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Cover Liebesbeweise

Liebesbeweise

von Barbara Vine; Übersetzt von: Renate Orth-Guttmann

Erschienen 2013 bei Diogenes
Sprache: Deutsch
416 Seiten
ISBN 978-3-257-60114-5

Kurztext / Annotation

November in der Londoner U-Bahn. Die Bahnsteigkante lockt, wäre da nicht Sandor. In letzter Sekunde reißt er Klein-Joe zurück. "Wer bist du?", fragt er. "Ich habe dir das Leben gerettet, deshalb gehört dein Leben jetzt mir." Und schon gerät Klein-Joe in neue Nöte, denn auch Sandor hat eine Vergangenheit. Eine Geschichte um Entführung und Begehren bis hin zur Hörigkeit.

Barbara Vine (alias Ruth Rendell), geboren 1930, lebte in London. Ihre Bücher erhielten zahlreiche Auszeichnungen. 1996 erhielt sie von der Queen den Ehrentitel Commander of the British Empire und 1997 schließlich den Grand Master Award der Mystery Writers of America für das Gesamtwerk. Sie wurde auf Vorschlag von Tony Blair geadelt und ins House of Lords berufen. Barbara Vine starb 2015 in London.

Textauszug

[7] 1

Wenn man in Rom ist (sagte Sandor), muß man über die Via Condotti gehen, Geschäfte anschauen. Denn da ist das Geld, und die Fenster sind voll von schönen Dingen.

"Was heißt das?" fragte ich. "Was ist das, die Via Condotti?"

"Kidnap-Straße."

"Im Ernst?" fragte ich. "Heißt die wirklich so?"

Er lachte nur, wie es seine Art ist. Dann erzählte er die Geschichte weiter, die erste Geschichte, die er mir je erzählt hat. Wenn du ein Geschäft in der Via Condotti hast, sagte er, hast du es geschafft, dann bist du reich, ein Schaufenster in der schicksten Einkaufsstraße Roms ist ein sicheres Zeichen von Wohlstand.

Dort gibt es den Juwelier Bulgari. Ein Mitglied der Familie Bulgari wurde 1975 entführt und gegen Zahlung eines Lösegeldes von 650 000 Pfund freigelassen. Das heißt, das Lösegeld war in italienischem Geld, sagte Sandor, aber soviel war es in Pfund. Acht Jahre später wurden noch mal zwei Mitglieder der Familie entführt, die kamen für eindreiviertel Millionen Pfund frei. Wenn man auf dieser Straße weitergeht, kommt man zu Piatelli, Herrenbekleidung. Barbara Piatelli wurde entführt, fast ein Jahr lang festgehalten und für 500 000 Pfund auf freien Fuß gesetzt.

Gegenüber ist Fürst Piraneso, der Parfümeur. Ob ich [8] schon mal von den Parfüms gehört hätte, die so heißen, fragte Sandor. Nein, sagte ich, von so Sachen hatte ich noch nie gehört, natürlich nicht, und benutzt hatte ich sie schon gar nicht.

"Haben sie den auch entführt?" fragte ich.

"Ihn nicht. Seine Frau."

"Und wie war das mit ihr?"

Ganz träumerisch, als wäre er mit seinen Gedanken weit weg, sagte er: "Das war gegen Ende der Kidnapping-Ära. Erst vor fünf Jahren. Das Goldene Zeitalter des Menschenraubs war vorbei, sogar in Italien."

Ich sah ihn erwartungsvoll an. Eigentlich war es gar keine richtige Geschichte. Mehr ein Bericht, eine Darstellung. Nicht wie die Geschichten von der Señora Santa Anna oder von Lichnikoff, die einen Anfang und ein Ende hatten. Aber da wußte ich schon, daß man Sandor nicht drängen darf. Daß er erzählt, wie und wann es ihm paßt. Daß man es ihm überlassen muß, ob er über etwas reden oder ob er es nie mehr zur Sprache bringen will. Er zündete sich eine Zigarette an und lehnte sich mit halb geschlossenen Augen zurück. Ich sah ihn an. Drei oder vier Tage war meine Liebe jetzt alt, ich spürte, wie sie sich in mir regte, und wie ich ihn so ansah, stieg sie immer höher, wurde immer stärker, als ob sie mit einem Schrei aus meinem Mund herausfahren wollte. Ich legte die Hand über die Lippen und saß da und sah ihn an.

Am nächsten Tag gingen wir zusammen weg. Es war wohl das erste Mal, daß Sandor mich herumführte; er zeigte mir die Stadt, in der ich geboren bin und die ich doch nie richtig gesehen habe. Wir fuhren U-Bahn; ich [9] sollte mich wieder daran gewöhnen, und ich merkte, wie er mich beobachtete, weil er wissen wollte, ob alles in Ordnung war. Oxford Street, im Wind treibender Schnee, der auf den warmen Gehsteigen schmolz.

"Wohl kaum eine Via Condotti", sagte er.

Ich wußte nicht, wie er das meinte. Menschen und Geschäfte gab es genug. Vielleicht meinte er das Geld. Die Kauflust war schon da, das spürte man, aber es haperte am Geld. Wir gingen in ein großes Warenhaus. Schon von weitem roch man die Abteilung, wo es die Parfüms gibt, die Puder und Cremes und solche Sachen. So stelle ich mir das in exotischen Ländern vor, wenn man zu einem tropischen Garten kommt und ihn noch nicht sehen kann. Sandor führte mich zu einem Tresen, wo alles, was es zu kaufen gab, Fürst Piraneso hieß. Die Sachen für die Frauen waren auf der einen Seite und die für die Männer auf der anderen. Ein Mädchen mit einem Kristallglasflakon in der Hand sprühte mich mit Parfüm an und Sandor auch, und ich staunte nicht schlecht, weil das Sandor offenbar gar nichts au

Beschreibung für Leser

Unterstützte Lesegerätegruppen: PC/MAC/eReader/Tablet

Biografische Anmerkung zu den Verfassern

Barbara Vine (alias Ruth Rendell), geboren 1930, lebt in London. Ihre Bücher erhielten zahlreiche literarische Auszeichnungen. Mit 'König Salomons Teppich' wurde zum vierten Mal - eine Rekordzahl - ein Werk von ihr mit dem Gold Dagger Award der Crime Writers' Association ausgezeichnet, 1996 erhielt sie von der Queen den Ehrentitel Commander of the British Empire und 1997 schließlich den Grand Master Award der Mystery Writers of America für das Gesamtwerk und wurde auf Vorschlag von Tony Blair geadelt und ins britische Oberhaus berufen.
Die britische Bestseller-Autorin starb 85-Jährig am 2. Mai 2015.

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