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Cover Geschichten von natürlichen und unnatürlichen Katastrophen

Geschichten von natürlichen und unnatürlichen Katastrophen

von Patricia Highsmith; Übersetzt von: Matthias Jendis

Erschienen 2012 bei Diogenes
Sprache: Deutsch
368 Seiten
ISBN 978-3-257-60149-7

Kurztext / Annotation

Groteske Geschwüre, die auf einem Friedhof in Österreich ins Unermessliche wachsen; riesige Kakerlaken, gegen alle Insektenmittel resistent, die in einem New Yorker Apartment-Haus das Kommando übernehmen; eine UNO-Mission, die in Afrika grausam endet; Wale, der Papst, ein waffenverliebter US-Präsident - sie alle bilden den Stoff, aus dem moderne (natürliche oder unnatürliche) Katastrophen sind. Bei Patricia Highsmith entsteht das Grauen dadurch, dass die Menschen sich so verhalten, wie sie sich eben verhalten, ohne dass übersinnliche böse Mächte ins Spiel kommen.

Patricia Highsmith, geboren 1921 in Fort Worth/Texas, wuchs in Texas und New York auf und studierte Literatur und Zoologie. Erste Kurzgeschichten schrieb sie an der Highschool, den ersten Lebensunterhalt verdiente sie als Comictexterin, und den ersten Welterfolg erlangte sie 1950 mit ihrem Romanerstling Zwei Fremde im Zug

Textauszug

[9] Der geheimnisvolle Friedhof

Am Rande der Kleinstadt G. im Osten von Österreich liegt ein geheimnisvoller Friedhof, kaum einen Hektar groß. Hier ruhen vor allem die sterblichen Überreste der Armen, in Gräbern ohne Grabsteine - oder bestenfalls mit Bruchstücken solcher Steine versehen, von denen sich inzwischen keines mehr an der richtigen Stelle befindet. Und doch ist der Friedhof für seine seltsamen Gewächse oder Wucherungen berühmt geworden: Knollige kleine Figuren, blaugrün oder cremeweiß, ragen auf unheimliche Weise aus dem Boden. Manche erreichen eine Höhe von gut zwei Metern, andere dieser pilzartigen Wucherungen sind nur fünfzig Zentimeter groß, ein paar sogar kleiner. Alle aber wirken sie grotesk, nichts anderem in der Natur vergleichbar, nicht einmal Korallenformationen. Als sich einige dieser kleinen Wucherungen über dem matschigen, grasbewachsenen Boden zeigten, machte der Friedhofswärter eine Schwester aus dem gleich gegenüberliegenden Allgemeinen Krankenhaus darauf aufmerksam. Der Friedhof lag hinter dem roten Backsteingebäude des Hospitals, deshalb war er leicht zu übersehen, wenn man sich ihm auf der einzigen Straße näherte, die daran vorbeiführte. Eine Abzweigung verband sie mit dem Krankenhauseingang.

Der Friedhofswart, Andreas Silzer, berichtete, er habe [10] ein paar dieser Wucherungen mit der Hacke abgeschlagen und sie auf den Komposthaufen geworfen, wo sie verrotten sollten. Aber sie waren nicht verrottet.

"Das ist nur ein Pilz, doch da kommt noch mehr von dem Zeug", sagte er. "Ich habe Unkrautvernichter versprüht - was Stärkeres will ich nicht nehmen, damit die Blumen nicht eingehen." Andreas kümmerte sich treusorgend um die Stiefmütterchen, Buschrosen und anderen Blumen, die ein paar Verwandte von Verstorbenen gepflanzt hatten. Ab und zu bekam er ein Trinkgeld für seine Mühen.

Die Krankenschwester antwortete nicht gleich. Dann sagte sie: "Ich spreche mit Dr. Müller. Danke, Andreas."

Die Schwester, Susanne Richter, gab jedoch nicht weiter, was Andreas ihr berichtet hatte. Sie hatte ihre Gründe (oder besser, Ausreden) dafür: Zum einen übertrieb Andreas wahrscheinlich - er dürfte ein paar große Schwämme auf den Grabsteinen gesehen haben, wegen des vielen Regens der letzten Wochen; zum anderen wußte sie, wo ihr Platz war (schlecht war er nicht), und wollte ihre Arbeit behalten und nicht in den Ruf geraten, eine Wichtigtuerin zu sein, die dort herumschnüffelte, wo sie nichts zu suchen hatte, auf dem Friedhof nämlich.

Praktisch betrat nämlich niemand das dunkle Feld hinter dem Allgemeinen Krankenhaus, außer eben Andreas. Er war etwa fünfundsechzig und wohnte mit seiner Frau in der Stadt. An drei Tagen in der Woche radelte er zum Friedhof hinaus. Andreas arbeitete auf Altersteilzeit (er war schon halb im Ruhestand) und erhielt zusätzlich zu seiner Rente monatlich ein kleines Gehalt für die Pflege der Grünanlagen des Krankenhauses und des Friedhofs. Die Begräbnisse [11] dort, durchschnittlich drei pro Monat, wurden gewöhnlich von dem örtlichen Pfarrer erledigt, der ein paar Worte sagte, und von den Totengräbern begleitet, die neben dem Grab standen, um es später aufzufüllen. Nur in etwa der Hälfte der Fälle waren auch Verwandte der Verstorbenen anwesend. Manche der alten Männer und Frauen, die im Spital starben, waren ganz allein auf der Welt - oder ihre Kinder lebten weit weg. Ein trauriger Ort, das Allgemeine Krankenhaus von G.

Allerdings nicht für einen jungen Medizinstudenten der Universität G. namens Oktavian Ziegler. Zweiundzwanzig war er, groß und schlank, und steckte voll Energie und Humor, was ihn bei den Mädchen beliebt machte. Außerdem war er als Student geradezu brillant und stand bei seinen Professoren hoch im Kurs. Oktavian - der Name kam daher, daß sein Vater, ein Oboist, den Komponisten Richard Strauss regelrecht anbetete und gehofft hatte, sein Sohn werde ebenfalls Komp

Langtext

Groteske Geschwüre, die auf einem Friedhof in Österreich ins Unermessliche wachsen; riesige Kakerlaken, gegen alle Insektenmittel resistent, die in einem New Yorker Apartment-Haus das Kommando übernehmen; eine UNO-Mission, die in Afrika grausam endet; Wale, der Papst, ein waffenverliebter US-Präsident sie alle bilden den Stoff, aus dem moderne (natürliche oder unnatürliche) Katastrophen sind. Bei Patricia Highsmith entsteht das Grauen dadurch, dass die Menschen sich so verhalten, wie sie sich eben verhalten, ohne dass übersinnliche böse Mächte ins Spiel kommen.

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