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Cover Massimo Marini

Massimo Marini

Erschienen 2013 bei Diogenes
Sprache: Deutsch
384 Seiten
ISBN 978-3-257-60082-7

Kurztext / Annotation

Es ist der Höhepunkt in der Karriere eines Mannes, als am 17. Oktober 2007 der erste große Durchstich des längsten Tunnels der Welt, des Gotthard-Basistunnels, gefeiert wird. Aber dieser Tag ist zugleich ihr Ende. Ein packender Gesellschafts- und Entwicklungsroman.

Rolf Dobelli, geboren 1966 in Luzern, studierte Philosophie und Betriebswirtschaft, arbeitete bei der Swissair, gründete ein Unternehmen und lebte in Australien, Hongkong, England und in den USA. Bei Diogenes erschienen sieben Bücher, zuletzt Fragen an das Leben Die Kunst des klaren Denkens Die Kunst des klugen Handelns

Textauszug

[9] Im Frühjahr 2004, drei Jahre vor der Entführung seines Sohnes, gestand mir Massimo Marini, dass er sich in die berühmte Cellistin Julia Bodmer verliebt habe und mit dem Gedanken kämpfe, sich von seiner Frau scheiden zu lassen.

Marini hatte bis dahin sein halbes Leben mit der Entwicklung des Bauunternehmens verbracht, das sein Vater gegründet und dessen Leitung er nach dem überraschenden Tod seines Vaters 1986 übernommen hatte. Seit bald zwanzig Jahren war Massimo, dieser gesunde, kräftige Mann im besten Alter von sechsundvierzig Jahren, Herr über einen beachtlichen Maschinenpark, bestehend aus Bulldozern, Landraupen, Tieflöffelbagger, Felsbohrern, Steintrennmaschinen und Sprengstoffmischgeräten, über einen Personalbestand von zweihundert qualifizierten Mineuren und ein Portfolio erfolgreich abgeschlossener Tunnelbauten im In- und Ausland.

Massimos Mutter und Vater stammten beide aus derselben apulischen Ortschaft und kamen als junge Leute auf der Suche nach Arbeit in die Schweiz. Von ihnen hatte Massimo die gesunde, kräftige Hautfarbe geerbt, von seiner Mutter die imposanten Augenbrauen, die kühn geschnittenen Backenknochen vom Vater und die schwarzen Augen von beiden.

Für sein Alter hatte er erstaunlich sattes, schwarzes Haar, das er morgens mit ein bisschen Pomade zu bändigen [10] versuchte und das den ganzen Tag in beneidenswerten Wellen glänzte. Sein Gesicht hatte etwas Strahlendes, und er strotzte vor Gesundheit. Seine Hände waren sehr schön. Weder sein Haar noch sein Gesicht noch sein Körper noch die Art, wie er ging, wie er sprach oder dachte - nichts von alldem zeigte Symptome jener Katastrophe, die man das Alter nennt - jenes Ungeheuer, das seinen Vater innerhalb weniger Jahre von einem vitalen Mann in ein keuchendes, krankes Männchen verwandelt und ihn schließlich ganz niedergerungen hatte.

Massimo hatte die Cellistin zum ersten Mal gesehen, als er vom Zürcher Opernhaus-Management aufgefordert wurde, einen kleinen Werkfehler anzuschauen, den seine Arbeiter beim Umbau der Dachkonstruktion angeblich gemacht hatten. Er betrat die Bühne durch den seitlichen Künstlereingang, und als er die Tür aufstieß, warf ihn das Gleißen der Scheinwerfer zurück.

Es war mehr als ein Blenden, es war eine Flut von Licht, die seinen ganzen Körper erfasste. Massimo musste sich mit beiden Händen am Türrahmen festhalten, und erst nach einer Weile gewöhnten sich seine Augen an die Helle: Vor ihm öffnete sich die unendliche Weite der Bühne, dahinter ragten die leeren Sitzreihen des Parketts und der Balkone wie eine Felswand empor, und im Zentrum der Bühne, dort, mitten im Lichtkegel, sah er eine Frau, die ein Cello umarmte.

Sie saß reglos da. Er sah sie nur von hinten. Soweit er ausmachen konnte, trug sie einen dunklen Rollkragenpullover, ihre Haare waren sehr hell und mit einem Gummi [11] zusammengebunden. Er sah weder ihr Gesicht noch ihre Hände, nur ihren Hinterkopf, den Hals, die Schultern, die letzten zwanzig Zentimeter ihrer Beine und ihre Schuhe. Neben ihrem Hinterkopf leuchtete die Schnecke des Cellos bernsteinfarben auf.

Die Frau saß reglos, und Massimo wusste einen Moment lang nicht weiter. In diesem Flutlicht konnte er den angeblichen Fehler in der Dachkonstruktion natürlich nicht sehen. Stille füllte den Saal, und außer ihm, der noch immer wie versteinert im Türrahmen stand, und dieser Frau mit dem Cello war niemand da. Schlief sie? Meditierte sie?

Gerade als er sich entschloss, diese Verschwendung von Licht auf ein erträgliches Maß herunterzudrehen, damit er nach oben schauen konnte, legte sie ihre Hand an den Wirbelkasten und setzte zu einem Ton an, einem rauchigen, rußigen, tiefen Ton. Als der letzte Hauch verebbt war, ließ sie ihre Hand sachte das Griffbrett entlangrutschen, bis sie hinter der Schulter verschwunden war. Anschließend drehte sie ein bisschen an dem Bogen herum.

Massimo wusste, dass er i

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