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Cover Savoy Blues

Savoy Blues

Ein Fall für Sebastian Fink

Erschienen 2012 bei Diogenes
Sprache: Deutsch
320 Seiten
ISBN 978-3-257-60083-4

Kurztext / Annotation

Sommer in Hamburg - und ein Lied in aller Ohren: Savoy Blues Die Welt ist so, wie man sie sieht - Erinnerungen an Marion Dönhoff

Textauszug

[5] 1

Als er zum Himmel blickte, traf ihn ein Tropfen mitten ins Auge. Über der Stadt hing das Sommergewitter, und wenn er nicht pitschnass ankommen wollte, würde er sich beeilen müssen. Er klemmte die schwarze Tasche mit den Utensilien fest unter den Arm und lief los. Zwei, drei Straßen musste er bis zu seinem Ziel durchqueren, und er schien Glück zu haben, denn unterwegs begegnete er keinem einzigen Menschen. Es donnerte einmal gewaltig, der Wind schüttelte die Bäume in der Lindenallee. Gerade war er unter dem Vordach von Haus Nummer 78 angekommen, als hinter ihm der Regen in die Baumkronen rauschte. Er wartete eine Weile, bis er wieder zu Atem gekommen war, zupfte seine weiße Pflegerjacke zurecht und schaute auf die Klingelschilder. Karl Perkenson wohnte im zweiten Stock, das hatte er in Erfahrung gebracht, der Knopf befand sich im unteren Viertel der Leiste. Nachdem er sich kurz umgesehen hatte, klingelte er. Er bemerkte das Zittern in seinen Fingern, und das lag sicherlich nicht an irgendeiner äußeren Kälte. Im Gegenteil, vom Laufen war ihm warm, und die kalten Regenspritzer, die in sein Gesicht geweht waren, hatte er als wohltuend empfunden. Aber so nervös wie heute war er lange nicht mehr gewesen, vermutlich kam es ihm auch deshalb so vor, als wartete er schon ewig auf Einlass. [6] Perkenson war offensichtlich nicht mehr so gut auf den Beinen. Als der Summer dann endlich ertönte, schob er die Haustür mit Schwung auf. Aus dem Treppenhaus schlug ihm ein modriger Geruch entgegen. Dunkel war es hier. Und schmal. Das ist ein Treppenhaus, in dem man sich sofort unwohl fühlt, dachte er und wunderte sich zugleich, dass er solchen Gedanken Platz einräumte, wo seine ganze Konzentration doch der bevorstehenden Aufgabe gelten sollte. In den letzten Tagen war er sich vorgekommen wie ein Skispringer hoch oben auf der Startrampe. Hatte der sich einmal in Bewegung gesetzt, konnte er nicht wieder zurück. Es gab nur noch den Weg nach vorn, den Blick in die Weite und das Risiko, ob man unten lebend ankäme. Lange hatte er überlegt, ob er seinen feingesponnenen Plan wirklich durchziehen sollte, ob er das könnte, hatte sich nächtelang gewälzt, hatte gezögert, überlegt und wieder gezögert. Bis zu dem Moment, irgendwann tief in einer Nacht, in dem er sich zum Handeln entschieden hatte und sich schwor, nicht mehr umzukehren. Der Skispringer hatte sich abgestoßen, das Tempo erhöhte sich, er raste auf der Rampe bergab und musste alle Kraft und Konzentration aufbringen, um sich auf den Beinen zu halten. Und dann war er in der Luft, über ihm nur der Himmel, unter ihm nichts.

Als er die Stufen im schmalen Treppenhaus erklomm, spürte er seine weichen Knie. Kurz bevor er den zweiten Stock erreicht hatte, sah er dort oben in der Türöffnung einen Fuß in einem braunen, grobgestrickten Strumpf.

"Sozialstation", sagte er zu Karl Perkenson.

Der Mann, der ihm gegenüberstand, war größer, als er ihn sich vorgestellt hatte, vielleicht eins fünfundachtzig, also ein [7] wenig größer noch als er selbst. Die ungekämmten grauen Haare waren ein merkwürdiger Kontrast zum gebügelten Hemd. Seine Augen wirkten müde.

"So früh?", fragte Perkenson. Die Stimme klang blechern, aber nicht schwach.

"Ich bin die Aushilfe, wir mussten umdisponieren."

Der alte Mann zuckte leicht die Schultern, murmelte was von "ist mir egal" und ließ ihn in die Wohnung. Er schien keinen Verdacht zu schöpfen.

Das Erste, was ihm beim Eintreten in Perkensons Wohnung auffiel, war die Dunkelheit. Im Treppenhaus dunkel, hier dunkel - er hasste Dunkelheit. Hatte Perkenson die Vorhänge zugezogen, oder war es draußen inzwischen so grau, dass man drinnen das Licht anschalten musste? Donnergroll erklang dumpf und unüberhörbar. Perkenson ging darauf nicht ein. Konnte gut sein, dass er schlecht hörte, schließlich war er über achtzig Jahre alt. "Komm, wir gehen in die Küche", meint

Langtext

Sommer in Hamburg und ein Lied in aller Ohren: Savoy Blues . Der Swing-Song von Louis Armstrong aus den dreißiger Jahren in der Coverversion von DJ Jack ist der Megahit des Jahres. Aus allen Cafés, aus allen Autos ist er zu hören. Auch dem jungen Hauptkommissar Sebastian Fink schwirrt das Lied im Kopf herum, während er sich an die Aufklärung seines ersten eigenen Falls macht.

Beschreibung für Leser

Unterstützte Lesegerätegruppen: PC/MAC/eReader/Tablet

Biografische Anmerkung zu den Verfassern

Friedrich Dönhoff, geb. 1967 in Hamburg, ist in Kenia aufgewachsen. Nach seinem Studium der Geschichte und Politik und der Ausbildung zum Drehbuchautor hat er sich als Verfasser von Biographien einen Namen gemacht. Friedrich Dönhoff lebt in Hamburg.

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