Wir verwenden Cookies, um Ihnen die bestmögliche Nutzererfahrung auf unserer Website zu bieten und erlauben das Setzen von Drittanbieter-Cookies. Durch die Nutzung unserer Website stimmen Sie zu, dass Cookies auf Ihrem Gerät gespeichert werden. Weitere Informationen zu den verwendeten Cookies und zu ihrer Deaktivierung finden Sie hier.
Cover Kornblumenblau

Kornblumenblau

Ein Fall für Milena Lukin

Erschienen 2013 bei Diogenes
Sprache: Deutsch
368 Seiten
ISBN 978-3-257-60297-5

Kurztext / Annotation

Belgrad - eine europäische Metropole, so nah und doch so fern. Unter der kundigen, atmosphärischen Führung von Milena Lukin erschließt sich nicht nur ein aufsehenerregendes Verbrechen, sondern eine faszinierende Stadt im Brennpunkt europäischer Geschichte.

Christian Schünemann, geboren 1968 in Bremen, studierte Slawistik in Berlin und Sankt Petersburg, arbeitete in Moskau und Bosnien-Herzegowina und schreibt auch als Storyliner und Drehbuchautor. Die Studentin Der Frisör Der Bruder Daily Soap

Textauszug

[12] 2

Milena Lukin hätte das Telefon in ihrer Handtasche gehört, wenn Vera nicht die Strickjacke aus leichter Merinowolle daraufgelegt hätte. Telefon, Handtasche, Mutter und Strickjacke befanden sich auf der Rückbank des Lada Niva, den Milena so zügig wie möglich durch den Belgrader Feierabendverkehr zu lenken versuchte. Von zügig konnte jedoch keine Rede sein. Busse, Autos und Lastwagen reihten sich stadtauswärts Stoßstange an Stoßstange. Wenn sich der Stau nicht wie durch ein Wunder hinter der Brankov-Brücke, diesem Nadelöhr, auflösen würde, schafften sie es nicht mehr rechtzeitig zum Flughafen. Die Maschine aus Hamburg sollte in dreißig Minuten landen.

"Vielleicht hätte ich ihm doch lieber ein Gulasch machen sollen." Veras Stimme klang bekümmert. "Mit grünem Pfeffer und Stampfkartoffeln."

Milena schaute in den Rückspiegel, blinkte und wechselte die Spur.

"Wenn du wenigstens, wie versprochen, den kräftigen Pecorino gebracht hättest", sagte Vera. "Stattdessen kommst du mit diesem Zeug aus Ungarn."

"Es tut mir leid! Wie oft soll ich es noch sagen?" Milena seufzte. Hätte sie doch bloß den Umweg über den großen Supermarkt gemacht. Aber nach der Krisensitzung im [13] Institut war sie spät dran gewesen und hatte den Reibekäse einfach rasch im Lädchen gegenüber besorgt, ohne darüber nachzudenken, dass natürlich die Qualität von Käse aus der Tüte in einem Missverhältnis zu den phantastischen Eierbandnudeln stand, mit deren Fabrikation Vera seit dem gestrigen Nachmittag beschäftigt war. Erstaunlich, welche Energie diese alte Dame entwickeln konnte, wenn es darum ging, dem einzigen Mann in der Familie eines seiner Lieblingsessen zuzubereiten. Stundenlang knetete sie Mehl und Eier mit warmem Wasser und einer Prise Salz, schnitt den dünn ausgerollten Teig in gleichmäßige Streifen und legte sie fein säuberlich nebeneinander zum Trocknen auf ein gestärktes weißes Tischtuch. Was für eine Aktion!

Die Brankov-Brücke lag endlich hinter ihnen, aber richtig vorwärts ging es immer noch nicht. Träge schoben sich die Blechkarossen aneinander vorbei, ohne dass sich irgendjemand einen nennenswerten Vorsprung erkämpfte. Es gab kein Schild, das auf diese kleine Ausfahrt hinwies, aber Milena kannte den Weg. Er war die letzte Möglichkeit.

Der Schleichweg führte an Strommasten entlang. Milena hielt das Lenkrad mit beiden Händen fest, ohne den Fuß vom Gas zu nehmen. Der Lada war zwar relativ neu und stabil und erinnerte mit seiner Kastenform und den etwas hochgestellten Rädern sogar an einen kleinen Geländewagen. Leider gehörte eine Federung für die Rückbank nicht zur Grundausstattung. Auf und nieder hüpfte die alte Dame dahinten mit den Ohrringen, die sie nur für besondere Anlässe trug, und versuchte tapfer, mit ihren schmalen Schultern den Zickzackkurs auszubalancieren, den Milena fuhr, um den größten Löchern auszuweichen. Vera beklagte sich [14] nicht. Im Gegenteil: Die Aufholjagd war ganz in ihrem Sinne.

Der Motor lief noch, da stieß Vera schon die Tür auf und eilte mit der Strickjacke im Arm in die Ankunftshalle. In wenigen Sekunden war ihr grauschwarzer Krauskopf in der Menge verschwunden. Milena griff nach hinten und angelte ihre Handtasche vom Rücksitz. Das Display ihres Telefons zeigte an: drei Anrufe in Abwesenheit.

Der Taxifahrer, der direkt neben ihr hielt, schimpfte durch sein heruntergelassenes Seitenfenster, sagte etwas von - gutwillig übersetzt - "Tomaten auf den Augen" und "Stroh im Kopf" und zeigte ihr den Vogel.

"Reg dich nicht auf!" Milena stieg aus, drehte dem Blödmann - serbischer Macho - den Rücken zu und lächelte. Adam kam durch die Schiebetür, eingepackt in die warme Strickjacke, und gestikulierte wild, während Vera seinen Rollkoffer zog. Mein Gott, der Junge ging seiner Großmutter ja schon bis zur Schulter!

Milena winkte, und Adam rannte los. Sie breitete die Arme aus, fing ihre

Beschreibung für Leser

Unterstützte Lesegerätegruppen: PC/MAC/eReader/Tablet

Drucken

Kundenbewertungen

10,99 €
(inkl. MwSt.)
EPUB sofort downloaden
Downloads sind nur in Österreich möglich!
Maximaler Downloadzeitraum: 24 Monate