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Cover Der Schrei der Eule

Der Schrei der Eule

von Patricia Highsmith; Übersetzt von: Irene Rumler

Erschienen 2013 bei Diogenes
Sprache: Deutsch
432 Seiten
ISBN 978-3-257-60098-8

Kurztext / Annotation

Ein Mann beobachtet nach Büroschluß ein junges Mädchen beim Kochen. Er stellt sich ins schützende Dunkel und schaut. Indem er ein einziges Mal zu nah ans Haus herantritt, wird er entdeckt und in dieses scheinbar idyllische Leben, das er nur aus der Entfernung sehen wollte, unentrinnbar hineingesogen. Ein Roman über die Unmöglichkeit der Liebe, vermeintliche und echte Verrücktheit und die Unvermeidbarkeit des Bösen.

Patricia Highsmith, geboren 1921 in Fort Worth/Texas, wuchs in Texas und New York auf und studierte Literatur und Zoologie. Erste Kurzgeschichten schrieb sie an der Highschool, den ersten Lebensunterhalt verdiente sie als Comictexterin, und den ersten Welterfolg erlangte sie 1950 mit ihrem Romanerstling Zwei Fremde im Zug

Textauszug

[9] 1

Robert arbeitete nach Dienstschluß um fünf noch fast eine Stunde. Es gab für ihn keinen Grund, nach Hause zu eilen, und wenn er noch an seinem Zeichentisch sitzen blieb, ersparte er sich das Autogewühl auf dem Parkplatz zwischen fünf und halb sechs, wenn sich die Angestellten von Langley Aeronautics auf den Heimweg machten. Jack Nielson arbeitete auch länger, wie Robert feststellte, und ebenso der alte Benson, der ohnehin meistens der letzte war. Robert schaltete seine Neonlampe aus.

"Warte auf mich", sagte Jack. Seine Stimme hallte dumpf durch das leere Zeichenbüro.

Robert holte seinen Mantel aus dem Spind.

Sie verabschiedeten sich von Benson und gingen durch die längliche, verglaste Empfangshalle zu den Aufzügen.

"Na, jetzt hast du ja deine Astronautenschuhe", sagte Robert.

"Hmm." Jack blickte auf seine großen Füße hinunter.

"Beim Lunch hattest du sie aber nicht an, oder?"

"Nein, sie waren im Spind. Man soll sie anfangs nur ein paar Stunden am Tag tragen."

Sie betraten den Lift.

"Sehen gut aus", meinte Robert.

Jack lachte. "Scheußlich sehen sie aus, aber dafür sind [10] sie unheimlich bequem. Übrigens, ich wollte dich noch was fragen. Kannst du mir bis zum Ersten zehn Dollar borgen? Heute ist zufällig..."

"Aber klar." Robert zog seine Brieftasche heraus.

"Heute ist unser Hochzeitstag. Betty und ich gehen essen, aber komm doch vorher noch auf einen Drink vorbei. Wir machen eine Flasche Schampus auf."

Robert gab ihm das Geld. "Euer Hochzeitstag... den solltet ihr lieber alleine feiern."

"Ach, komm schon. Nur auf ein Glas Sekt. Ich habe Betty versprochen, dich zu überreden, daß du auf einen Sprung mitkommst."

"Nein, danke, Jack. Bist du sicher, daß du nicht mehr brauchst, wenn ihr ausgehen wollt?"

"Ganz sicher. Ich brauch das nur für die Blumen. Sechs Dollar würden auch reichen, aber zehn kann man sich besser merken. Ich hab dich auch nur angepumpt, weil heute die letzte Rate für die Schuhe fällig ist. Fünfundsiebzig Dollar! Dafür dürfen sie wirklich bequem sein. Jetzt komm schon, Bob."

Sie standen auf dem Parkplatz. Robert wollte nicht mitkommen, aber es fiel ihm keine gute Ausrede ein. Er betrachtete Jacks längliches, im Grunde häßliches Gesicht unter dem kurzgeschorenen schwarzen Haar, das allmählich grau wurde. "Der wievielte Hochzeitstag ist es denn?"

"Der neunte."

Robert schüttelte den Kopf. "Ich fahr nach Hause, Jack. Grüß Betty schön von mir, ja?"

"Was hat denn der neunte damit zu tun?" rief Jack ihm nach.

[11] "Nichts! Wir sehen uns morgen!"

Robert stieg in seinen Wagen und fuhr vor Jack los. Jack und Betty hatten ein bescheidenes, unauffälliges Häuschen in Langley und waren ständig in Geldnöten, weil Jacks Mutter und Bettys Vater andauernd krank wurden. Kaum hatten sie ein bißchen Geld für einen Urlaub oder eine Schönheitsreparatur am Haus beisammen, konnte man sich laut Jack darauf verlassen, daß es für einen der beiden draufging. Aber Betty und Jack hatten ein fünfjähriges Töchterchen und waren glücklich.

Die Dunkelheit brach so rasch herein, daß man fast zusehen konnte. Sie wälzte sich heran wie eine schwarze See. Als Robert an den Motels und Hamburger-Buden am Stadtrand von Langley vorbeikam, merkte er, daß ihm davor graute, in die Stadt hinein und nach Hause zu fahren. An einer Tankstelle wendete er und fuhr den Weg zurück, den er gekommen war. Es liegt nur an der Dämmerung, dachte er. Er mochte sie nicht einmal im Sommer, wenn sie langsamer hereinbrach und erträglicher war. Im Winter, hier in dieser kahlen Landschaft Pennsylvanias, die er nicht gewohnt war, überfiel sie einen so plötzlich, daß einem angst werden konnte. Wie ein unerwarteter Tod. Am Wochenende, wenn er nicht arbeitete, zog er um vier Uhr nachmittags die Rollos herunter und machte das Licht an, und wen

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