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Cover Der Gärtner von Otschakow

Der Gärtner von Otschakow

von Andrej Kurkow; Übersetzt von: Sabine Grebing

Erschienen 2012 bei Diogenes
Sprache: Deutsch
352 Seiten
ISBN 978-3-257-60152-7

Kurztext / Annotation

Jedes Mal, wenn Igor in die alte Uniform samt Stiefeln und Mütze schlüpft, reist er durch die Zeit und landet in Otschakow am Schwarzen Meer, im Jahr 1957. Dort trifft er auf Weindiebe und andere Gauner, und auf eine schöne, rothaarige Marktfrau, bei deren Anblick Igor die Gegenwart beinahe vergessen möchte ...

Andrej Kurkow, geboren 1961 in St. Petersburg, lebt seit seiner Kindheit in Kiew und schreibt in russischer Sprache. Er studierte Fremdsprachen (er spricht insgesamt elf Sprachen), war Zeitungsredakteur und während des Militärdienstes Gefängniswärter. Danach wurde er Kameramann und schrieb zahlreiche Drehbücher. Sein Roman Picknick auf dem Eis

Textauszug

10

Der Wolkenbruch, der um Mittag begonnen hatte, zog sich mehrere Stunden hin und stellte, als er plötzlich aufhörte, die Bewohner von Irpen vor die einfache und unverrückbare Tatsache, dass der Abend da war. Ein Herbstabend ist nie lang, auf ihn folgt schnell, fast unmerklich, die Nacht. Diese anbrechende Nacht, von einem sternenlosen, bleiernen Himmel zugedeckt, versprach finster und undurchdringlich zu werden.

Igor legte das Buch weg, über dem er drei Stunden am Stück gesessen hatte, sah aus dem Fenster und dann auf die [83] Uhr. Wieder versank er in Nachdenken, wieder stellte er sich die Frage: War es nun ein betrunkener Traum oder eine andere, jenseitige Wirklichkeit gewesen? Er dachte an den Abend, der dem seltsamen Erlebnis vorausgegangen war. Dachte daran, wie er Kognak getrunken hatte, ehe Koljan anrief. Und was, überlegte er, wenn er nochmals dasselbe machte? Was, wenn er ein paar Gläschen Kognak trank und dann, später, wieder die Milizuniform anzog und in Richtung Busbahnhof loslief? Menschen wären bei diesem Wetter und um die Uhrzeit keine draußen, und wer würde schon auf ihn achten?!

Igor ging hinüber in die Küche, schenkte sich einen Kognak ein und trank ihn ohne Hast, darauf sofort ein zweites Gläschen. Nebenbei bemerkte er, dass auf der schwebenden Schale der mütterlichen Waage ein Fläschchen mit Herztropfen stand. Mit dem dritten Kognak kehrte er in sein Zimmer zurück. Trank einen Schluck, stellte das Gläschen weg und sah nach, ob die zwei sowjetischen Rubelpäckchen an ihrem Platz waren. Sie lagen in den Taschen der Uniformhose. Er trank noch ein Schlückchen. Im Mund wurde es warm, und die Wärme wanderte nach oben weiter, in die Nase, in den Kopf. Leichter Schweiß trat ihm auf die Stirn. Wieder streckte Igor die Hand nach dem Gläschen aus, aber es war schon leer. Er begab sich in die Küche und füllte es.

Eine halbe Stunde später wogte wilde Kühnheit durch Igors Gedanken. Er lächelte sich selbst zu und trat mutiger zu der Milizuniform. Er zog sie an, streifte die Stiefel über, schnallte den Gürtel um und vergaß diesmal auch das Halfter mit der Pistole nicht, platzierte die Unifommütze auf dem [84] Kopf und griff nach dem runden Handspiegel. Er sah sich an, und noch heiterer wurde ihm zumute. 'Macht was her!', dachte er.

Kaum hatte sich das heimatliche Gartentor hinter ihm geschlossen, kaum wandte er sich Richtung Busbahnhof, da wurde es schon dunkler um ihn. Als wäre die Dunkelheit lebendig und versuchte, Igor in sich einzuhüllen. Aber an die Sohlen seiner Lederstiefel schlug vertraut der Asphalt, und die Beine gingen von selbst geradeaus, als brauchten sie keine Augen, die sie führten.

Ein paarmal beschlich Igor Furcht. Mal von hinten, mal von der Seite, worauf er stehenblieb und sich umsah, mehr auf sein Ohr vertrauend als den Augen. Aber ringsum war es still.

Nach einer Weile tauchte vor ihm ein kaum sichtbarer Lichtschein auf, ein Orientierungspunkt. Und nach weiteren zwanzig Minuten erkannte Igor das beleuchtete Tor der Otschakower Kellerei. Unter den Bäumen, zwanzig Meter davor, blieb er stehen. Was passierte jetzt wohl? Es würde sich doch nicht alles wiederholen? Wie in dem amerikanischen Film, in dem derselbe Tag sich endlos von Neuem abspielte und den Helden in den Wahnsinn trieb?

Und als würde die Wirklichkeit sich über Igors Befürchtungen lustig machen, ging das grüne Tor auf. An Igors Ohr drang das Kollern eines Motors, und er sah, wie ein alter, schon vertrauter Kleinlaster das Gelände der Kellerei verließ. Er fuhr heraus, bog nach rechts und fuhr weiter, von Igor fort, sich mit den Scheinwerfern den Weg leuchtend. Das Tor ging zu, und allmählich kroch die Stille unter das Licht der mächtigen Fabriklampen zurück. Genauer, die Lampen [85] strahlten hinter der Betonwand und dem grünen Tor, den Platz vor dem Tor erhellte eine Straßenlaterne.

Plötzlich knirschte da

Langtext

Jedes Mal, wenn Igor in die alte Uniform samt Stiefeln und Mütze schlüpft, reist er durch die Zeit und landet in Otschakow am Schwarzen Meer, im Jahr 1957. Dort trifft er auf Weindiebe und andere Gauner, und auf eine schöne, rothaarige Marktfrau, bei deren Anblick Igor die Gegenwart beinahe vergessen möchte

Beschreibung für Leser

Unterstützte Lesegerätegruppen: PC/MAC/eReader/Tablet

Biografische Anmerkung zu den Verfassern

Andrej Kurkow, geb. 1961 in St. Petersburg, lebt seit seiner Kindheit in Kiew. Er studierte Fremdsprachen (er spricht insgesamt elf Sprachen), arbeitete als Redakteur, Gefängniswärter, Kameramann und schrieb zahlreiche Drehbücher. Seit 1996 lebt er als freier Schriftsteller in Kiew und London.

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