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Zahltag

Ein Fall für Kostas Charitos

von Petros Markaris; Übersetzt von: Michaela Prinzinger

Erschienen 2012 bei Diogenes
Sprache: Deutsch
512 Seiten
ISBN 978-3-257-60186-2

Kurztext / Annotation

Reiche Griechen zahlen keine Steuern. Arme Griechen empören sich darüber, oder sie verzweifeln ob ihrer aussichtslosen Lage. Im zweiten Band der Krisentrilogie tut ein selbsternannter "nationaler Steuereintreiber" weder das eine noch das andere: Er handelt. Mit Drohbriefen, Schierlingsgift und Pfeilbogen - im Namen des Staates.

Petros Markaris, geboren 1937 in Istanbul, ist Verfasser von Theaterstücken und Schöpfer einer Fernsehserie, er war Co-Autor von Theo Angelopoulos und hat deutsche Dramatiker wie Brecht und Goethe ins Griechische übertragen. Mit dem Schreiben von Kriminalromanen begann er erst Mitte der neunziger Jahre und wurde damit international erfolgreich. Er hat zahlreiche europäische Preise gewonnen, darunter den Pepe-Carvalho-Preis Goethe-Medaille

Textauszug

[13] 2

Merkwürdigerweise fließt der Verkehr in ganz normalem Tempo dahin, während der Mairegen sacht vor sich hin nieselt. Vielleicht liegt es daran, dass wir die Lücke zwischen dem allmorgendlichen und dem allmittäglichen Verkehrsstau erwischt haben. Vielleicht aber auch daran, dass den Leuten kein Geld mehr fürs Benzin bleibt, da uns die Troika ein so striktes Sparprogramm auferlegt hat, dass wir sogar noch unsere Scheiße trocknen müssen, um sie weiterzuverwerten. Zwar könnte ich mit Koula ein Gespräch anfangen, um die Fahrzeit zu verkürzen, doch wenn man unter Schock steht, kriegt man den Mund einfach nicht auf, weder für einen Bissen Essen noch für eine Plauderei.

Auf der Pireos-Straße werden die Wagenkolonnen immer dichter, und ab der Zentrale der Sozialversicherungsanstalt bewegen wir uns im Schritttempo vorwärts. Obwohl der Verkehr in der Menandrou-Straße völlig zum Erliegen kommt, ertönt weder Gehupe noch Gefluche. Geduldig warten die Fahrer, bis sie wieder drei Meter bis zum nächsten Stop weiterfahren können.

"Wieso ist heute so wenig los?", frage ich Koula.

"Die Leute ziehen den Kopf ein und ergeben sich in ihr Schicksal, Herr Kommissar. Sie sagen sich: Nichts geht mehr. Warum soll der Straßenverkehr da eine Ausnahme bilden?" Ihr Gedankengang erweist sich als irrig, sobald wir den [14] Omonia-Platz erreichen. Die Stadiou- und die Panepistimiou-Straße sind zwischen Eolou- und Patission-Straße unpassierbar. Aus der Ferne dringt der Widerhall skandierter Parolen an unsere Ohren.

"Was gibt's, Kollege?", fragt Koula eins der uniformierten Opfer, die hinter dem roten Absperrungsband ihren Dienst versehen.

"Protestmarsch der Arbeiter- und Beamtengewerkschaft", entgegnet der Uniformierte knapp.

"Ist der Alexandras-Boulevard befahrbar?"

"Ja, aber meiden Sie die Marnis-Straße. Da weiß man nicht, was zwischen Polytechnikum und Gewerkschaftshaus auf einen zukommt. Besser, Sie nehmen die Evelpidon-Straße."

"Nun, wie man sieht, ziehen nicht alle den Kopf ein", sage ich zu Koula.

"Manche schon", entgegnet sie tonlos. "Und manche andere schlagen Dritten die Köpfe ein. Die Frage ist, was passiert, wenn wir alle gleichzeitig mit dem Kopf durch die Wand wollen."

Ich folge dem Rat des Polizeibeamten und wähle das Gysi-Viertel, um auf den Alexandras-Boulevard zu gelangen. Fünf Minuten später haben wir die Dienststelle erreicht. Koula geht schon in das Büro meiner Assistenten, während ich mir noch einen Kaffee in der Cafeteria besorge.

"Müßiggang ist aller Laster Anfang." So würde Adriani unsere Lage kommentieren. Denn seit einem Monat ist der Selbstmord der Rentnerinnen der erste Fall, den wir zu bearbeiten haben. Die anderen Dezernate kommen mit der [15] Arbeit nicht nach. Sie sind vierundzwanzig Stunden im Einsatz, da alles an ihnen hängenbleibt, von den Randalen bei Demonstrationen über den Bandenkrieg unter den Zuwanderern in Ajios Panteleimonas bis zu den Aufläufen vor den Privathäusern der Parlamentarier, wo ganze Horden bereitstehen, um die Politiker auszupfeifen und zu beschimpfen. Morde sind momentan nicht an der Tagesordnung, da andere Dinge Vorrang haben.

Auch zu Hause herrscht Stimmungsflaute. Katerina hat ihr Praktikum beendet und einige Fälle übernommen, bei denen es um das beschleunigte Asylverfahren geht. Sie ist nicht gerade aus dem Häuschen vor Freude, da solche Angelegenheiten nur schleppend vorangehen und ihre Tätigkeit weniger mit dem Prozedere eines Gerichtsverfahrens zu tun hat als mehr mit der Arbeit der Schreiberlinge, die früher vor dem Athener Rathaus ihre Tischchen aufstellten und den kleinen Leuten ihre Anträge ausfüllten. Die übrige Familie, allen voran Fanis, verabreicht ihr die bekannten Aufmunterungspillen à la "Das ist nur am Anfang so" oder "Es wird schon werden", doch Katerina scheint nicht wirklich überzeugt.

Da so wenig los ist,

Langtext

Reiche Griechen zahlen keine Steuern. Arme Griechen empören sich darüber, oder sie verzweifeln ob ihrer aussichtslosen Lage. Ein Unbekannter tut weder das eine noch das andere: Er handelt. Mit Drohbriefen, Schierlingsgift und Pfeilbogen im Namen des Staates.

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