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Cover Die imaginäre Freundin

Die imaginäre Freundin

Vom Ringen und Schreiben

von John Irving; Übersetzt von: Irene Rumler

Erschienen 2012 bei Diogenes
Sprache: Deutsch
192 Seiten
ISBN 978-3-257-60128-2

Kurztext / Annotation

Von der Vorliebe für dicke Bücher und ihren verheerenden Folgen für den Schulbesuch, vom unwirtlichen Wien, von literarischen Wegbegleitern aller Art, von Irvings Frauen und Söhnen und immer wieder vom Ringen erzählt dieses amüsante, reich bebilderte Selbstportrait für alle Irving-Fans.

John Irving, geboren 1942 in Exeter, New Hampshire, lebt in Toronto. Seine bisher vierzehn Romane wurden alle Weltbestseller und in mehr als 35 Sprachen übersetzt, vier davon verfilmt. 1992 wurde Irving in die National Wrestling Hall of Fame in Stillwater, Oklahoma, aufgenommen, 2000 erhielt er einen Oscar für die beste Drehbuchadaption für die Verfilmung seines Romans Gottes Werk und Teufels Beitrag

Textauszug

[20] Die Halbpfund-Scheibe Toast

Während meiner Zeit an der Exeter Academy erlebten die Ringer unter Coach Seabrooke zwei entscheidende Veränderungen. Als erstes wurde die Ringerhalle aus dem Souterrain der alten Sporthalle in den oberen Bereich der Hallenbahn verlegt, die allgemein 'der Käfig' hieß. Der neue Raum mit seinen hohen Deckenbalken war extrem warm. Von der Laufbahn unter uns, die aus gestampfter Erde bestand, und von der Holzbahn, die um das obere Geschoß herumlief, kam das gleichmäßige Trampeln der Läufer. Doch sobald wir mit dem Mattentraining begannen, hörten wir die Läufer nicht mehr, da die Ringerhalle durch eine schwere Schiebetür von der Holzbahn abgetrennt wurde. Vor und nach dem Training stand diese Tür offen; solange wir trainierten, war sie geschlossen.

Die zweite Veränderung, die die Ringer betraf, waren die Matten. Ich habe auf Roßhaarmatten zu ringen angefangen, die mit einer hauchdünnen, elastischen Plastikschicht überzogen waren. Als vorbeugende Maßnahme gegen Mattenbrand war diese Plastikverkleidung einigermaßen wirkungsvoll, nur gab sie nach - wie ein Betttuch -, sobald man sich darauf bewegte. Die losen Falten führten zu Knöchelverletzungen; und aufpralldämpfende Eigenschaften besaßen diese alten Roßhaarmatten im Vergleich zu den [21] komfortablen neuen Matten, die rechtzeitig zur Einweihung der neuen Ringerhalle eintrafen, so gut wie gar nicht.

Die neuen Matten hatten eine weiche Oberfläche ohne Überzug. Wenn sie warm waren, konnte man aus Kniehöhe ein Ei darauf fallen lassen, ohne daß es zerbrach. (Wenn doch einmal ein Ei kaputt ging, behaupteten wir einfach, die Matte sei nicht warm genug gewesen.) Auf einem kalten Hallenboden veränderte sich die Beschaffenheit der Matte grundlegend. In späteren Zeiten hatte ich in meiner ungeheizten Scheune in Vermont eine Ringermatte, die im Winter beinhart war.

Die meisten unserer Freundschaftskämpfe wurden in der sogenannten 'Grube' ausgetragen und nicht in der Ringerhalle, in der wir trainierten. Von der Holzbahn, die an einer Stelle eine über die Grube reichende Ausbuchtung hatte, zweigte außerdem eine L-förmige, hölzerne Galerie ab. Von dort oben konnten insgesamt zwei- bis dreihundert Zuschauer auf ein nicht ganz der Normgröße entsprechendes Basketballfeld hinunterblicken, auf dem wir unsere Matten ausgerollt hatten. Daneben blieb kaum ausreichend Platz für ein rundes Dutzend Zuschauerstühle, so daß sich die meisten Fans über unseren Köpfen befanden, auf der Holzbahn und der Galerie. Es war, als würde man auf dem Boden einer Teetasse ringen, während die Zuschauer über den Tassenrand spähten.

Dieser Raum, in dem unsere Wettkämpfe stattfanden, wurde zu Recht 'die Grube' genannt. Der Erdgeruch der angrenzenden Laufbahn rief seltsamerweise Erinnerungen an den Sommer wach, obwohl Ringen ein Wintersport ist. Da die Tür nach draußen ständig auf und zu ging, war es in [22] der Grube nie warm, und die Matten, die in der Ringerhalle so warm und weich waren, fühlten sich bei den Wettkämpfen kalt und hart an. Und wenn unsere Freundschaftskämpfe zeitlich mit Wettkämpfen der Läufer im Käfig zusammenfielen, hallte der Knall der Startpistole in der Grube wider. Ich habe mich oft gefragt, was die Ringer, die bei uns zu Gast waren, von den Schüssen halten mochten.

Mein erster Kampf in der Grube war eine lehrreiche Erfahrung. An halbwegs niveauvollen Mannschaftswettkämpfen der Prep-Schools und High-Schools nehmen nur selten Leute teil, die erst ein oder zwei Jahre ringen. In den fünfziger Jahren gehörte Ringen - im Gegensatz zu Baseball, Basketball, Hockey oder Skifahren - nicht zu den Sportarten, mit denen jedes Kind in New Hampshire selbstverständlich aufwuchs. Bei jedem Sport muß man bestimmte unlogische Dinge lernen; speziell Ringen fällt einem nicht auf Anhieb leicht. Denn ein Doppelbeingriff mit folgendem Niederwurf ist eben nicht dasselbe wie

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