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Cover Drei Stunden zwischen zwei Flügen

Drei Stunden zwischen zwei Flügen

und andere Meistererzählungen

von F. Scott Fitzgerald; Übersetzt von: Renate Orth-Guttmann; Dirk van Gunsteren; Walter Schürenberg; Bettina Abarbanell

Erschienen 2012 bei Diogenes
Sprache: Deutsch
464 Seiten
ISBN 978-3-257-60144-2

Kurztext / Annotation

Geschichten aus den Roaring Twenties, als das Trinken und Tanzen kein Ende hatte, skandalöse junge Frauen ihr Haar kurz trugen (wie in der Erzählung Bernices Bubikopf Diesseits vom Paradies Der große Gatsby

Textauszug

[7] Hundert Fehlstarts

Peng!, macht die Pistole, und der Läufer startet. Hin und wieder kriegt er das richtig gut hin, häufiger allerdings war es ein Fehlstart. Dann läuft er, wenn er Glück hat, zehn, zwölf Meter, schaut sich um und trottet verlegen zurück zum Start. Nur zu oft aber umrundet er einmal die ganze Bahn in der Meinung, dass er die Spitze hält, nur um beim Endspurt festzustellen, dass keiner hinterherkommt. Der Lauf muss wiederholt werden.

Trainieren Sie fleißiger, machen Sie einen langen Spaziergang, streichen Sie Ihren Schlaftrunk, verzichten Sie aufs Fleisch beim Dinner und belasten Sie sich nicht mehr mit politischen Fragen...

So weit ein Interview mit einem Fehlstart-Champion der schreibenden Zunft - mit mir. Ich greife zu einem ledergebundenen Müllbehälter, von mir albernerweise "Notizbuch" genannt, und hole aufs Geratewohl ein dreieckiges Fetzchen Packpapier heraus. Auf einer Seite klebt eine abgestempelte Briefmarke, auf der anderen steht:

[8] Boopsie Dee war pfiffig

Mehr nicht. Kein Hinweis darauf, was auf diese absurde Feststellung hätte folgen sollen. Boopsie Dee - dass ich nicht lache! - konfrontiert mich mit dieser einen dogmatischen Aussage über ihre Person. Nie werde ich erfahren, was aus ihr geworden ist, wo und wann ihr dieser grässliche Name angehängt wurde und ob die Tatsache, dass sie pfiffig war, ihr viel Ärger gebracht hat.

Ich nehme einen anderen Zettel zur Hand:

Artikel - "Unerfreuliche Sachen, die Frauen anstellen" plus Artikel einer Frau als Gegenstück: "Unerfreuliche Sachen, die Männer anstellen."

Nr. 1: Bei Tisch Glasauge herausnehmen.

Mehr steht da nicht. Offenbar eine Idee, die sich in Gelächter aufgelöst hat, noch ehe sie richtig Gestalt angenommen hatte. Was sind das für unerfreuliche Sachen, die junge Frauen anstellen? Generell und heutzutage - meine ich. Oder was stellt eine große Mehrheit von ihnen an oder eine starke Minderheit? Ich hätte da schon ein paar vage Vorstellungen - aber nein, die Idee ist gestorben. Ich erinnere mich nur an einen Artikel, in dem es um eine Frau ging, die sich von ihrem Mann hatte scheiden lassen, weil [9] es sie störte, wie er sein Kotelett anging, und dass ich damals überlegte, warum sie ihn nicht schon vor der Heirat ein Kotelett zur Probe hatte essen lassen. Nein, all das gehört in ein Goldenes Zeitalter, in dem sich die Leute einen Nervenzusammenbruch leisten konnten, weil Daddys Schuhe quietschten.

Es gibt Hunderte solcher Ideen - nicht alle haben mit Literatur zu tun. Mal ging es darum, eine Ouled-Naïl-Tanztruppe aus Afrika zu importieren, dann wieder, den Grand Guignol aus Paris nach New York zu bringen oder den Football in Princeton wiederzubeleben (ich hätte da zwei torreiche Spiele zu bieten, mit denen der Trainer sich innerhalb einer Saison einen Namen machen könnte); schließlich finde ich noch einen vergilbten Vermerk "D. W. Griffith klarmachen, dass Kostümstücke wiederkommen" sowie meinen Plan für eine Verfilmung von H. G. Wells' Geschichte unserer Welt.

Diese kurzen Geistesblitze belasteten mich nicht weiter - es waren die Träume eines Opiumessers, die gleichsam mit dem Rauch aus der Pfeife verflogen. Mich gedanklich mit ihnen zu beschäftigen kam dem Vergnügen gleich, sie in eine vollendete Form gebracht zu haben. Es sind vielmehr die sechsseitigen, zehnseitigen, dreißigseitigen Konvolute, die mir beruflich Kummer machen, als wären es erfolglose Ölbohrungen - sie sind meine eigentlichen Fehlstarts.

[10] Da gibt es beispielsweise einen, den ich mindestens zehn-, zwölfmal hingelegt habe - eine Short Story oder vielmehr ein Text, der versucht, die Form einer Short Story anzunehmen. Im Lauf der Zeit habe ich so viele Worte davon zu Papier gebracht, dass man durchaus einen vorzeigbaren Roman daraus hät

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