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Cover Liebe pur

Liebe pur

von Yael Hedaya; Übersetzt von: Ruth Melcer

Erschienen 2013 bei Diogenes
Sprache: Deutsch
224 Seiten
ISBN 978-3-257-60303-3

Kurztext / Annotation

Nach einer ersten Verabredung bringt der Mann die Frau nach Hause. Dabei läuft den beiden ein herrenloser junger Hund über den Weg. Aber wer von beiden könnte gerade jetzt einen Hund gebrauchen? Der Mann darf "nur auf einen Kaffee" mit zu der Frau, und der Welpe soll wenigstens etwas zu fressen bekommen, bevor beide wieder gehen sollten. Doch der Mann übernachtet bei der Frau, und auch der Hund darf bleiben - und wird zum Seismographen der Beziehung.

Yael Hedaya wurde 1964 in Jerusalem geboren. Sie studierte Philosophie und Anglistik in Jerusalem und Kreatives Schreiben in New York. Sie hat als Drehbuchautorin für die erfolgreiche israelische Fernsehserie Be Tipul In Treatment Alles bestens

Textauszug

[79] 17

Kurz vor Mitternacht kam der Mann nach Hause. Er hatte eine Einzimmerwohnung im Parterre, mit einer kleinen Küche, einem kleinen Bad zum Duschen und einem japanischen Paravent mit schneebedeckten Bergen, der sein Doppelbett vom übrigen Zimmer abschirmte. Er war länger als achtundvierzig Stunden nicht bei sich zu Hause gewesen, und die kleine Wohnung empfing ihn beleidigt und strafte ihn mit Staub, stickiger Luft und dem Geruch von Moder und schmutzigen Socken. Unter dem Fensterbrett sah er den Blumentopf mit dem Bonsai, den er einmal von der Freundin geschenkt bekommen hatte, in Scherben auf dem Fußboden liegen. Der starke Herbstwind, der am Abend eingesetzt hatte, mußte das Fenster zugeschlagen und die Pflanze hinuntergefegt haben. Das Bäumchen war noch heil, an den knorrigen Wurzeln hingen Bröckchen von Erde, doch der Tontopf war zersprungen.

Er hob den Bonsai auf und legte ihn sanft auf das Bett, dann hörte er den Anrufbeantworter ab. Ganze fünf Nachrichten, das enttäuschte ihn. Immerhin war er mehr als zwei Tage nicht zu Hause gewesen. Die erste Nachricht war von der Kupplerfreundin, die sich erkundigte, wie es so gehe und wie das blind date gewesen sei, und daß sie vor Neugier platze. Die zweite stammte von einer der Produktionsassistentinnen, einer jungen Frau von zweiundzwanzig Jahren, mit der er im letzten Winter eine kurze Affäre gehabt hatte. Sie informierte ihn darüber, daß auch am morgigen Tag nicht gedreht würde. Der dritte Anruf war von [80] seinem besten Freund, der nachfragte, ob er am Freitag zum Abendessen kommen wolle, und ihm mitteilte, daß die Kleine ihn vermisse, der vierte war noch einmal die Freundin, die wissen wollte, wo er denn stecke und wohin er sich abgesetzt habe. Der letzte Anruf stammte von der Frau.

Es war eine lange und verwirrte Nachricht: Sie entschuldigte sich für die späte Uhrzeit, ohne diese zu nennen, und der Mann folgerte, daß sie vor nicht langer Zeit angerufen haben mußte. Sie sagte, dem Hund sei etwas Furchtbares zugestoßen. Und daß sie an allem schuld sei. Sie erzählte, wie sie ihm auf dem Markt einen Knochen gekauft und der Hund ihn abgenagt habe. Alles sei in bester Ordnung gewesen, bis er plötzlich zu ersticken drohte. Nun huste und röchle er, und sie wisse nicht, was sie tun solle. Sie habe keine Ahnung, wen sie rufen könnte. Es sei beängstigend. Womöglich würde er sterben. Sie bat ihn, so schnell wie möglich vorbeizukommen, wenn er die Nachricht abgehört habe. Dann herrschte Stille, und er hörte nur ihre Atemzüge und dann das Geräusch vom Auflegen des Hörers - als hätte sie Angst davor, aufzulegen, als müßte der Hund sterben, wenn sie auflegte.

Er hätte gerne zurückgerufen, hatte aber ihre Nummer nicht. Es war zwecklos, sie bei der Auskunft zu erfragen, da die Frau zur Miete [ In Israel ist der Eigentümer der Wohnung auch Eigentümer des Telefonanschlusses, und somit steht nur er im Telefonbuch. (A.d.Ü.)] wohnte und somit nicht registriert war. Er hätte zu gerne gewußt, ob der Hund noch lebte, ob es überhaupt noch einen Sinn hatte, bei der Frau [81] vorbeizufahren. Es war mittlerweile Viertel nach zwölf, und die Nachricht mindestens eine halbe Stunde alt. Mit einem im Hals steckengebliebenen Knochen hätte der Hund wohl kaum so lange durchhalten können. Vielleicht war es der Frau inzwischen gelungen, einen Tierarzt aufzutreiben. Vielleicht hatte sie ein Taxi bestellt und den Hund hingefahren. Aber wie dem auch sei, ob der Hund lebte oder tot war, der Mann wußte, er mußte zu ihr. Er verließ die Wohnung, sperrte hinter sich ab, stieg ins Auto und fuhr los.

Die Frau öffnete die Tür und fiel ihm um den Hals. Ein breites Lächeln erhellte ihr Gesicht, doch der Mann wußte nicht, wem sie dankbar war - ihm, daß er gekommen war, um den Hund zu retten, oder einer höheren Macht, die den Knochen aus dem Schlund des Welpen hinausbefördert hatte. Der Welpe

Beschreibung für Leser

Unterstützte Lesegerätegruppen: PC/MAC/eReader/Tablet

Biografische Anmerkung zu den Verfassern

Yael Hedaya, geboren 1964 in Jerusalem, dort Studium der Philosophie und Anglistik und New York Kreatives Schreiben. Heute tätig als Journalistin für verschiedene israelische Zeitschriften und wohnt bei Tel Aviv.

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