz und zehn Meter unter ihm den schwarzen Eisenzaun wie eine Reihe aufgestellter Speere. Es ist ein, zwei Grad unter Null, die Luft ist klar. Das gleißende Licht der Straßenlampe blendet nicht alle Sterne aus, Reste von Sternbildern hängen am [9] Südhimmel über der Regency-Fassade der gegenüberliegenden Platzseite. Diese Fassade ist eine Rekonstruktion, ein Nachbau - der Stadtteil Fitzrovia wurde im Krieg mehrmals von der Luftwaffe getroffen -, und direkt dahinter ragt der Post Office Tower auf, tagsüber städtisch, schäbig, doch nachts, in Dunkel gehüllt und nur dezent angestrahlt, ein kühnes Denkmal optimistischerer Tage.

Und nun, was sind das jetzt für Tage? Verwirrend und beängstigend findet er sie meist, wenn er sich im wöchentlichen Trott die Zeit nimmt, darüber nachzudenken. Doch im Moment sieht er das anders. Er beugt sich vor, stützt sich an der Fensterbank auf den Handflächen ab und freut sich über die klare Luft, die unbelebte Szenerie. Seine Augen - ohnedies gut - scheinen noch schärfer als sonst zu sein. Er kann den Glimmer im Pflaster des zur Fußgängerzone erklärte

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