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Cover Das Abenteuer der Inspiration

Das Abenteuer der Inspiration

Porträts deutscher Dichter von Lessing bis Dürrenmatt

Erschienen 2012 bei Diogenes
Sprache: Deutsch
432 Seiten
ISBN 978-3-257-60196-1

Kurztext / Annotation

Was wissen Sie über Lessing? Was über Kleist? Daten und Fakten sind oft schnell wieder vergessen - doch diese mit lebhaftem, kundigem Strich skizzierten Porträts prägen sich ein. Denn Otto A. Böhmer richtet seinen Blick auf das Innerste des Schriftstellers, auf den Ursprung seiner Inspiration.

Otto A. Böhmer, geboren 1949 in Rothenburg ob der Tauber, lebt als Schriftsteller und Literaturkritiker in Wöllstadt (Wetterau). Er studierte Philosophie, Politologie, Soziologie und Literaturwissenschaft an den Universitäten Münster und Freiburg i. Br. und promovierte mit einer Arbeit über Johann Gottlieb Fichte. Er erhielt mehrere Auszeichnungen, u. a. den Erich-Fried-Preis 2001. Bei Diogenes hat er mehrere Dichterbiographien veröffentlicht: über Goethe, Schiller, Eichendorff, Heine und Nietzsche.

Textauszug

[19] Ich bin nur eine Mühle

Lessing und der Glaube an die Vernunft

Gotthold Ephraim Lessing,
geb. am 22. Januar 1729 in Kamenz (Lausitz),
gest. am 15. Februar 1781 in Braunschweig

Es ist nicht einfach für einen Dichter, einfach zu schreiben; das Komplizierte macht mehr her. Von einem Dichter, der dunkle Satzgebilde strickt, nimmt man an, daß er schlauer sein könnte als andere, gerade weil man ihn nicht recht versteht. Wer einfach schreibt, muß zudem mutig sein: Er lehnt sich weit aus dem Fenster, alles, was er sagt, kann gegen ihn verwendet werden. Der Dichter Lessing war solch ein mutiger Mann; er ließ sich nicht verbiegen, glaubte an die Vernunft im Menschen, an seine Mitleidsfähigkeit, an eine Bildung des Herzens, die mehr wert ist als kalte Gelehrsamkeit. Lessing kommt als Sohn eines Pfarrers zur Welt, der ehrgeizige Pläne hat: Der Sohn soll ein bekannter Prediger werden. Dafür unterrichtet er ihn erst einmal selbst ("versichern kann man, daß Lessing, sobald er nur etwas lallen konnte, zum Beten angehalten wurde"), gibt ihn dann auf die örtliche Lateinschule und erreicht, daß er eine Freistelle an der renommierten Fürstenschule St. Afra in Meißen erhält. Der Sohn macht brav mit, zeigt sich als hervorragender Schüler; in einer Bewertung des Lehrerkollegiums heißt es allerdings, daß er gelegentlich eine "mokante" Art habe. [20] Sein Rektor spart dennoch nicht mit Lob und findet dafür auch einen passenden Vergleich: "Er ist ein Pferd, das doppeltes Futter haben muß: Die Lectiones, die andern zu schwer werden, sind ihm kinderleicht. Wir können ihn fast nicht mehr brauchen."

1746 geht Lessing nach Leipzig; dort studiert er zuerst Theologie und dann Medizin, beide Fächer behagen ihm nicht. Inzwischen hat er nämlich seine Liebe zum Theater entdeckt und ein Stück geschrieben (Der junge Gelehrte), das zwei Jahre später mit Erfolg uraufgeführt wird.

Vor den Büchern kommt das Leben, erkennt Lessing; Lesen ist Zeitvertreib, macht einen zuweilen klüger, geht aber nur selten zu Herzen und verursacht, wenn die Lektüre gar zu vertrackt anmutet, nur Kopfschmerzen. Nach einem weiteren zähen und somit verschenkten Nachmittag in der Bibliothek wird ihm klar, daß er etwas ändern muß; eine Existenz, wie sie sich der Vater für seinen Sohn vorstellt, kann er nicht führen. In einem Brief an die Mutter wird er grundsätzlich: "Ich komme jung von Schulen, in der gewissen Überzeugung, daß mein ganzes Glück in den Büchern bestehe. Ich komme nach Leipzig, an einen Ort, wo man die ganze Welt im Kleinen sehen kann. Ich lebte die ersten Monate so eingezogen, als ich sie in Meißen nicht gelebt hatte... Doch es dauerte nicht lange, so gingen mir die Augen auf: Soll ich sagen, zu meinem Glücke, oder zu meinem Unglücke? Die künftige Zeit wird es entscheiden." In Wahrheit aber hat Lessing die Entscheidung der künftigen Zeit schon vorweggenommen, und er ist selbstbewußt genug, sich davon nicht abhalten zu lassen: "Ich lernte einsehen, die Bücher würden mich wohl gelehrt, aber nimmermehr [21] zu einem Menschen machen. Ich wagte mich von meiner Stube unter meinesgleichen. Guter Gott! Was für eine Ungleichheit wurde ich zwischen mir und anderen gewahr..." Ganz ohne Bücher geht es aber auch nicht, weiß der junge Lessing, der 23 Jahre später als Bibliothekar nach Wolfenbüttel berufen wird; mit den Büchern ist es wie mit den Menschen, man muß etwas genauer hinschauen, um herausfinden zu können, mit wem man gern Umgang hat und mit wem nicht. Lessing hat da für sich schon die Probe aufs Exempel gemacht; im Zweifelsfall läßt er sich lieber eine Komödie als ein Trauerspiel vorführen: "Ich legte die ernsthaften Bücher eine Zeitlang auf die Seite, um mich in denjenigen umzusehen, die weit angenehmer und vielleicht ebenso nützlich sind. Die Comoedie

Langtext

Was wissen Sie über Lessing? Was über Kleist? Daten und Fakten sind oft schnell wieder vergessen doch diese mit lebhaftem, kundigem Strich skizzierten Porträts prägen sich ein. Denn Otto A. Böhmer richtet seinen Blick auf das Innerste des Schriftstellers, auf den Ursprung seiner Inspiration.

Beschreibung für Leser

Unterstützte Lesegerätegruppen: PC/MAC/eReader/Tablet

Biografische Anmerkung zu den Verfassern

Otto A. Böhner, 1949 in Rothenburg ob der Tauber geboren, lebt in Wöllstadt (Wetterau). Studium der Philosophie, Politologie, Soziologie und Literaturwissenschaft an den Universitäten Münster und Freiburg. Promotion mit einer Arbeit über J.G. Fichte. 1983 erschien sein erster Roman , weitere folgten. Funkarbeiten u.a. für den SWR, WDR und BR. Essays und Literaturkritiken u.a. für Die Zeit, die Frankfurter Rundschau, Neue Zürcher Zeitung und die Süddeutsche Zeitung. Mehrere renommierte Auszeichnungen, darunter der Erich-Fried-Preis 2001.

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