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Cover Selbs Justiz

Selbs Justiz

Erschienen 2012 bei Diogenes
Sprache: Deutsch
352 Seiten
ISBN 978-3-257-60051-3

Kurztext / Annotation

Privatdetektiv Gerhard Selb, 68, wird von einem Chemiekonzern beauftragt, einem Hacker Selbs Justiz Selb

Textauszug

[37] 7

Kleine Panne

Am nächsten Tag stand die Luft über Mannheim und Ludwigshafen. Es war so schwül, daß mir ohne jede Bewegung die Kleider am Leib klebten. Die Fahrerei war stockend und hektisch, ich hätte für Kuppeln, Bremsen und Gasgeben drei Füße brauchen können. Auf der Konrad-Adenauer-Brücke war alles aus. Es hatte einen Auffahrunfall gegeben und nach dem einen gleich den nächsten. Ich stand zwanzig Minuten im Stau, sah dem Gegenverkehr und den Zügen zu und rauchte, um nicht zu ersticken.

Der Termin mit Schneider war um halb zehn. Der Pförtner am Tor 1 erklärte mir den Weg. "Das sind keine fünf Minuten. Gehen Sie geradeaus, und wenn Sie an den Rhein kommen, noch mal hundert Meter links. Die Labors sind in dem hellen Gebäude mit den großen Fenstern."

Ich machte mich auf den Weg. Unten am Rhein sah ich den kleinen Jungen, der mir gestern begegnet war. Er hatte eine Schnur an sein Sandeimerchen gebunden und schöpfte damit Wasser aus dem Rhein. Das Wasser schüttete er in den Gully.

"Ich mache den Rhein leer", rief er, als er mich sah und erkannte.

"Hoffentlich klappt's."

"Was machst du hier?"

[38] "Ich muß da vorne ins Labor."

"Darf ich mit?"

Er schüttete sein Eimerchen aus und kam. Kinder machen sich oft an mich ran, ich weiß nicht, warum. Ich habe keine, und die meisten nerven mich.

"Komm schon", sagte ich, und wir gingen zusammen auf das Haus mit den großen Fenstern zu.

Wir waren ungefähr fünfzig Meter entfernt, als aus dem Eingang ein paar Weißgewandete hasteten. Sie rannten das Rheinufer runter. Dann kamen mehr, nicht nur im weißen Kittel, sondern auch im Blaumann, und die Sekretärinnen in Rock und Bluse. Es war putzig anzuschauen, und ich verstand nicht, wie man bei dieser Schwüle rennen konnte.

"Guck mal, der winkt uns", sagte der kleine Junge, und in der Tat, einer von den Weißkitteln fuchtelte mit den Armen und rief uns etwas zu, was ich nicht verstand. Aber ich mußte auch nicht mehr verstehen; offensichtlich galt es, sich so schnell wie möglich davonzumachen.

Die erste Explosion schüttete eine Kaskade von Glassplittern über die Straße. Ich griff nach der Hand des kleinen Jungen, aber der riß sich los. Einen Moment war ich wie gelähmt: Ich spürte keine Verletzung, hörte trotz des weiterklirrenden Glases eine große Stille, sah den Jungen rennen, auf den Glassplittern ausrutschen, sich noch einmal fangen, nach zwei schiefen Schritten endgültig fallen und, von seiner Bewegung vorangetrieben, sich überschlagen.

Dann kam die zweite Explosion, der Schrei des kleinen Jungen, der Schmerz im rechten Arm. Dem Knall folgte ein scharfes, gefährliches, bösartiges Zischen. Ein Geräusch, das mich in Panik versetzte.

[39] Den Sirenen, die in der Ferne einsetzten, verdanke ich, daß ich handeln konnte. Sie weckten die im Krieg eingeübten Reflexe des Flüchtens, Helfens, Schutzsuchens und -gebens.

Ich rannte auf den Jungen zu, zog ihn mit meiner linken Hand hoch, zerrte ihn in die Richtung, aus der wir gekommen waren. Seine kleinen Füße konnten nicht Schritt halten, aber er strampelte und ließ nicht los. "Los, Bübchen, lauf, wir müssen hier weg, mach nicht schlapp." Ehe wir um die Ecke bogen, sah ich zurück. Wo wir gestanden hatten, wuchs eine grüne Wolke in den bleigrauen Himmel.

Den Sanitätswagen, die vorbeirasten, winkte ich vergebens. An Tor 1 nahm sich der Pförtner unser an. Er kannte den kleinen Jungen, der sich blaß, verschrammt und verschreckt an meiner Hand festhielt.

"Richard, um Gottes willen, was ist denn mit dir passiert? Ich ruf gleich deinen Großvater." Er ging zum Telefon. "Und für Sie hol ich am besten die Sanität. Das sieht böse aus."

Ein Glassplitter hatte den Arm aufgerissen, und das Blut färbte den Ärmel der hellen Jacke rot. Mir war flau. "Haben Sie einen Schnaps?"

An die nächste ha

Langtext

Privatdetektiv Gerhard Selb, 68, wird von einem Chemiekonzern beauftragt, einem Hacker das Handwerk zu legen, der das werkseigene Computersystem durcheinanderbringt. Bei der Lösung des Falles wird er mit seiner eigenen Vergangenheit als junger, schneidiger Nazi-Anwalt konfrontiert und findet für die Ahndung zweier Morde, deren argloses Werkzeug er war, eine eigenwillige Lösung.

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