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Cover Der englische Tänzer

Der englische Tänzer

Ein Fall für Sebastian Fink

Erschienen 2012 bei Diogenes
Sprache: Deutsch
304 Seiten
ISBN 978-3-257-60084-1

Kurztext / Annotation

Sebastian Finks zweiter Fall führt ins Showbiz. Wo man im Licht der Scheinwerfer tanzt - und in ihrem Schatten stirbt.

Friedrich Dönhoff, geboren 1967 in Hamburg, ist in Kenia aufgewachsen. Er studierte Geschichte und Politik, verfasste Biographien und schrieb u.a. den Bestseller Die Welt ist so, wie man sie sieht - Erinnerungen an Marion Dönhoff

Textauszug

[5] 1

Als sie durch die schwere Eisentür ins Freie traten, sahen sie den Bussard. Er kreiste auf gleicher Höhe und balancierte im eisigen Wind. Sebastian zog den Reißverschluss seiner Jacke bis zum Kinn. Wie bescheuert war er eigentlich? Kraxelte an einem Nachmittag im November bei Temperaturen um den Gefrierpunkt auf den Turm der Michaeliskirche. Spätestens heute Abend würden ihm die Ohren schmerzen.

Anna hielt ihren Hut mit der einen Hand, an der anderen hielt sie den eingemummelten kleinen Leo. Seit dem letzten Winter war der Junge gewachsen. Auch ihm zuliebe hatten sie sich aufgerafft und gesagt: Komm, wir gehen da jetzt mal rauf, auf den Michel, das Wahrzeichen von Hamburg, das ist schließlich nicht nur für Touristen gebaut.

Von der Plattform konnte man kilometerweit schauen. Dort waren Sankt Pauli und die Reeperbahn, drüben die Alster und das weiße Hotel Atlantic, rechts von ihnen ragte der spitze Turm des alten Rathauses in die Höhe. Unten, so nah, dass man glaubte hineinspucken zu können, floss das silbergraue Wasser der Elbe, auf dem die Schiffe wie Spielzeug aussahen.

Leo rief mit hoher Stimme Fragen in den Wind: "Wo ist unser Haus?" - "Ist das England?" - "Was für ein Ballon [6] liegt da?" In der großen gelben Kuppel, die sich am Ufer des Flusses blähte, wurde jeden Abend das Musical Der König der Löwen aufgeführt. Dahinter erstreckte sich der achthundert Jahre alte Hafen mit seinen tausend Kränen, langen Armen, die nach den Wolken griffen.

Annas roter Mantel flatterte. Sie hatte ihn vor Jahren ausgemustert, aber nie entsorgt, und nun feierte er ein Comeback. Sie hielt sich auf der anderen Seite der Plattform am Geländer fest und blickte in die Ferne. Etwa dort musste Lübeck sein, ihre Heimatstadt, aber das war ihr vielleicht gar nicht bewusst. Sie war in letzter Zeit so nachdenklich, hatte aber bislang nicht gesagt, was sie beschäftigte.

Ruhig und elegant schwebte der Bussard hoch über den Häusern, ein Meer mit Millionen Menschen, eine enorme Ansammlung von Individuen mit festen Spielregeln und mit Spannungen. Von Westen, der Nordsee, nahte eine Wolkendecke, wie ein riesiges graues Plumeau, das sich langsam über die Stadt legen würde. Sebastian presste seine Jacke an den Körper, als würde er sich selbst umarmen.

Am nächsten Morgen irrten hinter seinem Fenster Schneeflocken umher. Sebastian beobachtete sie vom Bett. Sie fielen leise und sanft, wie Schneeflocken fallen und immer fallen werden. Sein Wecker hatte noch nicht geklingelt, doch, als wäre eine Sirene losgegangen, war er plötzlich aus dem Schlaf hochgeschreckt. Und nun saß er da mit klopfendem Herzen und schaute hinaus auf die vergehende Zeit.

"Auch so früh?", warf er Jens entgegen, der mit einer Zeitung in der Cafeteria saß. Das war nur fünfzig Minuten später im Polizeipräsidium.

[7] "Ich finde, es ist zu kalt da draußen", murrte Jens, "zu dunkel, und der Schnee bleibt auch nicht liegen."

Sebastian stellte seinen Kaffee, den der Automat ausgespuckt hatte, auf den Tisch und zog über den gefliesten Boden einen Plastikstuhl heran. Jens sah kurz auf.

Sebastian nahm sich die Morgenpost von der Fensterbank und blätterte darin. Parteienstreit im Hamburger Senat, Turbulenzen an der Börse, Premiere am Hans-Albers-Theater. "Das Londoner Erfolgsmusical Tainted Love kommt von der Themse an die Elbe". Tainted Love - das war doch damals der Hit des Pop-Duos Soft Cell, Sebastian erinnerte sich gut daran, Synthie-Pop, typisch achtziger Jahre. Die Stadt war vollgepflastert mit Werbung, es war immer dasselbe, wenn ein neues Musical an den Start ging. Der Innensenator behauptete, nach New York und London sei Hamburg inzwischen der drittgrößte Musicalstandort der Welt, und die Hansestadt würde finanziell außerordentlich vom Musicaltourismus profitieren.

Sebastian trank

Langtext

Sebastian Finks zweiter Fall führt ins Showbiz. Wo man im Licht der Scheinwerfer tanzt und in ihrem Schatten stirbt.

Beschreibung für Leser

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Biografische Anmerkung zu den Verfassern

Friedrich Dönhoff, geb. 1967 in Hamburg, ist in Kenia aufgewachsen. Nach seinem Studium der Geschichte und Politik und der Ausbildung zum Drehbuchautor hat er sich als Verfasser von Biographien einen Namen gemacht. Friedrich Dönhoff lebt in Hamburg.

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