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Cover Die dunkle Seite des Mondes

Die dunkle Seite des Mondes

Erschienen 2012 bei Diogenes
Sprache: Deutsch
320 Seiten
ISBN 978-3-257-60044-5

Kurztext / Annotation

Starwirtschaftsanwalt Urs Blank, fünfundvierzig, Fachmann für Fusionsverhandlungen, hat seine Gefühle im Griff. Doch dann gerät sein Leben aus den Fugen. Ein Trip mit halluzinogenen Pilzen führt zu einer gefährlichen Persönlichkeitsveränderung, aus der ihn niemand zurückzuholen vermag. Blank flieht in den Wald und lernt dort zu überleben. Bis er endlich begreift: Es gibt nur einen Weg, um sich aus diesem Alptraum zu befreien.

Martin Suter, geboren 1948 in Zürich, arbeitete bis 1991 als Werbetexter und Creative Director, bis er sich ausschließlich fürs Schreiben entschied. Seine Romane - zuletzt erschien Elefant Allmen und die Erotik Business Class

Textauszug

[23] 2

Lucille fror. Sie trug gestrickte Pulswärmer und hatte wollene Ballettstulpen über ihre Strümpfe gezogen. Wie im Winter. Dabei war es Ende März. Am letzten Mittwoch hatte es noch ausgesehen, als komme der Frühling. Sie hatte sich schon zwei Zimttees geholt und eigentlich Lust auf einen dritten. Damit wäre sie dann - Standgebühr und Transportspesen inbegriffen - zwölf Franken im Minus. Es bestand wenig Hoffnung, daß sich diese Bilanz noch entscheidend verbessern würde. An Tagen wie diesem kauften die Leute weder indische Seidentücher noch Räucherstäbchen.

Lucille besaß den Stand schon seit drei Jahren. Sie hatte ihn von ihrem damaligen Freund übernommen. Mit ihm reiste sie zweimal im Jahr nach Indien und Indonesien und kaufte dort für ein halbes Jahr ein. Sie war dreiundzwanzig, als er beschloß, dort zu bleiben. Sie flog alleine zurück. Am Anfang kaufte er noch für sie ein. Aber inzwischen hatte Lucille ihre eigenen Quellen.

Der Stand ermöglichte ihr, zu überleben und ab und zu nach Asien zu reisen, wo sie nach ihrer Überzeugung in einem früheren Leben gelebt haben mußte. Sie teilte die Wohnung mit einer Freundin, die in einem Jeansladen arbeitete. Im Moment hatte sie keinen festen Freund.

[24] Jetzt fing es auch noch an zu regnen. Lucille beeilte sich, zum Teestand zu kommen, bevor der Regen stärker wurde. Als sie mit ihrem Zimttee zurückkam, stand ein Mann vor ihrem Stand. Der vom letzten Mittwoch.

"Ich hätte einen Halter kaufen sollen", erklärte er. "Welchen empfehlen Sie?"

"Bei diesem Wetter den teuersten." Der Mann sah aus, als hätte er Humor.

"Welcher ist das?"

Sie zeigte ihm einen in der Form eines kleinen Holzskis mit eingelegten Messingsternen.

"Und der zweitteuerste?" Der Mann sah nicht aus, als ob es ihm auf fünfundzwanzig Franken mehr oder weniger ankam. Aber sie zeigte auf ein rundes verziertes Messingmodell.

"Wäre Ihnen auch gedient, wenn ich zwei von den Zweitteuersten nehme? Sie gefallen mir besser."

"Sehr gedient." Lucille lächelte. Er war nicht ihre Welt, aber er gefiel ihr. Wenn sie sich ein paar Zentimeter Haare dazu- und ein paar Jahre wegdachte. "Suchen Sie sich zwei aus."

"Könnten nicht Sie das für mich tun? Ich weiß nicht, worauf man achten muß."

Lucille suchte zwei Stäbchenhalter aus und verpackte sie in weinrotes Seidenpapier. "Stäbchen haben Sie noch genug?"

"Ein Päckchen könnte nicht schaden. Ich hatte Sandlewood. "

Sie legte die Stäbchen neben die Päckchen. "Kennen Sie Superior Tibet Incense ?"

[25] Urs schüttelte den Kopf.

"Das habe ich am liebsten."

"Dann möchte ich es versuchen."

Lucille suchte eine Packung heraus. "Anstatt oder zusätzlich?"

Urs mußte lachen. "Zusätzlich."

"Ein Seidentuch brauchen Sie nicht?"

"Ich trage Krawatten."

"Für Ihre Frau, dachte ich."

"Ich habe keine Frau."

Auch Evelyne Vogt hatte ihren Jour fixe. Sie traf sich mit ihrer Freundin Ruth Zopp zum Lunch. Die Restaurants wechselten, der Tag blieb immer der gleiche: jeder zweite Freitag.

Diesmal hatten sie sich für eine neueröffnete Sushi-Bar entschieden. Ruth Zopp war über alles auf dem laufenden, was in der Stadt kulinarisch, künstlerisch und gesellschaftlich los war. Sie war eine Tochter aus reichem Haus und mit einem Mann aus ihren Kreisen verheiratet. Sie arbeitete nicht, aber ihr Filofax war vollgekritzelt mit Terminen und platzte aus den Nähten vor Visitenkärtchen und Freßzetteln. Sie liebte es, Leute zusammenzubringen, ihre Beziehungen spielen zu lassen und die Fäden zu ziehen. Evelyne hatte ihr viele Kunden zu verdanken.

"Laß uns an ein Tischchen sitzen. Sushi- barmen sind immer so geschwätzig", raunte sie Evelyne zu, als sie zu ihr an die Bar trat. Sie hatte zwanzig Minuten Verspätung, wenig für ihre Verhältnisse.

Langtext

Starwirtschaftsanwalt Urs Blank, fünfundvierzig, Fachmann für Fusionsverhandlungen, hat seine Gefühle im Griff. Doch dann gerät sein Leben aus den Fugen. Ein Trip mit halluzinogenen Pilzen führt zu einer gefährlichen Persönlichkeitsveränderung, aus der ihn niemand zurückzuholen vermag. Blank flieht in den Wald. Bis er endlich begreift: Es gibt nur einen Weg, um sich aus diesem Alptraum zu befreien.

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