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Cover Auf dem Jakobsweg

Auf dem Jakobsweg

Tagebuch einer Pilgerreise nach Santiago de Compostela

von Paulo Coelho; Übersetzt von: Maralde Meyer-Minnemann

Erschienen 2013 bei Diogenes
Sprache: Deutsch
272 Seiten
ISBN 978-3-257-60261-6

Kurztext / Annotation

Paulo Coelhos sehr persönliches Tagebuch seiner Pilgerreise nach Santiago de Compostela - ein Reise- und Erfahrungsbericht, in dem bereits die großen Themen seiner Romane angelegt sind.

Paulo Coelho, geboren 1947 in Rio de Janeiro, lebt heute mit seiner Frau Christina Oiticica in Genf. Alle seine Romane (insbesondere Der Alchimist Veronika beschließt zu sterben Elf Minuten Untreue Die Spionin

Textauszug

[21] Die Ankunft

Der Zöllner schaute lange auf das Schwert, das meine Frau trug, und fragte uns, was wir damit vorhätten. Ich antwortete ihm, daß ein Freund von uns eine Expertise dafür erstellen sollte, bevor wir es zur Versteigerung freigaben. Die Lüge zog. Der Zöllner bescheinigte uns, daß wir mit dem Schwert auf dem Flughafen von Barajas eingereist seien, und wies uns an, das Dokument beim Zoll vorzulegen, falls es bei der Ausreise Schwierigkeiten gäbe.

Wir gingen dann zum Schalter der Autovermietungsfirma, um uns die Reservierung für zwei Wagen bestätigen zu lassen, nahmen die Tickets an uns und suchten dann eines der Flughafenrestaurants auf, um noch eine Kleinigkeit zu essen, bevor wir uns trennten.

Ich hatte im Flugzeug die ganze Nacht kein Auge zubekommen. Zum einen, weil ich Flugangst habe, zum anderen aus Furcht vor dem, was kommen würde. Trotzdem war ich aufgeregt und hellwach.

"Nimm es nicht so schwer", sagte meine Frau zum x-ten Mal. "Du sollst nach Frankreich fahren und dort in Saint-Jean-Pied-de-Port eine Madame Savin aufsuchen. Sie wird dich mit jemandem zusammenbringen, der dich auf dem Jakobsweg führen wird."

"Und du?" fragte ich sie, auch zum x-ten Mal.

[22] "Ich werde dorthin fahren, wohin ich geschickt werde, um das wieder zurückzubringen, was mir anvertraut wurde. Anschließend bleibe ich ein paar Tage in Madrid und fliege dann zurück nach Brasilien. Ich kann unsere Angelegenheiten genausogut regeln wie du."

"Ja, ja, ich weiß", antwortete ich kurz angebunden, denn ich hatte keine Lust, darüber zu reden.

Der Gedanke an die Arbeit, die in Brasilien erledigt werden mußte, bedrückte mich sehr. Zwei Wochen nach dem Ereignis bei den Schwarzen Nadeln hatte ich das Wichtigste über den Jakobsweg gelernt, doch dann brauchte ich noch sieben Monate, bis ich mich entscheiden konnte, alles zurückzulassen und die Reise anzutreten. Eines Morgens verkündete mir meine Frau, der Zeitpunkt sei nun gekommen, eine Entscheidung zu treffen, denn sonst könnte ich den Weg der Magie und der Bruderschaft und des R.A.M.-Ordens ein für allemal vergessen. Ich versuchte ihr zu beweisen, daß der Meister mir eine unlösbare Aufgabe gestellt hatte, weil ich mich nicht einfach aus der Verantwortung für meine alltägliche Arbeit stehlen könne. Sie lachte und entgegnete, daß dies keine gute Entschuldigung sei, denn während der vergangenen sieben Monate hätte ich nichts Rechtes zuwege gebracht und Tag und Nacht nur damit vertan, mich zu fragen, ob ich nun die Reise machen sollte oder nicht. Und als wäre es das Selbstverständlichste der Welt, reichte sie mir zwei Tickets, auf denen das Flugdatum stand.

"Daß wir jetzt hier sind, verdanken wir deiner Entscheidung", meinte ich in der Flughafencafeteria. "Ich weiß [23] nicht, ob es richtig war, jemand anderen entscheiden zu lassen, ob ich mein Schwert suchen soll oder nicht."

Meine Frau antwortete mir, es sei wohl besser, gleich unsere Autos zu besteigen und sich zu verabschieden, bevor wir anfingen, uns weiterhin gegenseitig irgendwelchen Unsinn zu erzählen.

"Du würdest niemals zulassen, daß jemand anderes auch nur die kleinste Entscheidung in deinem Leben trifft. Nun komm, es ist schon spät."

Sie nahm ihr Gepäck und ging zum Schalter der Autovermietung. Ich blieb sitzen und beobachtete, wie nachlässig sie mein Schwert trug, das ihr jeden Augenblick unter dem Arm hervorzurutschen drohte.

Auf halbem Wege blieb sie stehen, kam dann an den Tisch zurück, an dem ich saß, küßte mich geräuschvoll auf den Mund und blickte mich lange wortlos an. Mir wurde mit einem Mal bewußt, wie groß die Gefahr eines Scheiterns war. Doch nun hatte ich den ersten Schritt getan und konnte nicht mehr zurück. Ich umarmte sie liebevoll, mit der ganzen Liebe, die ich in diesem Augenblick fühlte, und während sie in meinen Armen lag, bat ich all das, an was ich glaub

Beschreibung für Leser

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