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Cover Zwei von zwei

Zwei von zwei

von Andrea De Carlo; Übersetzt von: Renate Heimbucher

Erschienen 2012 bei Diogenes
Sprache: Deutsch
464 Seiten
ISBN 978-3-257-60235-7

Kurztext / Annotation

Andrea De Carlo erzählt die Geschichte einer Freundschaft und exemplarisch die Geschichte seiner Generation. Am Anfang steht das Jahr 1968 mit seinen Hoffnungen und seinen Utopien. Doch wie die Ideale verwirklichen? Innerhalb der Leistungsgesellschaft, wie es Mario versucht? Oder eher wie Guido: als radikaler Außenseiter? Ein Roman über zwei unterschiedliche Lebenswege, die an der gleichen Gabelung begonnen hatten.

Andrea De Carlo, geboren 1952 in Mailand, lebte nach einem Literaturstudium längere Zeit in den USA und in Australien. Er war Fotograf, Maler und Rockmusiker, bevor ihm 1981 mit seinem ersten Roman, Creamtrain Zwei von zwei

Textauszug

[12] Drei

Zu Beginn der Quinta wurde Guido Laremi in meine Klasse versetzt. Wir waren in das paranoische Fluidum einer Lateinstunde eingetaucht, da kam er hinter dem Rektor herein. Ich erkannte ihn nicht gleich, denn seine Haare waren noch wirrer und länger als bei unserer ersten Begegnung, und er war in einem anderen Stil gekleidet, ausgewaschene Jeans und Tennisschuhe. Auch sein Blick war anders: die Fremdheit darin hatte sich verdichtet und gab seinen hellblauen Augen ein lebhaftes, eindringliches Leuchten. Leicht vorgeneigt stand er neben dem Pult und beobachtete den Rektor, als warte er gespannt auf etwas, das ihn selbst ganz und gar nicht betraf.

Der Rektor war ein aufgeplustertes, untersetztes Männchen mit einem schmalen Schnurrbart wie ein Polizeikommissar; halblaut gab er unserer Lehrerin, sie hieß Dratti, irgendwelche Erläuterungen. Die Dratti deutete auf Guido Laremi und sagte: "Der Schüler Laremi gehört aus ordnungstechnischen Gründen von heute an zu eurer Klasse."

Die Lehrerin wie auch der Rektor wirkten leicht verlegen; Guido Laremi musterte sie, die Hände in den Taschen. Dann ging der Rektor hinaus, während wir alle unter Stühlerücken und Rascheln und Räuspern aufstanden; die Lehrerin forderte Guido Laremi auf, sich einen Platz zu suchen.

Er ging nach hinten, sah sich die Gesichter von drei, vier Schülern an, die allein in einer Zweierbank saßen. Er kam [13] bis zu mir und setzte sich, ohne mich anzusehen, neben mich; mit zusammengekniffenen Augen fixierte er mit höchst interessierter Miene das Pult. Erst nach einigen Minuten drehte er sich zu mir, sagte: "Hallo."

Als wir nach Schulschluß die Treppen hinuntergingen, fragte ich ihn, wieso er zu uns versetzt worden sei. "Das ist eine dramatische Geschichte", sagte er ohne die geringste Absicht, sie mir zu erzählen. Ich fragte ihn, ob ich ihn auf dem Mofa mitnehmen solle; er lehnte dankend ab und sagte, er müsse noch bleiben. Es war klar, daß er auf ein Mädchen wartete, aber er war so sonderbar verschlossen, tat geheimnisvoll. Er ging über die Straße zum gegenüberliegenden Gehsteig, zu der gleichen Stelle, an der ich stand, als ich ihn zum ersten Mal sah.

Auch am nächsten Tag setzte er sich zu mir in die Bank in der vorletzten Reihe, und von da an wurden wir Freunde. Es war ein langsamer Prozeß, der der trägen Dynamik jener Zeit folgte, in der sich alles in schwer wahrzunehmender Weise veränderte. Keiner von uns beiden hatte engere Beziehungen zu den anderen Klassenkameraden, ich aus Schüchternheit nicht und weil ich sie als Teil einer Welt betrachtete, die ich nicht akzeptieren wollte, Guido, weil er zu anders war als sie. In Wirklichkeit hatten die zwei plumpen Jungintellektuellen der Klasse, Ablondi und Farvo, denen sein Aussehen und seine Redeweise imponierten, anfangs versucht, ihn für ihre Clique zu gewinnen. In den Pausen hatten sie ihn beiseitegezogen und sich bemüht, ihn über ihre angelesenen und den Gesprächen ihrer Eltern abgelauschten Ansichten über Film und Literatur und moderne Malerei ins Bild zu setzen. Guido hatte nicht das geringste Interesse gezeigt; ohne nach einem Vorwand zu suchen, hatte er sich nach wenigen Sätzen von [14] ihnen losgemacht, und die Anziehung, die er auf Ablondi und Farvo ausgeübt hatte, schlug in Abneigung um. Mit einer Mischung aus maßvoller Feindseligkeit und physischem Mißtrauen in ihren kurzsichtigen Augen guckten sie von weitem zu ihm herüber.

Guido schien es nicht einmal zu bemerken, aber mich freute es jetzt um so mehr, daß er mich zu seinem Banknachbarn erkoren hatte. Fast unbewegt saßen wir auf unseren Plätzen und hörten uns die Ausführungen über Grammatikregeln und mathematische Lehrsätze an; wie alle anderen von der Angst gepeinigt, über Regeln und Formeln abgefragt zu werden, die so gut wie keiner wirklich begriffen hatte.

Unsere Lehrerinnen versuchten erst gar nicht zu verbergen, wie

Beschreibung für Leser

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