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Cover Schöner Schein

Schöner Schein

Commissario Brunettis achtzehnter Fall

von Donna Leon; Übersetzt von: Werner Schmitz

Erschienen 2012 bei Diogenes
Sprache: Deutsch
352 Seiten
ISBN 978-3-257-60076-6

Kurztext / Annotation

Nichts als schöner Schein - das denken sich wohl die Leute, wenn sie "la Superliftata" in der Calle begegnen. Brunetti aber merkt, dass sich hinter den starren Zügen von Franca Marinello Geheimnisse verbergen. Nicht anders als hinter den feinen Fassaden von Venedig: Den Machenschaften der Müllmafia auf der Spur, entdeckt Brunetti die Kehrseite der Serenissima.

Donna Leon, geboren 1942 in New Jersey, lebt seit 1965 im Ausland. Sie arbeitete als Reiseleiterin in Rom und als Werbetexterin in London sowie als Lehrerin an amerikanischen Schulen in der Schweiz, im Iran, in China und Saudi-Arabien. Die Brunetti

Textauszug

[26] 2

"W arum um Himmels willen sollte er in China investieren?", wollte Brunetti wissen.

Sie machte abrupt halt. Sie standen vor der Kantine der Feuerwehr; die Fenster waren zu dieser Stunde dunkel, keine Essensgerüche strömten auf die calle hinaus. Ihm war das wirklich ein Rätsel. "Warum China?", wiederholte er.

Sie schüttelte betont fassungslos den Kopf und sah sich um, als suche sie verständnisvolle Ohren. "Bitte, kann mir jemand sagen, wer dieser Mann da ist? Ich glaube, morgens sehe ich ihn manchmal neben mir im Bett, aber mein Mann kann das nicht sein."

"Ach, hör auf, Paola. Erklär es mir einfach", sagte er plötzlich müde und nicht in der Stimmung für Scherze.

"Wie kannst du täglich zwei Zeitungen lesen und keine Ahnung haben, warum jemand daran interessiert sein könnte, in China zu investieren?"

Er nahm ihren Arm und ging los. Es hatte keinen Sinn, das auf offener Straße zu besprechen; das konnten sie auch auf dem Heimweg tun oder zu Hause im Bett. "Natürlich weiß ich das alles", sagte er. "Die boomende Wirtschaft, glänzende Gewinnaussichten, rasant steigende Aktienkurse, kein Ende in Sicht. Aber warum sollte dein Vater sich daran beteiligen?"

Wieder wurden Paolas Schritte langsamer; da er weitere Sticheleien fürchtete, behielt er sein Tempo bei und zog sie mit . "Weil mein Vater den Kapitalismus im Blut hat, Guido. [27] Weil die Faliers seit Jahrhunderten Kaufleute sind und weil Kaufleute von Natur aus auf Geldvermehrung aus sind."

"Und das", bemerkte Brunetti, "aus dem Mund einer Literaturprofessorin, der Geld angeblich wenig bedeutet."

"Weil ich der letzte Spross der Familie bin, Guido. Ich werde die Letzte sein, die unseren Namen trägt. Unsere Kinder tragen deinen." Ihre Schritte verlangsamten sich, ebenso ihre Stimme, aber sie hörte nicht auf zu reden. "Mein Vater hat sein Leben lang Geld gemacht und ermöglicht damit mir und unseren Kindern den Luxus, kein Interesse am Geldmachen zu haben."

Brunetti, der mit seinen Kindern schon Tausende Partien Monopoly gespielt hatte, war allerdings davon überzeugt, dass sie das kapitalistische Gen geerbt hatten und an Geld mehr als interessiert waren.

"Und er meint, er kann dort Geld machen?", fragte Brunetti und fügte, um weiteren Erkundigungen nach seinem Geisteszustand vorzubeugen, rasch hinzu: "Sicheres Geld?"

Sie sah ihn an. "Sicheres?"

"Na ja", sagte er und merkte selbst, wie dumm sich das anhörte. "Sauberes Geld?"

"Immerhin akzeptierst du, dass es da einen Unterschied gibt", sagte sie mit dem Sarkasmus einer Frau, die jahrelang die Kommunisten gewählt hatte.

Er schwieg eine Weile. Plötzlich blieb er stehen und fragte: "Was sollte eigentlich die Bemerkung deiner Mutter von wegen 'Essgewohnheiten'? Und der ganze Unsinn, was die Kinder angeblich alles nicht essen?"

"Cataldos Frau ist Vegetarierin", sagte Paola. "Und weil meine Mutter sie nicht in Verlegenheit bringen wollte, habe [28] ich - wie ihr Polizisten sagt - mich schuldig bekannt." Sie drückte seinen Arm.

"Und daher auch das Märchen von meinem Appetit?", rutschte ihm unwillkürlich heraus.

Zögerte sie kurz? Wie auch immer, sie zog an seinem Arm und bestätigte lächelnd: "Ja. Daher das Märchen von deinem Appetit."

Wäre ihm Franca Marinello nicht durch ihre Unterhaltung sympathisch geworden, hätte er sich die Bemerkung wohl kaum verkniffen, dass sie keine besonderen Essgewohnheiten brauchte, um aufzufallen. Doch dank Cicero hatte er seine Voreingenommenheit gegen sie abgelegt und fühlte sich sogar berufen, diese Frau in Schutz zu nehmen.

Sie kamen an Goldonis Haus vorbei, dann ging es scharf links und wieder rechts und geradeaus bis San Polo. Als sie auf den Campo gelangten, blieb Paola stehen und schaute über den weiten Platz. "Seltsam, wenn es hier so menschenleer ist."

Bru

Langtext

Nichts als schöner Schein das denken sich wohl die Leute, wenn sie "la Superliftata" in der Calle begegnen. Brunetti aber merkt, dass sich hinter den starren Zügen von Franca Marinello Geheimnisse verbergen. Nicht anders als hinter den feinen Fassaden von Venedig: Den Machenschaften der Müllmafia auf der Spur, entdeckt Brunetti die Kehrseite der Serenissima.

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