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Cover Der große Gatsby

Der große Gatsby

von F. Scott Fitzgerald; Übersetzt von: Bettina Abarnell

Erschienen 2012 bei Diogenes
Sprache: Deutsch
320 Seiten
ISBN 978-3-257-60199-2

Kurztext / Annotation

New York 1922. Auf seinem Anwesen in Long Island gibt Jay Gatsby sagenhafte Feste. Er hofft, mit seinem neuerworbenen Reichtum, mit Swing und Champagner seine verlorene Liebe zurückzugewinnen. Zu spät merkt er, dass er sich von einer romantischen Illusion hat verführen lassen.

F. Scott Fitzgerald, 1896 in St. Paul (Minnesota) geboren, hatte nach den Studienjahren in Princeton mit 24 Jahren sein Ziel erreicht: Sein erster Roman Diesseits vom Paradies Der große Gatsby

Textauszug

[11] 1

Als ich noch jünger und verwundbarer war, gab mein Vater mir einmal einen Rat, der mir bis heute im Kopf herumgeht.

"Wann immer du jemanden kritisieren willst", sagte er, "denk daran, dass nicht alle Menschen auf der Welt es so gut hatten wie du."

Mehr sagte er nicht, doch da wir uns auf eine diskrete Weise stets hervorragend verstanden haben, wusste ich, dass er wesentlich mehr damit meinte. Folglich neige ich dazu, mich mit allem Urteil zurückzuhalten, eine Angewohnheit, dank deren sich mir über die Jahre viele merkwürdige Gestalten anvertraut haben und ich manchem notorischen Langweiler ins Netz gegangen bin. Der Sonderling wittert diese Eigenschaft bei einem normalen Sterblichen rasch und macht sie sich gern zunutze, und so kam es, dass ich im College fälschlich für einen Intriganten gehalten wurde, weil ich in die geheimen Nöte seltsamer und wildfremder Männer eingeweiht war. Die meisten Geständnisse wurden mir aufgedrängt; oft habe ich mich schlafend gestellt, so getan, als sei ich beschäftigt, oder eine feindselige Leichtfertigkeit vorgetäuscht, sobald ich aus untrüglichen Zeichen schloss, dass ein intimes Bekenntnis am Horizont heraufzog. Denn die intimen Bekenntnisse junger Männer oder doch die [12] Worte, in die sie sie kleiden, stammen in aller Regel aus zweiter Hand und sind von offenkundigen Auslassungen entstellt. Sich im Urteil zurückzuhalten ist eine Sache grenzenloser Hoffnung. Ich fürchte noch heute manchmal, mir könnte etwas entgehen, wenn ich vergesse, was mein Vater hochmütig andeutete und was ich ebenso hochmütig wiederhole: Nicht jedem von uns wird gleich viel Gespür für die Grundregeln des Anstands in die Wiege gelegt.

Nachdem ich derart mit meiner Langmut geprahlt habe, muss ich gestehen, dass sie ihre Grenzen hat. Menschliches Verhalten kann auf festen Fels oder feuchtes Marschland gegründet sein, doch ab einem gewissen Punkt ist es mir einerlei, worauf es sich gründet. Als ich vorigen Herbst von der Ostküste zurückkehrte, wünschte ich mir nur, die Welt möge für alle Zeit in Uniform und einer Art moralischer Hab-Acht-Stellung verharren; mein Bedarf an wilden Ausschweifungen mit privilegierten Einblicken in das menschliche Herz war gedeckt. Nur Gatsby, der Mann, der diesem Buch seinen Namen leiht, blieb davon ausgenommen - Gatsby, der für alles stand, was ich aufrichtig verachte. Wenn Persönlichkeit ein Zusammenspiel geglückter Gesten ist, dann hatte er etwas Zauberhaftes an sich, eine erhöhte Empfindsamkeit für die Verheißungen des Lebens, so als wäre er mit einem raffinierten Gerät verbunden, das ein Erdbeben aus zehntausend Meilen Entfernung registriert. Seine Sensibilität hatte nichts mit jener beliebigen Eindrucksfähigkeit gemein, die sich so hochtrabend "schöpferische Veranlagung" nennt - sie verdankte sich vielmehr einer außergewöhnlichen Gabe der Hoffnung, einer romantischen Sinnesart, wie ich sie bei niemandem sonst gefunden habe [13] und wohl auch nie wieder finden werde. Nein - Gatsby war letztlich kein schlechter Kerl; doch was ihn verfolgte, welch faulen Dunst seine Träume hinterließen - das war es, was meinem Interesse an den unnützen Sorgen und kurzatmigen Freuden der Menschen vorerst ein Ende bereitete.

Meine Familie genießt in dieser Stadt im Mittelwesten seit drei Generationen Ansehen und Wohlstand. Die Carraways sind so etwas wie ein Klan; nach einer alten Überlieferung entstammen wir dem Geschlecht der Dukes of Bucchleuch, doch der eigentliche Begründer meiner Linie war der Bruder meines Großvaters, der einundfünfzig hierherkam, einen Ersatzmann in den Bürgerkrieg schickte und den Eisenwarengroßhandel aus der Taufe hob, den mein Vater noch heute betreibt.

Ich habe diesen Großonkel nie kennengelernt, aber es wird behauptet, ich sähe ihm ähnlich - unter besonderem Verweis auf das ziemlich grob gemalte Porträt, das in Vaters Büro hängt. Ich legte 1915, nur ein Vi

Beschreibung für Leser

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