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Cover Bis zur Neige

Bis zur Neige

Ein Fall für Berlin und Wien

Erschienen 2012 bei Diogenes
Sprache: Deutsch
480 Seiten
ISBN 978-3-257-60177-0

Kurztext / Annotation

Freddy Bachmüller, Edelwinzer im österreichischen Weinviertel, produzierte erstklassigen Wein - jetzt ist er "a Leich". Kurz darauf wird Szenelokalbetreiber Ronald Otter in Berlin erschossen - er hatte Bachmüllers Weine im Angebot. Wenn das kein Fall für Berlin und Wien ist! Kommissar Bernhardt und Chefinspektorin Habel ermitteln wieder zusammen: Sie streiten, frotzeln und schäkern, was das Zeug hält - rein dienstlich natürlich. Bernhardt kannte das Berliner Opfer, in den Siebzigern hatten sie zusammen studiert. Schlagworte von damals kommen ihm in den Sinn: Pflicht zum Ungehorsam, Kampf dem System ... Die Schlüsse, die er daraus zieht, stimmen allerdings nicht mit den ersten Vermutungen von Anna Habel überein. Die wittert im Fall des toten Winzers Bachmüller weibliche Eifersucht.

Claus-Ulrich Bielefeld, geboren 1947 in Bad Schwalbach, lebt in Berlin. Er studierte Germanistik, Soziologie und Philosophie und war Literaturredakteur beim Rundfunk Berlin-Brandenburg (RBB) sowie Literaturkritiker für diverse Zeitungen.

Textauszug

[12] 2

Auf der Autobahn verspürte Anna dieses Hochgefühl, das sie immer dann befiel, wenn sie mehr als vierundzwanzig Stunden am Stück freihatte. Ihr siebzehnjähriger Sohn saß neben ihr, und da sie sich nicht auf eine CD einigen konnten, hörten sie FM 4 - ein Kompromiss. Eigentlich wollte Anna nichts als Ruhe und versuchte, das Hämmern der Musik auszublenden. Nur keinen Konflikt, dachte sie. Selten genug, dass Florian freiwillig mit ihr das Wochenende verbrachte.

Es war noch nicht lange her, da konnte er nicht genug kriegen vom Leben auf dem Land, von Ausflügen mit dem Mountainbike, unzähligen Tischtennismatches, und wenn Anna zusammenzuzählen versuchte, wie oft sie gemeinsam den kleinen Bach aufgestaut hatten, sah sie einen riesigen Stausee vor ihrem geistigen Auge. Dann kam bald die Ich-igle-mich-lieber-in-meinem-Zimmer-ein-Phase, und seit er samstagabends ausging, war er vielleicht noch zweimal mitgefahren.

Als sie den Knoten Stockerau mit dem ländlichen Einkaufsparadies hinter sich gelassen hatte, sah sie die flirrende Hitze über der Ebene. Florian setzte seine lächerliche verspiegelte Pilotenbrille auf.

"Was essen wir?"

[13] "Was willst du essen?"

"Grillen?"

"Wenn du den Grillmeister machst?"

"Verstehe. Grillen ist Männersache."

"Ja. Genauso wie Rasenmähen und Heckenschneiden."

"Verschone mich. Ich hab ganz viel zum Lesen mit. Keine Gartenarbeit."

"Schon gut, ich mach's ja gerne."

Das kleine Haus im Weinviertel war gut in Schuss. Seit Anna es vor über zehn Jahren von ihrer Großtante überraschend geerbt hatte, versuchte sie, alle notwendigen Reparaturen immer sofort erledigen zu lassen. Und auch wenn sie es nicht sehr oft nach Salchenberg schaffte, hätte sie das Häuschen nie verkaufen wollen. Manchmal reichte ihr alleine das Gefühl, einen Ort zu haben, an den sie jederzeit fahren konnte, wenn ihr alles zu viel wurde.

Ihr Job als Chefinspektorin der Wiener Mordkommission erlaubte ihr nicht oft, am Freitagmittag das Wochenende einzuläuten, doch die Stadt war durch die Julihitze wie gelähmt: Die ganze Woche kein Einsatz, der Schreibtisch war aufgeräumt, alle Fallberichte abgelegt. Und ihr Kollege Robert Kolonja übernahm den Bereitschaftsdienst.

Sie hielten noch am großen Supermarkt an der Bundesstraße, denn in Salchenberg gab es außer drei Heurigen und einem Gasthaus keinerlei Einkaufsmöglichkeiten. Lediglich unter der Woche versorgte ein mobiler Bäcker die Leute mit dem Notwendigsten, doch den hatte Anna bis jetzt immer verschlafen.

[14] Als sie in die kleine Ortschaft einbogen, kam ihnen der Nachbar auf dem Traktor entgegen. Er tippte lässig an den Hut, und Anna winkte zurück. Als sie vor ihrem Haus parkte, öffnete Frau Haidinger von gegenüber sofort das Küchenfenster.

"Frau Habel. Sind S' auch mal wieder hier! Ich hab schon glaubt, sie kommen nimma."

"Tja, Frau Haidinger, leider viel zu selten. Die Arbeit ist doch immer wichtiger."

"Ja, und der Florian! Mein Gott, bist du groß geworden."

Florian grüßte kurz und machte sich daran, die Einkäufe aus dem Kofferraum zu holen.

"Ham S' scho ghört? Jetzt hamma auch a Leich."

"Oje, wer ist denn gestorben?"

Obwohl Anna seit zehn Jahren nach Salchenberg kam, kannte sie nur wenige Bewohner des kleinen Ortes. Dass regelmäßig jemand starb, war nicht verwunderlich, eine überwiegende Mehrheit der Einwohner war weit über sechzig.

"Der Bachmüller von oben rechts in der Kellergasse."

"Den kannte ich gar nicht. Wie alt ist er denn geworden?"

"Na, ein junger Bursch war das. Dreiundfünfzig. So ein Unglück!"

"Was ist denn passiert?"

"Man weiß es nicht genau. Der Sieberer hat ihn im Weinkeller gfunden. Angeblich sah er aus, als würd er schlafen. War aber bewusstlos, oder - wie sagt man - im Koma."

[

Langtext

Freddy Bachmüller, Edelwinzer im österreichischen Weinviertel, produzierte erstklassigen Wein jetzt ist er "a Leich". Kurz darauf wird Szenelokalbetreiber Ronald Otter in Berlin erschossen er hatte Bachmüllers Weine im Angebot. Wenn das kein Fall für Berlin und Wien ist! Kommissar Bernhardt kannte das Berliner Opfer, in den Siebzigern hatten sie zusammen studiert. Schlagworte von damals kommen ihm in den Sinn: Pflicht zum Ungehorsam, Kampf dem System Die Schlüsse, die Bernhardt daraus zieht, stimmen allerdings gar nicht mit den ersten Vermutungen von Anna Habel überein. Die wittert im Fall des toten Winzers Bachmüller weibliche Eifersucht. Hängen die beiden Verbrechen am Ende gar nicht zusammen?

Beschreibung für Leser

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Biografische Anmerkung zu den Verfassern

Claus-Ulrich Bielefeld, geb. 1947 in Bad Schwalbach, studierte Germanistik, Soziologie und Philosophie und ist heute Literaturredakteur beim Rundfunk Berlin-Brandenburg (RBB) sowie Literaturkritiker für diverse Zeitungen. Er lebt in Berlin.

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