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Cover Schwefelhochzeit

Schwefelhochzeit

von Barbara Vine; Übersetzt von: Renate Orth-Guttmann

Erschienen 2012 bei Diogenes
Sprache: Deutsch
448 Seiten
ISBN 978-3-257-60115-2

Kurztext / Annotation

Die alte Dame Stella vererbt ihrer jungen Pflegerin Jenny ein leeres Haus im Moor und ein dunkles Geheimnis. Doch auch Jenny verbirgt etwas, das keiner wissen darf. Abgründig spannend und zutiefst beunruhigend zeichnet Barbara Vine das Doppelporträt zweier faszinierender, höchst unterschiedlicher Frauen, für die das Paradies der Erinnerung auch eine Hölle ist.

Barbara Vine (alias Ruth Rendell), geboren 1930, lebte in London. Ihre Bücher erhielten zahlreiche Auszeichnungen, u.a. einen Silver Dagger, drei Gold Dagger und 1991 den Cartier Diamond Dagger für ihr Lebenswerk. 1996 erhielt sie von der Queen den Ehrentitel Commander of the British Empire und 1997 schließlich den Grand Master Award der Mystery Writers of America für das Gesamtwerk. Sie wurde auf Vorschlag von Tony Blair geadelt und ins House of Lords berufen. Barbara Vine starb am 2.5.2015 in London.

Textauszug

[5] ERSTER TEIL

1

"Die Kleider der Toten halten nicht lang. Sie trauern dem nach, der sie getragen hat." Stella lachte, als ich das sagte. Sie legte den Kopf nach hinten und ließ dieses erstaunlich mädchenhafte Lachen hören. Ich hatte ihr erzählt, daß in der Nacht Edith Webster gestorben war und volle Kleiderschränke hinterlassen hatte, und sie lachte und sagte, etwas so Abergläubisches wie ich wäre ihr noch nie vorgekommen.

"Ihre Enkelin ist jetzt hier", sagte ich, "und verteilt das Zeugs an alle, die was haben wollen. Man sagt ja auch: Wie der Leib zerfällt, so zerfallen die Kleider."

"Und wer ist 'man', Genevieve?"

Ich antwortete nicht, weil ich wußte, daß sie nur Spaß gemacht hatte. Aber ich hab es gern, wenn sie Genevieve zu mir sagt, denn seit ich auf der Welt bin, nennen mich zwar alle nur Jenny, aber getauft bin ich auf Genevieve. Mein Vater hat mich nach einem Oldtimer in einem Film genannt, das muß man sich mal vorstellen, und den meisten Leuten ist das ein bißchen peinlich, aber so, wie Stella den Namen sagt, klingt er richtig hübsch. Dazu kommt natürlich, daß sie eine hübsche Stimme hat, ja eine schöne Stimme, auch wenn sie über das Alter hinaus ist, wo von Hübschsein die Rede sein kann.

[6] Ich erzählte noch ein bißchen von Edith, Sharon hatte sie um sieben gefunden, als sie mit dem Tee zu ihr kam, und eine Stunde später war die Enkelin schon da, so eilig hat sie's mit dem Herkommen zu Lebzeiten ihrer Großmutter nie gehabt. Ich bin nicht besonders taktlos oder unsensibel und hätte sofort aufgehört, wenn ich das Gefühl gehabt hätte, der Tod einer anderen alten Dame könnte Stella zu sehr an die Nieren gehen. Aber was ich erzählte, interessierte sie echt, vielleicht weil sie meint, im Vergleich mit Edith noch richtig jung zu sein - die war nämlich vierundneunzig -, und weil sie denkt, daß sie noch viel Zeit vor sich hat, daß sie zu den Leuten gehört, die jahrelang mit ihrem Krebs leben können.

Sie ist jetzt seit einem halben Jahr in Middleton Hall. Theoretisch sind wir Pflegerinnen für alle Heimbewohner zuständig, aber jede von uns hat drei spezielle Pfleglinge, in meinem Fall waren das Stella und Arthur und Edith. Jetzt, wo Edith tot ist, werde ich wohl jemand anders bekommen, hoffentlich nicht jemanden, der allzuviel Pflege braucht. Nicht, daß ich die Arbeit scheue, ich bin während meiner Achtstundenschicht fast die ganze Zeit auf den Beinen - zu Pds. 3,50 die Stunde, was ja nicht gerade üppig ist -, und Arthur klingelt andauernd nach mir, nein, es ist einfach so, daß es schade wär, wenn ich weniger Zeit für Stella hätte. Ich hab sie nämlich wirklich gern, und das kann ich von Arthur oder Maud Vernon und den anderen so nicht sagen. Sie tun mir leid, ich versuche es ihnen so nett wie möglich zu machen, aber gern haben kann man die nicht mehr. Es ist, als wenn sie in eine Dämmerwelt abgetaucht wären, wo sie alles vergessen haben. Meist wissen sie gar nicht, wo sie sind, [7] und reden dich mit den Namen von irgendwelchen Angehörigen an, bis du ihnen sagst, daß du Jenny bist. Stella ist da anders, Stella ist noch voll da. Neulich hat sie zu mir gesagt: "Ich sehe in Ihnen nicht die Schwester, Genevieve, sondern die Freundin."

Darüber habe ich mich gefreut, wahrscheinlich weil sie das ist, was Granny eine Lady nennen würde, oder doch jedenfalls jemand aus einer anderen Schicht, aber gesagt habe ich nur, daß es ganz richtig ist, mich nicht als Schwester zu sehen, weil ich nur Altenpflegerin bin. Ich hab die Erfahrung, aber nicht die nötigen Prüfungen.

Sie lächelte. Sie hat ein nettes Lächeln, alles noch eigene, ganz weiße Zähne. "Sie wissen ja, daß ich Ihretwegen hergekommen bin."

Das sagt sie immer. Es ist natürlich Unfug, es ist gar nicht wahr, aber sie hat ihren Spaß daran. Ihr Sohn hat mit ihr eine Reihe von Altersheimen in Suffolk und Norfolk abgeklapper

Langtext

Die alte Dame Stella vererbt ihrer jungen Pflegerin Jenny ein leeres Haus im Moor und ein dunkles Geheimnis. Doch auch Jenny verbirgt etwas, das keiner wissen darf. Abgründig spannend und zutiefst beunruhigend zeichnet Barbara Vine das Doppelporträt zweier faszinierender, höchst unterschiedlicher Frauen, für die das Paradies der Erinnerung auch eine Hölle ist.

Beschreibung für Leser

Unterstützte Lesegerätegruppen: PC/MAC/eReader/Tablet

Biografische Anmerkung zu den Verfassern

Barbara Vine (alias Ruth Rendell), geboren 1930, lebt in London. Ihre Bücher erhielten zahlreiche literarische Auszeichnungen. Mit 'König Salomons Teppich' wurde zum vierten Mal - eine Rekordzahl - ein Werk von ihr mit dem Gold Dagger Award der Crime Writers' Association ausgezeichnet, 1996 erhielt sie von der Queen den Ehrentitel Commander of the British Empire und 1997 schließlich den Grand Master Award der Mystery Writers of America für das Gesamtwerk und wurde auf Vorschlag von Tony Blair geadelt und ins britische Oberhaus berufen.
Die britische Bestseller-Autorin starb 85-Jährig am 2. Mai 2015.

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