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Cover Die wilde Geschichte vom Wassertrinker

Die wilde Geschichte vom Wassertrinker

Roman

von John Irving; Übersetzt von: Jürgen Bauer; Edith Nerke

Erschienen 2012 bei Diogenes
Sprache: Deutsch
752 Seiten
ISBN 978-3-257-60132-9

Kurztext / Annotation

Seine Frau will raus; seine Geliebte will ein Kind. Die Beschwerden, die er sich bei seiner einstigen Babysitterin geholt hat, machen ihm das Lieben zur Qual. Der Filmemacher, für den er arbeitet, will sein Leben verfilmen: als Dokumentation eines Fehlschlags. Dies ist die Geschichte des fluchbeladenen Fred Bogus Trumper, eines Schlawiners und Schwindlers, eines Nichtstuers voller Charme und guter Vorsätze.

John Irving, geboren 1942 in Exeter, New Hampshire, lebt in Toronto. Seine bisher dreizehn Romane wurden alle Weltbestseller und in mehr als 35 Sprachen übersetzt, vier davon verfilmt. 1992 wurde Irving in die National Wrestling Hall of Fame in Stillwater, Oklahoma, aufgenommen, 2000 erhielt er einen Oscar für die beste Drehbuchadaption für die Verfilmung seines Romans Gottes Werk und Teufels Beitrag

Textauszug

[9] 1

Joghurt und jede Menge Wasser

Ihr Gynäkologe hat ihn mir empfohlen. Wie könnte es anders sein: Der beste Urologe in New York ist ein Franzose. Dr. Jean-Claude Vigneron: NUR NACH VEREINBARUNG . Also vereinbarte ich einen Termin. "Gefällt Ihnen New York besser als Paris?" fragte ich ihn.

"In Paris war es mir nicht zu gefährlich, ein Auto zu besitzen."

"Mein Vater ist auch Urologe."

"Dann kann er nur ein zweitklassiger sein", antwortete Vigneron, "wenn er nicht weiß, was Ihnen fehlt."

"Es ist unspezifisch", erwiderte ich. Ich kannte meine Krankengeschichte sehr gut. "Manchmal ist es unspezifische Urethritis, einmal war es unspezifische Prostatitis. Einmal hatte ich Tripper - aber das ist eine andere Geschichte. Und noch ein anderes Mal war es ein einfacher Bazillus. Aber jedes Mal: unspezifisch."

"Also mir sieht das sehr spezifisch aus", meinte Vigneron.

"Nein", sagte ich, "manchmal reagiert es auf Penizillin, manchmal krieg ich es mit Sulfonamid weg. Oder auch mit Furadantin."

"Na also, da haben Sie es!" erwiderte er. "Urethritis und Prostatitis sprechen nicht auf Furadantin an."

"Na also", sagte ich, "da haben Sie es! Das war halt was anderes. Unspezifisch."

"Spezifisch." Vigneron war beharrlich. "Etwas viel Spezifischeres als den Urogenitaltrakt gibt's doch kaum."

Er zeigte es mir. Auf der Untersuchungsliege bemühte ich mich, ganz ruhig zu sein. Er gab mir eine vollendete Plastikbrust, eine schönere hatte ich noch nie gesehen: Farbe und Gestalt absolut naturgetreu, und eine wunderschöne, aufrechte Brustwarze.

[10] "Meine Güte..."

"Beißen Sie ruhig drauf rum", ermunterte mich Vigneron. "Denken Sie nicht mehr an mich."

Ich hielt diese außergewöhnliche Brust fest und sah ihr fest ins Auge. Ich bin ganz sicher, daß mein Vater keine solchen modernen Instrumente in seiner Praxis verwendet. Wenn er steht, geht das gräßliche Abstrichröhrchen etwas leichter hinein. Ich erinnere mich daran, daß ich total verkrampft war und einen Schrei unterdrückte.

"Sehr spezifisch", meinte Jean-Claude Vigneron, und der Fuchs antwortete auf französisch, als ich ihm sagte, daß es doch zumindest etwas ungewöhnlich sei, eine Brust in der Hand halten und ohne Rücksicht auf Verluste hineinbeißen zu können.

Vignerons Diagnose wird besser verständlich, wenn man die Hintergründe meiner Krankheit kennt. Schwierigkeiten und Schmerzen beim Pinkeln habe ich schon lange.

Siebenmal habe ich in den letzten fünf Jahren unter dieser seltsamen Unpäßlichkeit gelitten. Einmal war es Tripper, aber das ist eine andere Geschichte. Normalerweise ist das Ding morgens einfach total verklebt. Mit einem vorsichtigen Zwicken bringe ich es wieder in Ordnung, oder zumindest halbwegs in Ordnung. Das Urinieren erweist sich oft als eine Herausforderung, das Gefühl ist immer wieder neu und überraschend. Und es nimmt sehr viel Zeit in Anspruch - man lebt den ganzen Tag mit dem Gedanken daran, daß man irgendwann bestimmt wieder pinkeln muß. Und was den Sex angeht, na ja... Der Orgasmus ist wirklich eine bewegende Erfahrung - die lange und wundersame Reise eines rauhen, überdimensionalen Kugellagers. Schließlich hatte ich die ganze Sache aufgegeben. Das trieb mich zum Alkohol, und davon brannte es noch mehr beim Pinkeln - ein unschöner Kreislauf.

Und immer die Diagnose: unspezifisch. Der Verdacht auf furchtbare Varianten irgendwelcher asiatischer [11] Geschlechtskrankheiten wurde nie erhärtet. "Irgendeine Infektion" wird immer vorsichtig umschrieben. Die verschiedensten Medikamente werden durchprobiert, schließlich hilft dann eines. Dem Gesundheitslexikon zufolge lassen sich vage und schreckliche Symptome von Prostatakrebs feststellen. Aber die Ärzte sagen immer, dafür sei ich zu jung. Ich stimme ihnen immer zu

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