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Cover Creamtrain

Creamtrain

Roman

von Andrea De Carlo; Übersetzt von: Burkhart Kroeber

Erschienen 2012 bei Diogenes
Sprache: Deutsch
256 Seiten
ISBN 978-3-257-60228-9

Kurztext / Annotation

Ein junger Italiener kommt durch den Zufall einer flüchtigen Ferienbekanntschaft nach Los Angeles, wo er unbekümmert in den Tag hineinlebt, sich mit Supermarktdiebstählen und Gelegenheitsarbeiten durchschlägt, bis er als Italienischlehrer an einem Privatinstitut die Hollywood-Diva Marsha Mellows kennenlernt, deren Film Creamtrain Creamtrain Zwei von zwei

Textauszug

[5] Eins

Spätabends um elf Uhr zwanzig sah ich Los Angeles unter mir liegen: das endlose Gitternetz leuchtender Punkte. Müde wie ich war, versuchte ich, das Vibrieren der Triebwerke zu verfolgen, wie es durch das angespannte Metallgefüge zu meinem Sitz gelangte. Ich war mir sicher, einen plötzlichen Wechsel im Rhythmus zu spüren, ein Vakuum in der Frequenz. Ich versuchte auch, unten die Leuchtschriften zu entziffern, wie sie stückweise aus dem Dunkel auftauchten, und die Konturen der Freeways nahe am Meer.

Es gefiel mir nicht, so im Leeren zu kreisen, schräg geneigt und fast ohne Gleichgewicht, im Schweben gehalten durch bloße Maschinengewalt. Die gelben Sitzbezüge mit lila Blumen gefielen mir nicht, der Gesamteindruck, den sie Reihe um Reihe machten. Die Stewardessen gefielen mir nicht, die miteinander plauderten und ihre Halstücher festbanden und auf die Uhr sahen, ohne sich um die Passagiere zu kümmern.

Wir gingen ein Stückchen tiefer, beinahe senkrecht, und die Aussicht entglitt mir auf allen Seiten. Das machte mir Angst, aber mehr noch Wut. Ich hielt die Hände fest um die Lehnen geklammert, den Kopf nach hinten gedrückt und die Beine gestreckt. Mir wurde schwindlig, ich wollte woanders sein.

Neben mir saß ein Mädchen mit einem richtigen Mondgesicht: kleine und eng zusammenstehende Augen, flächige Wangen. Sie las ein Buch und warf keinen Blick aus [6] dem Fenster. Anscheinend war es für sie keine Frage, daß wir problemlos landen würden. Wir gingen runter wie im Sturzflug.

Endlich kamen wir unten an, dicht über den Häusern. Wir setzten auf und rollten über die Landebahn. Durch die dicken Scheiben sah ich die Flugplatzgebäude im Regen, Lichter anderer Flugzeuge schimmerten in der Nässe.

Ich betrachtete die Stewardessen, um zu sehen, ob sie erleichtert waren. Sie lächelten falsch, sie trugen jetzt gelbe Kamelhaarmäntel über den blaurosa Uniformen der Queen Jemina Airlines.

Die Kameratasche umgehängt ging ich durch die graue Verbindungsröhre. Bevor ich die Ankunftshalle betrat, schlüpfte ich erstmal in eine Toilette, um mir ins Gesicht zu sehen.

Das Neonlicht war entstellend und farblos, ich wirkte angespannter und müder, als ich war. Nicht mal meine Sonnenbräune kam so heraus, wie ich sie mir vorgestellt hatte. Ich zog mir den Kamm durch das dünne Haar, das für Feuchtigkeit sehr empfänglich ist, und kämmte es mir aus der Stirn, um die Geheimratsecken zu prüfen. Für meine knapp fünfundzwanzig Jahre hatte ich ziemlich viel freien Raum über der Brauenlinie.

Dafür waren die Augen unter den Brauen sehr blau, wie sie es manchmal bei mir frühmorgens werden oder nach langen, anstrengenden Reisen. Sie wirkten durchaus nicht flach oder glanzlos. Ich zog vor dem Spiegel ein paar Grimassen: geblähte Nasenflügel, abwärtsgebogene Mundwinkel, aufgeblasene Backen. Dann prüfte ich meine beiden Profile: das linke, das rechte in rascher Folge. Schließlich kam jemand hereingeplatzt, ich ging hinaus in die Halle.

Kaum war ich ziellos ein paar Schritte gegangen, kam Tracy auch schon von irgendwo aus der Halle, wo sie [7] wartend gesessen hatte, direkt auf mich zugestürzt. Ich hatte gar nicht die Zeit, sie näherkommen zu sehen, erst auf den letzten paar Zentimetern: Sie war plötzlich da, umschlang mir den Nacken, preßte mir heftig den Brustkorb zusammen, kniff mir in die Arme. Schrie laute Begrüßungen und überfiel mich mit einem Schwall von Fragen. Trat nach dem ersten überschwenglichen Ansturm zwei Schritte zurück, betrachtete mich mit schiefem Kopf und warf sich erneut mir entgegen. Schrie, daß ich prächtig aussähe und überhaupt nicht verändert wäre.

Ich stand in der grünlich erleuchteten Halle, umdrängt von eben eingetroffenen Reisenden, die voller Hast zu den Rolltreppen rannten, und betrachtete Tracy, die mich hüpfend umkreiste und mir Details von irgendwelchen Vorkommnissen erzählte. Ich dach

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