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Cover Adams Erbe

Adams Erbe

Erschienen 2012 bei Diogenes
Sprache: Deutsch
400 Seiten
ISBN 978-3-257-60242-5

Kurztext / Annotation

Adam Cohen ist 1938 achtzehn Jahre alt. Edward Cohen wird um das Jahr 2000 erwachsen. Zwei Generationen trennen sie - aber eine Geschichte vereint sie. Von der Macht der Familienbande und der Kraft von Wahlverwandtschaften erzählt dieser Roman und davon, dass es nur einer Begegnung bedarf, um unser Leben für immer zu verändern.

Astrid Rosenfeld, geboren 1977 in Köln, ging nach dem Abitur für zwei Jahre nach Kalifornien, wo sie erste Berufserfahrungen am Theater sammelte. Danach begann sie eine Schauspielausbildung in Berlin, die sie nach anderthalb Jahren abbrach. Eine Zeitlang hat sie in diversen Jobs in der Filmbranche gearbeitet, unter anderem als Casterin. Ihre Romane Adams Erbe Elsa ungeheuer

Textauszug

[126] Ich wurde unmittelbar nach dem Krieg gezeugt. Es war die letzte Tat, die mein Vater, Maximilian Cohen, vollbrachte, bevor er sich in sein Zimmer einsperrte, um nie wieder herauszukommen. Das war 1919.

Mein älterer Bruder Moses und ich durften Vaters Zimmer nicht betreten. Dieses Verbot, gepaart mit Maximilian Cohens häufigen Schreien, zog mich geradezu magisch an. Ich habe ganze Nächte vor seiner Tür verbracht. Manchmal guckte ich durchs Schlüsselloch, so lange, bis ein Schuh oder ein Buch gegen die Tür flog. Ich kannte meinen Vater nur von einer Fotografie im Wohnzimmer.

Der zweite verführerische Ort war der Dachboden, auf dem Edda Klingmann wohnte. Edda ist meine Großmutter, die Mutter meiner Mutter, aber ich durfte sie weder Oma noch Großmutter nennen. Eine ganze Weile bestand sie darauf, dass Moses und ich sie mit Frau Klingmann anredeten. Man habe sie schließlich nicht gefragt, ob sie überhaupt Enkel haben und eine Oma sein wolle. Sie war erst Ende vierzig, als ich auf die Welt kam. In den ersten Jahren machte Frau Klingmann einen großen Bogen um mich, denn ein ständig heulendes Wesen, das in seine Windeln kackte, langweilte sie. Und sie zu langweilen war eine Todsünde.

Ich muss ungefähr fünf gewesen sein, als wir Freundschaft [127] schlossen und ich sie Edda nennen durfte. Moses war vier Jahre älter als ich, aber er und Frau Klingmann sind nie wirklich warm miteinander geworden. Nur ganz, ganz selten durfte auch er sie Edda nennen. Anfangs erlaubte Edda mir, sie einmal am Tag auf dem Dachboden zu besuchen. Ich musste anklopfen und warten, bis sie mich hereinbat, manchmal ließ sie mich über eine Stunde vor der Tür stehen.

Edda Klingmann war eine Walküre, groß und üppig mit einem gigantischen Busen. Sie trug mit Vorliebe hautenge, bodenlange rote Samtkleider. Ihre Haut war weiß wie Porzellan, ihre Augen blassgrün und ihr Haar schwarz mit einem Blaustich. Den verdankte sie Luigi, ihrem Friseur, der eigentlich Chaim hieß und Jude war, so wie wir. Aber Edda bestand auf einem italienischen Friseur.

"Adam, zum absoluten Glück einer Dame gehört ein italienischer Friseur, nur ein Italiener hat wirklichen Geschmack."

So wurde aus Chaim Luigi. Und weil Chaim meine Großmutter verehrte, spielte er seine Rolle mit rührender Ernsthaftigkeit. Er eignete sich sogar einen italienischen Akzent an, den er später gar nicht mehr loswurde, was seine Frau fast in den Wahnsinn trieb.

Es war schwer, Edda Klingmann zu beeindrucken. Das Einzige, was sie wirklich beeindrucken konnte, war Schönheit. Sie beurteilte alle Menschen aufgrund ihres Äußeren und glaubte zudem, damit den Verlauf der Geschichte vorhersagen zu können.

"Adam, das ist eine Gabe, es ist wie Hellsehen. Ich wusste, dass wir den Krieg nicht gewinnen können. Schau dir Wilhelms Augen an, schau sie dir an, sie stehen ganz seltsam [128] beieinander, und Ludendorff hat kein Kinn. Ein Mann ohne Kinn." Und dann nickte sie vielsagend.

Edda Klingmann rauchte 68 Zigaretten am Tag.

Ihr Mann, mein Großvater, den sie den Itzigen nannte, war lange vor meiner Geburt gestorben. Ein Pferd hatte ihm ins Gesicht getreten. Er war auf der Stelle tot.

"Adam, dein Großvater war ein Trottel, und er ist wie ein Trottel gestorben. Aber der Itzige war ein wunderschöner Mann, deshalb habe ich ihm alles verziehen. Auch die Sauferei."

Wir sind Juden. Irgendwie. Seit dem Tod des Itzigen ging Oma nicht mehr in die Synagoge. Und Maximilian Cohen, dessen Urgroßvater ein Rabbiner gewesen war, glaubte einzig und allein an Deutschland, besser gesagt an den Kaiser. Meine Mutter aber, Greti Cohen, hat niemals aufgehört, zum Gott ihres Vaters zu beten. Sie war schwanger, als ihr Mann in den Krieg zog, um für sein geliebtes Kaiserreich zu kämpfen, und als sie ihren Sohn dann in den Armen hielt, gab sie ihm den Namen Moses und ließ ihn beschneiden. Bei der Rückkehr meines Va

Langtext

Adam Cohen ist 1938 achtzehn Jahre alt. Edward Cohen wird um das Jahr 2000 erwachsen. Zwei Generationen trennen sie aber eine Geschichte vereint sie. Von der Macht der Familienbande und der Kraft von Wahlverwandtschaften erzählt dieses Debüt, und davon, dass es nur einer Begegnung bedarf, um unser Leben für immer zu verändern.

Beschreibung für Leser

Unterstützte Lesegerätegruppen: PC/MAC/eReader/Tablet

Biografische Anmerkung zu den Verfassern

Astrid Rosenfeld wurde 1977 in Köln geboren. Nach dem Abitur ging sie für zwei Jahre nach Kalifornien, wo sie erste Berufserfahrungen am Theater sammelte. Danach begann sie eine Schauspielausbildung in Berlin, die sie nach anderthalb Jahren abbrach. Seither hat sie in diversen Jobs in der Filmbranche gearbeitet, unter anderem als Casterin. Astrid Rosenfeld lebt in Berlin.

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