Wir verwenden Cookies, um Ihnen die bestmögliche Nutzererfahrung auf unserer Website zu bieten und erlauben das Setzen von Drittanbieter-Cookies. Durch die Nutzung unserer Website stimmen Sie zu, dass Cookies auf Ihrem Gerät gespeichert werden. Weitere Informationen zu den verwendeten Cookies und zu ihrer Deaktivierung finden Sie hier.
Cover Rache ist sauer

Rache ist sauer

von George Orwell; Übersetzt von: Felix Gasbarra

Erschienen 2012 bei Diogenes
Sprache: Deutsch
192 Seiten
ISBN 978-3-257-60249-4

Kurztext / Annotation

Dieser Band enthält: Essays über Politik, Literatur und Kunst; Berichte aus der Dritten Welt vor 1933, Spanien 1937, Deutschland 1945; Reportagen über den Bergbau, englische Kolonialoffiziere, die Penner von London; autobiographische Notizen und Bekenntnisse.

George Orwell, eigtl. Eric Arthur Blair, wurde am 25. Juni 1903 in Bengalen, Nordostindien, geboren. In England besuchte er als armer Stipendiat eine Eliteschule. Er diente fünf Jahre in Burma bei der Indian Imperial Police, dann kündigte er, weil er "auf keinen Fall länger einem Imperialismus dienen konnte", den er als "ziemlich großen Volksbetrug durchschaut hatte". Er gesellte sich als Tellerwäscher, Hilfslehrer, Hopfenpflücker und als Buch- und Gemischtwarenhändler zum Proletariat, dessen Leben er in Reportagen und Büchern beschrieb. Zur entscheidenden Erfahrung, die in seine Negativutopien Farm der Tiere 1984 Observer

Textauszug

[10] Rückblick auf den Spanischen Krieg

I

Vor allem andern die sinnlichen Erinnerungen: die Geräusche, die Gerüche und das Äußere der Dinge.

Es ist sonderbar, daß mir lebhafter als alles, was später während des Spanischen Krieges kam, die Woche der sogenannten Ausbildung im Gedächtnis geblieben ist, die ich durchmachen mußte, bevor ich an die Front geschickt wurde; die weiträumigen Kavallerie-Baracken in Barcelona mit den zugigen Ställen und den mit Kopfsteinen gepflasterten Höfen, das eiskalte Wasser der Brunnen, in denen man sich wusch, das schlechte Essen, nur durch den Wein aus Krügen erträglich gemacht, die weiblichen Milizsoldaten in Hosen, die Brennholz machten, und der Namensaufruf frühmorgens, bei dem mein prosaischer englischer Name leicht komisch gegen die klangvollen spanischen wirkte, gegen den Manuel Gonzalez, Pedro Aguilar, Ramon Fennellosa, Roque Ballaster, Jaime Domenech, Sebastian Viltron, Ramon Nuvo Bosch. Ich erwähne diese Männer besonders, weil ich mich an das Gesicht jedes einzelnen von ihnen erinnere. Außer zweien, ziemlichen Lumpen und sicher guten Faschisten, dürften alle andern heute tot sein. Der älteste wäre jetzt etwa 25, der jüngste 16.

Eine der wesentlichen Erinnerungen an den Krieg hängt untrennbar mit dem widerwärtigen Gestank menschlichen Ursprungs zusammen. Latrinen sind ein abgedroschenes Thema der Kriegsliteratur, und ich hätte es auch nicht erwähnt, wenn die Latrinen in unseren Baracken nicht ihr Teil dazu beigetragen hätten, meine Illusionen über den Spanischen Bürgerkrieg erheblich herabzumindern. Der [11] südliche Typ der Latrine, mit der man zu kämpfen hat, ist schon schlimm genug, aber unsere waren aus einer Art von poliertem Stein, der so glatt war, daß man die größte Mühe hatte, sich auch nur auf den Füßen zu halten. Dazu kam, daß sie immer verstopft waren. Nun habe ich genug andere abstoßende Dinge in meinem Gedächtnis bewahrt, aber ich glaube, es waren diese Latrinen, die in mir zum ersten Mal den Gedanken aufkommen ließen, der später so oft wiederkehrte: "Hier sind wir, Soldaten einer revolutionären Armee, welche die Demokratie gegen den Faschismus verteidigt, und wir kämpfen in einem Krieg, in dem es offensichtlich um etwas geht, um die Umstände, unter denen wir leben, sind so ekelhaft und entwürdigend wie in einem Gefängnis, ganz zu schweigen von einer Armee der Bourgeoise." Meine Eindrücke wurden später noch durch vieles andere verstärkt, die Langeweile zum Beispiel und der tierische Hunger im Schützengraben, die schmierigen Intrigen um ein bißchen Essen, die zermürbenden Zänkereien von Leuten, die, durch Mangel an Schlaf erschöpft, an Einbildungen litten.

Das wirklich Furchtbare am Leben in einer Armee (wer je Soldat war, weiß, was ich meine) hat im Grunde kaum etwas mit dem Wesen des Krieges zu tun, in dem man zufällig kämpft. Disziplin zum Beispiel ist schließlich in jeder Armee dieselbe. Befehle müssen befolgt und notfalls durch Strafen erzwungen werden, das Verhältnis zwischen Offizieren und Mannschaft ist das Verhältnis zwischen Vorgesetzten und Untergebenen. Das Bild des Krieges, wie er in Büchern wie Im Westen nichts Neues [ von Erich Maria Remarque, erschienen 1929.] geschildert wird, ist im wesentlichen richtig. Geschosse verwunden, Leichen stinken, Männer unter feindlichem Feuer sind oft so von Angst gepackt, daß sie in die Hosen machen. Richtig ist, daß der soziale Hintergrund einer Armee ihr auch sein Gepräge [12] geben wird, ihrer Ausbildung, ihrer Taktik und ihrer Schlagkraft. Und selbstverständlich kann auch das Bewußtsein, für eine gerechte Sache zu kämpfen, die Moral heben, obwohl das mehr für die Zivilbevölkerung gilt als für die Armee. (Es wird immer vergessen, daß ein Soldat irgendwo in Frontnähe viel zu hungrig, von Angst besessen, unter der Kälte leidend, vor allem viel zu müde ist, um sich Gedanken

Langtext

Dieser Band enthält: Essays über Politik, Literatur und Kunst; Berichte aus der Dritten Welt vor 1933, Spanien 1937, Deutschland 1945; Reportagen über den Bergbau, englische Kolonialoffiziere, die Penner von London; autobiographische Notizen und Bekenntnisse.

Beschreibung für Leser

Unterstützte Lesegerätegruppen: PC/MAC/eReader/Tablet

Drucken

Kundenbewertungen

7,99 €
(inkl. MwSt.)
EPUB sofort downloaden
Downloads sind nur in Österreich möglich!
Maximaler Downloadzeitraum: 24 Monate