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Cover Vögel in Käfigen und Volieren

Vögel in Käfigen und Volieren

von Andrea De Carlo; Übersetzt von: Burkhart Kroeber

Erschienen 2012 bei Diogenes
Sprache: Deutsch
304 Seiten
ISBN 978-3-257-60232-6

Kurztext / Annotation

language="ger">Fjodor Barna, ein junger Amerikaner in Mailand, fühlt sich fremd in einer Gesellschaft, die nur aus vorgestanzten Figuren besteht. Doch anstatt zu protestieren, beobachtet er nur und wundert sich. Dann trifft er auf eine, die fliegen kann: Malaidina, ein Wesen aus einer anderen Welt, der er nachzujagen beginnt.

Andrea De Carlo, geboren 1952 in Mailand, lebte nach einem Literaturstudium längere Zeit in den USA und in Australien. Er war Fotograf, Maler und Rockmusiker, bevor ihm 1981 mit seinem ersten Roman, Creamtrain Zwei von zwei

Textauszug

language="ger">[5] Eins

Um drei Uhr nachmittags bin ich in meinem weißen MG auf der Goldfinch Avenue, Richtung Hills, mit einer Stones-Cassette im voll aufgedrehten Stereoapparat, und überfahre ein Stopplicht, ohne es zu bemerken. Von rechts kommt ein hellgrüner Chevrolet, gleitet heran wie ein kleiner Wal unter Wasser. Ich mache keinen Versuch zu bremsen oder das Steuer herumzureißen oder so. Ich sehe das Hellgrün auf mich zukommen, ohne den Fuß vom Gas zu nehmen.

Es macht ein volles, sattes Geräusch: eine Art hochkonzentriertes ptrac, bei dem die verschiedenen Laute sich in- und übereinanderschieben, statt sich in alle Richtungen auszubreiten, wie es normal wäre. Einen Klang, der viele Klänge in sich enthält, sie vereinfacht und zugleich mit Nuancen anreichert.

Der MG hat keine Knautschzonen, keinen Platz für die Beine; er wirbelt blitzschnell herum. Ich sehe die Kreuzung aus mehreren Blickwinkeln gleichzeitig; aus dem Stand in umgekehrter Perspektive zur Fahrtrichtung.

Diese Bilder sind nicht klar voneinander getrennt, nicht aneinandergereiht zu einer Sequenz; sie komprimieren sich im Zeitraum eines Sekundenbruchteils. Infolge der Kompression, oder um sie möglich zu machen, verliert jedes Einzelbild seine Schärfe, fließt mit den vorausgegangenen und nachfolgenden zusammen.

Der MG steht, fest und endgültig: komprimiert wie die Bilder der Sequenz, wie die Töne des Aufpralls.

[6] Ich ziehe langsam die Beine raus. Stehe auf dem Asphalt und betrachte das verbogene Lenkrad, die zerknautschte Motorhaube.

Aber komisch, ich habe irgendwie gar kein unangenehmes Gefühl. Vielleicht sollte ich das nicht sagen, aber es ist so. Ich habe nur dieses Gequirl von mechanischen Vorgängen im Kopf: den Aufprall und die Drehung und den plötzlichen Halt, der mich gegen die Scheibe wirft und in den Sitz zurückschleudert. Keine unangenehmen Gefühle; ich habe nichts gebrochen.

Ich drehe mich um und sehe den Chevrolet mitten auf der Kreuzung stehen: ein bißchen zur Seite geneigt, abgesunken auf zwei platten Reifen. Ich setze mich in Bewegung, gehe mit schleppenden Schritten zur Fahrerseite. Am Steuer sitzt eine dicke Frau: sitzt einfach da und macht nicht mal einen Versuch herauszukommen. Ihr Kopf ist nach hinten gekippt. Ich denke "O Scheiße!"

Ich ziehe am Türgriff; er geht nicht auf, aber ich habe wohl auch nicht allzuviel Kraft in den Armen. Ich spähe durchs Fenster: kein Blut zu sehen, auch sonst keine Schweinerei. Die dicke Frau kippt den Kopf nach vorn, dann wieder nach hinten. Ich sehe mich um; ein paar Leute betrachten die Szene, reglos auf Gehsteigen in der Ferne. Alles ist ruhig, keine anderen Autos fahren vorbei, die Luft steht still. Ich probiere nochmal den Türgriff: nichts.

Ein älterer Typ kommt näher, die Hände in die Hüften gestützt. Er sagt: "Ich hab alles mitangesehen, vom Garten vor meinem Haus." Er zeigt auf den Garten vor seinem Haus, an einer Ecke der Kreuzung. "Ihr seid alle Verbrecher, ihr mit euren verdammten Sportwagen."

Jetzt beunruhigt mich sein Ton; irgendwie ist die Situation auf einmal viel schlechter als noch vor zwei Sekunden. Ich schaue erneut in den Chevrolet. Die Frau [7] scheint nicht ernsthaft verletzt zu sein; sie scheint überhaupt nicht verletzt zu sein. Ich klopfe ein paarmal ans Fenster, aber sie rührt sich nicht.

Ich sage zu dem älteren Typ: "Tut mir leid, ich hab das Stopplicht übersehen."

Er sagt: "Ihr gehört alle ins Gefängnis." Sein Ton ist so dumpf, so fugenlos dicht: Alle meine Erklärungen würden an ihm abgleiten, ohne irgendwas zu verändern.

Ich sage: "Was haben denn Sie für 'ne Ahnung? Was glauben denn Sie für 'ne Meinung zu haben?"

Er macht einen Schritt zurück und sagt: "Wenn Sie so mit mir reden, zeig ich Sie an." Er hat ein häßliches graues Hemd an: so eins mit langen Kra

Beschreibung für Leser

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