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Cover Ihre Nacht

Ihre Nacht

von Banana Yoshimoto; Übersetzt von: Thomas Eggenberg

Erschienen 2012 bei Diogenes
Sprache: Deutsch
208 Seiten
ISBN 978-3-257-60167-1

Kurztext / Annotation

Yumikos Vergangenheit birgt ein Geheimnis, und gemeinsam mit ihrem Cousin Shôichi möchte sie den Schlüssel dazu finden. Ihre Nacht Kitchen red banana flower

Textauszug


[5] Ich glaube, es war kurz vor unserem ersten Schultag. Da hab ich Sh ichi zum letzten Mal gesehen.

Jener Tag war so schön, dass ich mir wünschte, er würde nie aufhören. Ich erinnere mich sehr gut. Es war eine Zeit, in der mein Zuhause mehr und mehr von etwas Dunklem überschattet wurde.

Mama und Sh ichis Mutter waren Zwillinge und hatten ein gutes Verhältnis zueinander, wie normale Schwestern eben. Doch das sollte sich ändern. Als ahnten sie etwas, plauderten sie in aufgekratzter Stimmung und schauten dabei vergnügt uns Kindern beim Spielen zu, mit einem Blick, der zu sagen schien: Gibt es ein größeres Glück auf Erden? Wer Kinder hat, braucht nichts anderes mehr. - Es war das letzte Mal, dass ich die beiden so unbeschwert erlebte.

Sh ichi und ich, das weiß ich noch, leckten Eis und schlürften selbstgemachtes Calpis [ Mit Molke hergestelltes erfrischendes Getränk. (Anmerkung des Übers.)]. Wir [6] breiteten im Garten eine Picknickdecke aus und begannen zu kochen. Auf den improvisierten Küchenherd stellten wir einen Plastiktopf, gaben Plastikkarotten und Plastikkartoffeln hinein, und als Dessert formten wir Bällchen aus feuchter Erde, die wir sorgfältig aneinanderreihten.

Obwohl Sh ichi und ich die Kinder von Zwillingen waren, konnten wir in unseren Gesichtern keine Ähnlichkeit entdecken. Wir glichen wohl unseren Vätern. Er hatte große runde Augen, volle Lippen und eine schmale, weit vorstehende Nase. Ich hingegen hatte ein schmales Gesicht, schmale Augen und eine breite, flache Nase. Unsere Mütter, die sich wie ein Ei dem andern glichen, hörte ich immer wieder sagen: "Diese Kinder sehen sich überhaupt nicht ähnlich, ist das nicht komisch?"

Manchmal, wenn ich in guter Stimmung bin, erinnere ich mich plötzlich wieder an das durchsichtig schimmernde Licht jenes Tages.

Anders als meine Mutter, die immer rundlicher geworden war, deren ganze Erscheinung etwas Schwammiges, Düsteres an sich hatte, sah die Tante mit ihrer schlanken Figur geradezu blendend aus.

Ach, wenn das meine Mutter wäre, dachte ich in einem Anflug von Neid. Sh ichi lebt in einer Welt ohne Sorgen, er kann sich wie ein kleiner König fühlen. Sicher wird für ihn auch in Zukunft die [7] Sonne scheinen, so wie sie jetzt seinen schönen Garten und seine schöne Mutter bescheint. Er hat gut lachen, das Leben zeigt sich ihm von seiner besten Seite. Auf mich aber wartet Ungemach, ich drohe im Schlamm jenes Teiches dort zu versinken, wie eine Ameise zertreten zu werden oder noch als verpuppter Falter zu verenden. So sehen meine Zukunftsperspektiven aus. Was für ein tolles Lebensgefühl!

Natürlich standen mir diese Worte nicht zur Verfügung, aber was ich empfand, entsprach dem haargenau. Nur, sosehr ich mich bemühte, Sh ichi als verwöhnten kleinen Kerl hinzustellen - es wollte mir nicht gelingen. Dieser Junge war einfach zu nett, man konnte ihm nichts verübeln. Könnte ich ihn vor Neid nur hassen und ihm die Schuld an meinem Elend zuschieben, dachte ich. Aber wie dankbar war ich jedes Mal, wenn Sh ichi mich anlächelte...

Solche Gedanken und Gefühle beschäftigten mich, während wir eifrig Erdbällchen formten und Pfannkuchen backten. Die Tante brachte uns auch Pappmaché. Mit der breiigen Masse formten wir allerlei Dinge und pinselten sie farbig an. Wir bastelten aber nicht wild drauflos, sondern teilten die Arbeit auf und halfen dem andern, wenn nötig. Am liebsten hätte ich immer so weitergemacht. Dieses friedliche Miteinander wünschte ich mir auch in [8] meinem Alltag. Eine Welt ohne launische Wutausbrüche, ohne Ungewissheiten. Eine Welt, in der man einfach füreinander da ist und sich auf das konzentrieren kann, was man vor Augen hat. Das wäre ein Glück!

Ich schaute zum tiefblauen Himmel auf und dachte an die Zukunft. Ein banges Gefühl ergriff mich.

Nie mehr möchte

Langtext

Yumikos Vergangenheit birgt ein Geheimnis, und gemeinsam mit ihrem Cousin Shôichi möchte sie den Schlüssel dazu finden. Ihre Nacht beschreibt eine unheimliche Grenzerfahrung und deren Bewältigung. Die Geschichte einer Heilung auch durch die Kraft der Liebe.

Beschreibung für Leser

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