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Cover Aus der Welt

Aus der Welt

von Barbara Vine; Übersetzt von: Renate Orth-Guttmann

Erschienen 2012 bei Diogenes
Sprache: Deutsch
464 Seiten
ISBN 978-3-257-60119-0

Kurztext / Annotation

Kerstin Kvist, eine junge schwedische Krankenschwester, kommt nach Lydstep Old Hall zur Pflege des kranken John Cosway. Doch nicht nur der erwachsene Sohn des Hauses verhält sich auffällig, auch der Rest der Familie wirkt eigenartig. Aus dieser Welt gibt es kaum noch ein Entkommen.

Barbara Vine (alias Ruth Rendell), geboren 1930, lebte in London. Ihre Bücher erhielten zahlreiche Auszeichnungen, u.a. einen Silver Dagger, drei Gold Dagger und 1991 den Cartier Diamond Dagger für ihr Lebenswerk. 1996 erhielt sie von der Queen den Ehrentitel Commander of the British Empire und 1997 schließlich den Grand Master Award der Mystery Writers of America für das Gesamtwerk. Sie wurde auf Vorschlag von Tony Blair geadelt und ins House of Lords berufen. Barbara Vine starb am 2.5.2015 in London.

Textauszug

[13] 1

Ich bin Karikaturistin.

Frauen sind in dieser Branche rar, sie gilt immer noch als Männerdomäne, und wenn man keine Engländerin ist und nicht einmal auf einer Kunsthochschule war, ist man erst recht eine Seltenheit. Seit nahezu dreißig Jahren liefere ich jede Woche zwei Karikaturen für eine Wochenzeitschrift, habe Harold Wilson und Willi Brandt gezeichnet, Mao Zedong und Margaret Thatcher (Hunderte von Malen), John Major, Neil Kinnock, David Beckham und Tony Blair (an die sechzigmal). Man sagt mir nach, daß ich mit ein paar Strichen und Schnörkeln eine Ähnlichkeit so einfangen kann, daß der Betrachter weiß, wer gemeint ist, noch ehe er liest, was in der Sprechblase der Figur steht. Aber ich bin kein Wunderkind. Was ich über Kunst in der Schule gelernt habe, war nicht der Rede wert, und jahrelang habe ich nie etwas anderes gezeichnet als einen Ziehharmonikahund für meine kleinen Nichten und Neffen.

Das mit dem Ziehharmonikahund erkläre ich Ihnen jetzt mal, vielleicht wollen Sie ja irgendwann einen für Ihre Kinder machen. Sie nehmen ein Blatt Papier, einen längs halbierten Bogen A4 zum Beispiel, legen ihn noch einmal zur Hälfte zusammen und schlagen das gefaltete Stück so zurück, daß ein zwei Zentimeter breiter Streifen entsteht. [14] Dann falten Sie das Blatt wieder auseinander und zeichnen über die Kniffe einen Hund, am besten einen Dackel oder Basset, wichtig ist nämlich, daß zwischen Vorder- und Hinterbeinen ein langer Körper ist. Dann legen Sie das Blatt in den Knicken wieder zusammen. Jetzt ist ein Hund mit gedrungener Figur zu sehen, aber wenn das Kind das Blatt auseinanderzieht wie eine Ziehharmonika, verwandelt er sich in einen Dackel. Mit etwas Übung kann man natürlich auch eine Ziehharmonikagiraffe machen oder einen Truthahn, der sich in einen Vogel Strauß verwandelt. Kinder finden das herrlich, sind davon begeistert, und als Teenager und während des Studiums habe ich nie etwas anderes gezeichnet.

Ich wollte erst Krankenschwester und dann Englischlehrerin werden. Daß ich das Zeichnen zum Beruf machen könnte, wäre mir nie in den Sinn gekommen, von Ziehharmonikahunden kann man nicht leben. Ende der sechziger Jahre kam ich nach England, frisch von der Uni in Lund mit einem Abschluß in Englisch und einer Kurzausbildung in Krankenpflege. Ich hatte einen Job und eine Bleibe in Aussicht, aber eigentlich war ich nach England gekommen, um meine Beziehung zu Mark Douglas wiederaufleben zu lassen.

Wir hatten uns in Lund kennengelernt, aber nach seinem Abschluß mußte er nach Hause und redete mir in jedem Brief dringend zu, ich solle doch nachkommen. "Besorg dir einen Job in London", schrieb er, "besorg dir ein Zimmer, in London wohnen alle möbliert." Ich machte das Nächstbeste- ich besorgte mir einen Job in Essex, in der Nähe der Hauptstrecke von Liverpool Street Station nach Norwich. [15] Meine künftigen Arbeitgeber hießen Cosway, das Haus, in dem sie wohnten, hieß Lydstep Old Hall, und so etwas wie dieses Haus hatte ich in meinem ganzen Leben noch nicht gesehen.

Es war sehr groß, wirkte aber auf den ersten Blick nicht so sehr wie ein Haus, eher wie ein Busch oder ein riesiger Baum, dem man einen Formschnitt verpaßt hat. Als ich es zum erstenmal sah, im Juni, war es über und über, von den Grundmauern bis zur Dachtraufe, mit giftgrünem wildem Wein bewachsen. Man konnte gerade noch erkennen, daß der Bau rechteckig und das Dach fast flach war, aber ob es architektonische Besonderheiten wie Balkone, Geländer, Säulen oder Steinmetzarbeit gab, war unter der Masse von glänzendem Grün nicht auszumachen. Nur Fenster spähten aus dem Laubwerk hervor. Es war ziemlich böig, und weil die hunderttausend Blätter im Wind zitterten, sah es aus, als ob sich das Haus bewegte, sich zusammenzog, ausdehnte und wieder zur Ruhe kam.

"Da muß man sich ja vorkommen, als wenn man in 'nem Baum wohnt", sagte der Taxifahrer, als i

Beschreibung für Leser

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Biografische Anmerkung zu den Verfassern

Barbara Vine (alias Ruth Rendell), geboren 1930, lebt in London. Ihre Bücher erhielten zahlreiche literarische Auszeichnungen. Mit 'König Salomons Teppich' wurde zum vierten Mal - eine Rekordzahl - ein Werk von ihr mit dem Gold Dagger Award der Crime Writers' Association ausgezeichnet, 1996 erhielt sie von der Queen den Ehrentitel Commander of the British Empire und 1997 schließlich den Grand Master Award der Mystery Writers of America für das Gesamtwerk und wurde auf Vorschlag von Tony Blair geadelt und ins britische Oberhaus berufen.
Die britische Bestseller-Autorin starb 85-Jährig am 2. Mai 2015.

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