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Cover Ripley Under Ground

Ripley Under Ground

von Patricia Highsmith; Übersetzt von: Melanie Walz

Erschienen 2013 bei Diogenes
Sprache: Deutsch
448 Seiten
ISBN 978-3-257-60097-1

Kurztext / Annotation

Der einzige Mensch, den er geliebt hat und der seinen Aufstieg hätte verhindern können, liegt bei San Remo auf dem Meeresgrund: Tom Ripley hat sich zum souveränen Verbrecher gemausert, der seinen Untaten das Flair französischer Lebensart zu verleihen weiß. Mit seiner Frau Héloise lebt er ein sorgenfreies Luxusleben bei Paris und handelt nebenbei mit berühmten Gemälden - nicht nur aus Liebhaberei. Als ein Kunstsammler die Gemälde als Fälschungen entlarvt, beginnt Ripley ein vampirisches Spiel mit anderen Existenzen, um seine schöne Welt - und seinen Kopf - zu retten.

Patricia Highsmith, geboren 1921 in Fort Worth/Texas, wuchs in Texas und New York auf und studierte Literatur und Zoologie. Erste Kurzgeschichten schrieb sie an der Highschool, den ersten Lebensunterhalt verdiente sie als Comictexterin, und den ersten Welterfolg erlangte sie 1950 mit ihrem Romanerstling Zwei Fremde im Zug

Textauszug

[9] 1

Tom war im Garten, als das Telefon klingelte. Er ließ die Haushälterin, Madame Annette, an den Apparat gehen und kratzte weiter das feuchte Moos von den Steinstufen. Es war ein nasser Oktober.

"Monsieur Tomme!" rief Madame Annettes heller Sopran. "Ein Anruf aus London!"

"Ich komme", rief Tom. Er warf den Spachtel hin und ging ins Haus.

Das Telefon befand sich im Wohnzimmer. Tom setzte sich nicht auf das Sofa, um den gelben Satinbezug nicht mit seiner Gartenjeans zu beschmutzen.

"Hallo, Tom. Hier spricht Jeff Constant. Hast du -" Knattern in der Leitung.

"Kannst du bitte lauter sprechen? Die Verbindung ist schlecht."

"Jetzt besser? Ich höre dich gut."

In London konnten sie einen immer gut hören. "Ein bißchen."

"Hast du meinen Brief bekommen?"

"Nein", sagte Tom.

"Oh. Wir haben Ärger. Ich wollte dich warnen. Es gibt -" Knistern, Summen, dumpfes Klicken, und die Verbindung war unterbrochen.

[10] "Mist", sagte Tom gelassen. Ihn warnen? Gab es Ärger in der Galerie? Mit Derwatt Ltd.? Ausgerechnet ihn warnen? Tom war nur eine Randfigur. Gewiß, er hatte sich Derwatt Ltd. ausgedacht und bezog ein bescheidenes Einkommen aus der Firma, aber - Tom warf einen Blick auf das Telefon und wartete darauf, daß es wieder klingelte. Oder sollte er Jeff anrufen? Nein; er wußte nicht, ob Jeff ihn von seinem Atelier oder von der Galerie aus angerufen hatte. Jeff Constant war Fotograf.

Tom ging zu der Fenstertür, die in den Garten führte. Er wollte sich wieder über das Moos hermachen. Gartenarbeit in moderatem Ausmaß gefiel ihm, und er verbrachte jeden Tag etwa eine Stunde mit Rasenmähen, Zusammenrechen von Laub und Zweigen und Unkrautjäten. Es war gut für die Kondition, und außerdem konnte man tagträumen. Kaum war er wieder mit dem Moos beschäftigt, klingelte das Telefon.

Madame Annette kam mit einem Staubwedel in der Hand in das Wohnzimmer. Sie war klein und kompakt, um die Sechzig und munteren Gemüts. Sie konnte kein Wort Englisch und war außerstande, auch nur "Good morning" sagen zu lernen, und das war Tom gerade recht.

"Ich gehe hin, Madame", sagte Tom und nahm ab.

"Hallo!" rief Jeff. "Hör mal, Tom, kannst du nicht herkommen? Ich meine nach London, weil -"

"Wie?" Die Verbindung war wieder schlecht, aber besser als vorhin.

"Ich meine - ich habe es in meinem Brief erklärt. Ich kann jetzt nicht sprechen. Aber es ist wichtig, Tom."

"Hat irgend jemand einen Fehler gemacht? Bernard?"

[11] "In gewisser Hinsicht. Es kommt jemand aus New York, wahrscheinlich morgen."

"Wer ist das?"

"Steht in meinem Brief. Die Derwatt-Ausstellung wird am Dienstag eröffnet. Bis dahin halte ich ihn hin. Ed und ich verschwinden einfach von der Bildfläche." Jeff klang ziemlich besorgt. "Kannst du kommen, Tom?"

"Ja, ja." Tom hatte keine Lust, nach London zu reisen.

"Laß Héloïse nichts davon wissen. Ich meine, daß du nach London fährst."

"Héloïse ist in Griechenland."

"Oh, prima." Die erste hörbare Erleichterung.

Jeffs Brief kam nachmittags um fünf Uhr an, per Eilpost und eingeschrieben.

104, Charles Place
London NW 8

Lieber Tom,

die neue Derwatt-Ausstellung wird am Dienstag, den 15., eröffnet. Es ist die erste seit zwei Jahren. Bernard hat neunzehn neue Bilder, andere kommen als Leihgaben dazu.

Und jetzt die schlechte Nachricht: Es gibt einen amerikanischen Sammler namens Thomas Murchison - Sammler, nicht Händler -, im Ruhestand und stinkreich. Er hat vor drei Jahren einen Derwatt bei uns gekauft. Den hat er mit einem Derwatt aus einer früheren Periode verglichen, den er in den Staaten gesehen hat, und jetzt behauptet er, seiner wäre nicht echt. Was natürlich zutrifft

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