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Cover Auf der Strecke

Auf der Strecke

Ein Fall für Berlin und Wien

Erschienen 2013 bei Diogenes
Sprache: Deutsch
368 Seiten
ISBN 978-3-257-60171-8

Kurztext / Annotation

Berliner Schnauze trifft Wiener Schmäh: Thomas Bernhardt aus Berlin und Anna Habel aus Wien ermitteln gemeinsam im Fall des ermordeten Schriftstellers Xaver Pucher. Start einer grenzüberschreitenden Serie.

Claus-Ulrich Bielefeld, geboren 1947 in Bad Schwalbach, lebt in Berlin. Er studierte Germanistik, Soziologie und Philosophie und war Literaturredakteur beim Rundfunk Berlin-Brandenburg (RBB) sowie Literaturkritiker für diverse Zeitungen.

Textauszug

[13] 2

"Piep-piep". Anna Habel schreckte hoch. In den 22-Uhr-Nachrichten beteuerte gerade der Bundeskanzler mit schiefem Grinsen, dass der aktuelle Streit in der Koalition sicher nicht an seiner Partei liege. Anna versuchte, sich zu orientieren. Auch wenn sie nur knapp 1,60 Meter maß, das Fernsehsofa war eindeutig zu kurz zum Schlafen, ihr Ischiasnerv zog besorgniserregend bis ganz unten ins Bein und von da wieder hoch bis in ihr schlaftrunkenes Hirn. Vor dem Sofa lagen unzählige zerknüllte Tempos, und der Becher mit Tee balancierte gefährlich auf einem Bücherstapel. Warum kann ich nicht einfach nur Schnupfen haben wie andere Menschen auch, dachte Anna und fischte das letzte Taschentuch aus der Packung. Seit Tagen plagte sie eine schlimme Erkältung, das feuchtkalte Septemberwetter tat sein Übriges, und die halbe Flasche Rotwein, die sie sich gestern als therapeutische Maßnahme genehmigt hatte, war für ihren Brummschädel wohl nicht die richtige Medizin gewesen. Das Handy, dachte sie, wer will denn um diese Uhrzeit noch was von mir? Mühsam zog sie das Mobiltelefon aus ihrer Hosentasche. "1 neue Mitteilung", Absender Andrea. "Melk" las sie und musste grinsen. Seit mehr als sieben Jahren pflegte sie mit ihrer Freundin Andrea den "Melk-Brauch". Immer wenn eine der beiden an dem [14] imposanten Benediktinerkloster zwischen Wien und Linz vorbeifuhr, schrieben sie sich eine SMS . In völlig unmöglichen Situationen bekam sie Andreas Melk-Meldungen, und jedes Mal war sie froh, ein Lebenszeichen ihrer besten Freundin zu erhalten. "Sofa, Bett" schrieb sie zurück, holte sich eine neue Packung Tempos aus dem Bad, schlüpfte in den Flanellpyjama, zog die Frotteesocken an und schlurfte in ihr Schlafzimmer. Arme Andrea, dachte sie noch, schon wieder auf der Autobahn, hoffentlich wenigstens Richtung Wien. Vom Bücherstapel neben ihrem Bett reizte sie heute nichts - alles viel zu anstrengend für ein schnupfengeplagtes Hirn. Sie stellte den Wecker auf 7 Uhr 30 und fiel in einen unruhigen Schlaf.

Anna schlug auf den Wecker ein, doch das durchdringende Klingeln hörte nicht auf. 5 Uhr 10. Was soll das denn, lasst mich doch alle in Ruhe. Plötzlich war sie hellwach: Scheiße, kein Wecker, irgendwo klingelte ihr Handy. Sie sprang aus dem Bett, der schweißnasse Pyjama klebte unangenehm auf ihrer Haut, der Klingelton verstummte. Ich könnte so tun, als hätte ich es nicht gehört, dachte Anna und machte sich seufzend auf die Suche nach dem ständigen lästigen Begleiter. Viel zu pflichtbewusst war sie für so eine Schummelei. Zwischen den Sitzpolstern des Fernsehsofas fand sie endlich das Handy: "1 Anruf in Abwesenheit", Anrufer: "Kolonja". Anna drückte auf die Rückruftaste, und nach dem ersten Klingeln schnaufte ihr der Kollege ins Ohr:

"A Leich. Im Weinviertel. Im Zug."

"Auch ich wünsch Ihnen einen schönen guten Morgen, [15] Herr Kollege, ich bitte um nähere Angaben." Robert Kolonja mit seinem Floridsdorfer Gemeindebau-Slang reizte Anna auch nach drei Jahren Zusammenarbeit noch immer dazu, in eine sehr gewählte Ausdrucksweise zu verfallen.

"Ich steh da auf einem Abstellgleis der Österreichischen Bundesbahnen, irgendwo zwischen Bernhardsthal und Hohenau. Leiche männlich, zwischen 25 und 30 Jahre alt, aufgefunden im Schlafwagen." Auch Kolonja konnte schön sprechen, wenn er sich bemühte. Dennoch blaffte Anna ihn aus reiner Gewohnheit noch einmal an.

"Erschossen, erdrosselt, erstochen oder gar vergewaltigt?"

"Der Doktor Schima is noch nicht da, aber die Leich is in Wien-West in Zug eingstiegen und bald darauf war's scho tot. Jetzt hat er an ganzn Waggon für sich allein."

Richtig witzig heute, der Kolonja, dachte Anna. "Okay, gib mir zehn Minuten, ich ruf dich an, wenn ich im Auto sitze, dann gibst du

Beschreibung für Leser

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Biografische Anmerkung zu den Verfassern

Claus-Ulrich Bielefeld, geb. 1947 in Bad Schwalbach, studierte Germanistik, Soziologie und Philosophie und ist heute Literaturredakteur beim Rundfunk Berlin-Brandenburg (RBB) sowie Literaturkritiker für diverse Zeitungen. Er lebt in Berlin.

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