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Cover Astas Tagebuch

Astas Tagebuch

von Barbara Vine; Übersetzt von: Renate Orth-Guttmann

Erschienen 2013 bei Diogenes
Sprache: Deutsch
560 Seiten
ISBN 978-3-257-60118-3

Kurztext / Annotation

Einsam im fremden England, vertraut Asta, eine junge Dänin, ihre Freuden und Nöte einem Tagebuch an: Probleme mit dem Mann, ihre Bemühungen um Eigenständigkeit in der anderen Umgebung, das Nahen des Ersten Weltkrieges... Kein leichtes Schicksal, wäre nicht Swanny, ihre Lieblingstochter. Doch ob Swanny überhaupt Astas Tochter ist? Und könnte es Verbindungen geben zu dem skandalösen Mordprozeß im Fall Roper?

Barbara Vine (alias Ruth Rendell), geboren 1930, lebte in London. Ihre Bücher erhielten zahlreiche Auszeichnungen, u.a. einen Silver Dagger, drei Gold Dagger und 1991 den Cartier Diamond Dagger für ihr Lebenswerk. 1996 erhielt sie von der Queen den Ehrentitel Commander of the British Empire und 1997 schließlich den Grand Master Award der Mystery Writers of America für das Gesamtwerk. Sie wurde auf Vorschlag von Tony Blair geadelt und ins House of Lords berufen. Barbara Vine starb am 2.5.2015 in London.

Textauszug

[38] 2

Für Skandinavier ist die Frage, wie man die Großeltern nennt, ein für allemal gelöst. Die Entscheidung, welche Großmutter mit Großmama und welche mit Oma anzureden ist, welcher Großvater der Großpapa und welcher der Opa sein soll, entfällt für sie ebenso wie die unbeholfene Formulierung "Opa Smith" oder "Opa Jones". Die Mutter der Mutter ist schlicht und einfach Mormor, der Vater der Mutter Morfar, auf der väterlichen Seite sind die entsprechenden Benennungen Farmor und Farfar. Von Anfang an sprach ich von der Mutter meiner Mutter stets als Mormor, weil meine Mormor ihre Großmutter immer so genannt hatte. Zweifel kamen mir erst, nachdem ich zur Schule gekommen war und die anderen Kinder sich darüber lustig machten.

Später sprach ich dann meist von "meiner Großmutter" und im Zusammenhang mit Padanaram von "meinem Großvater". Die früheren Bezeichnungen blieben dem Familiengebrauch und im Fall von Mormor der direkten Anrede Vorbehalten. In diesem Buch werde ich sie manchmal Mormor und Morfar nennen, öfter allerdings ihre Vornamen, Asta und Rasmus, verwenden, denn dies ist nur zu einem kleinen Teil meine Geschichte. Ich bin nur Beobachterin, Schriftführerin, Zeitzeugin. Mormor und Morfar kommen hier nicht als meine Großeltern vor, sondern als sie selbst, die Einwanderer Asta und Rasmus [39] Westerby, die in wenig glücklicher Zeit aus Dänemark in ein insulares, fremdenfeindliches Land kamen, der Puppenhausbauer und seine Frau, die Tagebuchschreiberin und ihr Mann.

Dennoch ist es auch nicht ihre Geschichte, wenngleich sie wichtige Rollen darin spielen, ebensowenig die Geschichte meiner Mutter, für die das Puppenhaus gebaut wurde, oder die von Jack und Ken, die als Mogens und Knud zur Welt kamen, oder die der Nachkommen von Hansine Fink. Es ist die Geschichte von Swanny, der ältesten Tochter der Großeltern, Swanhild Asta Vibeke Kjær, geborene Westerby (oder auch nicht).

In unserer Gesellschaft der fast schon ausgestorbenen Großfamilien sieht man seine Vettern nur bei Beerdigungen, wo man sie meist nicht erkennt. So ging es mir 1988, als wir Tante Swanny zu Grabe trugen. Wer der Mann war, der sich in der Kirche neben mich setzte, wußte ich nur, weil er zielstrebig die erste Bank ansteuerte, was nur den Neffen der Verstorbenen zustand. Demnach mußte dies John Westerby sein. Oder sein Bruder Charles?

Ich hatte beide zum letztenmal bei der Beerdigung meiner Mutter vor zwanzig Jahren gesehen, und auch da nur kurz. Dringender geschäftlicher Verpflichtungen wegen hatten sie gleich wieder abreisen müssen. Dieser Mann sah kleiner aus, als ich ihn in Erinnerung hatte. Und er sah meinem Großvater Rasmus Westerby, den ich wie die Dänen Morfar genannt hatte, sehr ähnlich. Im Flüsterton klärte er mich auf: "Da kommt John." Also war er Charles.

Mein zweiter Vetter - ich habe nur die beiden - war mit [40] der kompletten Familie angereist. Die Bank war gerade groß genug für uns alle, Charles, John, Johns Frau, Sohn, Tochter, Schwiegersohn und... ja, wahrscheinlich ein Enkelkind. Vorübergehend lenkte mich die Überlegung ab, wie dieser Sohn, diese Tochter heißen mochten, und ich war noch zu keinem Ergebnis gekommen, als ein Orgelvorspiel ertönte und sechs Mann langsam Swannys Sarg hereintrugen.

In der Kirche saßen an die hundert Leute. Sie sangen alle wacker mit, es war ein bekanntes Kirchenlied. Ich hatte mich nicht entscheiden können, weil meines Wissens Swanny keinen Lieblingschoral gehabt hatte, aber Mrs. Elkins wußte es besser. In jenen letzten schlimmen Monaten, als Swanny nicht "sie selbst" gewesen war, sondern "die andere", sei sie oft herumgegangen und habe 'Abide with me' gesummt. Das also sangen wir jetzt aus vollem Hals zu Orgelmusik vom Band, denn Organisten sind heutzutage Mangelware.

Ich verließ die Kirche als erste. Für diese Dinge gibt es ein festes Protokoll, und Johns Sohn, der o

Beschreibung für Leser

Unterstützte Lesegerätegruppen: PC/MAC/eReader/Tablet

Biografische Anmerkung zu den Verfassern

Barbara Vine (alias Ruth Rendell), geboren 1930, lebt in London. Ihre Bücher erhielten zahlreiche literarische Auszeichnungen. Mit 'König Salomons Teppich' wurde zum vierten Mal - eine Rekordzahl - ein Werk von ihr mit dem Gold Dagger Award der Crime Writers' Association ausgezeichnet, 1996 erhielt sie von der Queen den Ehrentitel Commander of the British Empire und 1997 schließlich den Grand Master Award der Mystery Writers of America für das Gesamtwerk und wurde auf Vorschlag von Tony Blair geadelt und ins britische Oberhaus berufen.
Die britische Bestseller-Autorin starb 85-Jährig am 2. Mai 2015.

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