Wir verwenden Cookies, um Ihnen die bestmögliche Nutzererfahrung auf unserer Website zu bieten und erlauben das Setzen von Drittanbieter-Cookies. Durch die Nutzung unserer Website stimmen Sie zu, dass Cookies auf Ihrem Gerät gespeichert werden. Weitere Informationen zu den verwendeten Cookies und zu ihrer Deaktivierung finden Sie hier.
Cover Der Verdacht

Der Verdacht

Erschienen 2013 bei Diogenes
Sprache: Deutsch
128 Seiten
ISBN 978-3-257-60131-2

Kurztext / Annotation

Kommissär Bärlach liegt im Krankenhaus. Todkrank liest er in der Zeitschrift Life Der Richter und sein Henker Der Verdacht Die Panne Das Versprechen Der Besuch der alten Dame Die Physiker Stoffen

Textauszug

[5] ERSTER TEIL

Der Verdacht

Bärlach war anfangs November 1948 ins Salem eingeliefert worden, in jenes Spital, von dem aus man die Altstadt Berns mit dem Rathaus sieht. Eine Herzattacke schob den dringend gewordenen Eingriff zwei Wochen hinaus. Als die schwierige Operation unternommen wurde, verlief sie glücklich, doch ergab der Befund jene hoffnungslose Krankheit, die man vermutete. Es stand schlimm um den Kommissär. Zweimal schon hatte sein Chef, der Untersuchungsrichter Lutz, sich mit dessen Tod abgefunden, und zweimal durfte er neue Hoffnung schöpfen, als endlich kurz vor Weihnachten die Besserung eintrat. Über die Feiertage schlief zwar der Alte noch, aber am siebenundzwanzigsten, an einem Montag, war er munter und schaute sich alte Nummern der amerikanischen Zeitschrift 'Life' aus dem Jahre fünfundvierzig an.

"Es waren Tiere, Samuel", sagte er, als Dr. Hungertobel in das abendliche Zimmer trat, seine Visite zu machen, "es waren Tiere", und reichte ihm die Zeitschrift. "Du bist Arzt und kannst es dir vorstellen. Sieh dir dieses Bild aus dem Konzentrationslager Stutthof an! Der Lagerarzt Nehle führt an einem Häftling eine Bauchoperation ohne Narkose durch und ist dabei photographiert worden."

Das hätten die Nazis manchmal getan, sagte der Arzt und sah sich das Bild an, erbleichte jedoch, wie er die Zeitschrift schon weglegen wollte.

"Was hast du denn?" fragte der Kranke verwundert.

Hungertobel antwortete nicht sofort. Er legte die aufgeschlagene Zeitschrift auf Bärlachs Bett, griff in die rechte [6] obere Tasche seines weißen Kittels und zog eine Hornbrille hervor, die er - wie der Kommissär bemerkte - sich etwas zitternd aufsetzte; dann besah er sich das Bild zum zweiten Mal.

"Warum ist er denn so nervös?" dachte Bärlach.

"Unsinn", sagte endlich Hungertobel ärgerlich und legte die Zeitschrift auf den Tisch zu den andern. "Komm, gib mir deine Hand. Wir wollen nach dem Puls sehen."

Es war eine Minute still. Dann ließ der Arzt den Arm seines Freundes fahren und sah auf die Tabelle über dem Bett.

"Es steht gut mit dir, Hans."

"Noch ein Jahr?" fragte Bärlach.

Hungertobel wurde verlegen. "Davon wollen wir jetzt nicht reden", sagte er. "Du mußt aufpassen und wieder zur Untersuchung kommen."

Er passe immer auf, brummte der Alte.

Dann sei es ja gut, sagte Hungertobel, indem er sich verabschiedete.

"Gib mir doch noch das 'Life'", verlangte der Kranke scheinbar gleichgültig. Hungertobel gab ihm eine Zeitschrift vom Stoß, der auf dem Nachttisch lag.

"Nicht die", sagte der Kommissär und blickte etwas spöttisch nach dem Arzt: "Ich will jene, die du mir genommen hast. So leicht komme ich nicht von einem Konzentrationslager los."

Hungertobel zögerte einen Augenblick, wurde rot, als er Bärlachs prüfenden Blick auf sich gerichtet sah, und gab ihm die Zeitschrift. Dann ging er schnell hinaus, so als sei ihm etwas unangenehm. Die Schwester kam. Der Kommissär ließ die andern Zeitschriften hinaustragen.

"Die nicht?" fragte die Schwester und wies auf die Zeitung, die auf Bärlachs Bettdecke lag.

"Nein, die nicht", sagte der Alte.

Als die Schwester gegangen war, schaute er sich das Bild von neuem an. Der Arzt, der das bestialische Experiment [7] ausführte, wirkte in seiner Ruhe götzenhaft. Der größte Teil des Gesichts war durch den Nasen- und Mundschutz verdeckt.

Der Kommissär versorgte die Zeitschrift in seiner Nachttischschublade und verschränkte die Hände hinter dem Kopf. Er hatte die Augen weit offen und sah der Nacht zu, die immer mehr das Zimmer füllte. Licht machte er nicht.

Später kam die Schwester und brachte das Essen. Es war immer noch wenig und Diät: Haferschleimsuppe. Den Lindenblütentee, den er nicht mochte, ließ er stehen. Nachdem er die Suppe ausgelöffelt hatte, löschte er d

Beschreibung für Leser

Unterstützte Lesegerätegruppen: PC/MAC/eReader/Tablet

Drucken

Kundenbewertungen

6,99 €
(inkl. MwSt.)
EPUB sofort downloaden
Downloads sind nur in Österreich möglich!
Maximaler Downloadzeitraum: 24 Monate