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Cover Femme fatale

Femme fatale

Der fünfte Fall für Bruno, Chef de Police

von Martin Walker; Übersetzt von: Michael Windgassen

Erschienen 2013 bei Diogenes
Sprache: Deutsch
496 Seiten
ISBN 978-3-257-60308-8

Kurztext / Annotation

Das Périgord ist ein Paradies für Schlemmer, Kanufahrer und Liebhaber des gemächlichen süßen Lebens. Doch im April, kurz vor Beginn der Touristensaison, stören ein höchst profitables Touristikprojekt, Satanisten und eine nackte Frauenleiche in einem Kahn die beschaulichen Ufer der Vézère. Und Bruno, den örtlichen Chef de police, stören zusätzlich höchst verwirrende Frühlingsgefühle.

Martin Walker, geboren 1947 in Schottland, ist Schriftsteller, Historiker und politischer Journalist. Er lebt in Washington und im Périgord und war 25 Jahre lang bei der britischen Tageszeitung The Guardian Bruno

Textauszug

[7] 1

Bruno Courrèges, erster und einziger Polizist von Saint Denis, war selten glücklicher über sein Städtchen, als wenn er vom Portal der alten Steinkirche aus einer Probe des Kirchenchors zuhörte. Statt der schlichten weißen Chorhemden, die sie zur feierlichen Messe trugen, waren die Chormitglieder in Alltagskleidung erschienen, weil die Proben in der Regel abends nach der Arbeit stattfanden. Heute aber wurde zusätzlich am Vormittag geprobt, weil Pater Sentout den gewagten Vorschlag gemacht hatte, dass der Chor neben seinem üblichen Repertoire Bachs anspruchsvolle Matthäuspassion einstudieren sollte. Mit ihren Noten standen Bauern und Bäuerinnen neben Schullehrern und Büroangestellten, Kellnerinnen und Geschäftsleuten. Bruno erkannte alle, auch auf die Distanz, schon an ihrer Kleidung, und durch die vertrauten Choräle, die sie sangen, fühlte er sich in die Jahre im kirchlichen Waisenhaus zurückversetzt - die vielleicht einzige schöne Erinnerung, die er mit jener Zeit verband.

An diesem frühen Samstagmorgen zwei Wochen vor Ostern waren fast alle vierundzwanzig Chormitglieder versammelt. Die ersten Bankreihen der Kirche waren voller Mäntel und Einkaufskörbe, mit denen sie später auf den Markt gehen würden, der draußen auf der Straße gerade aufgebaut wurde. Eben erklangen die ersten Töne des Chorals "Sehet [8] ihn als wie ein Lamm". Der Straßenlärm hinter Bruno schien abrupt zu verstummen, als Florence mit ihrem hellen Sopran einsetzte und damit das Kirchenschiff erfüllte. Bruno wusste, dass eigentlich zwei Chöre und zwei Orchester für eine Aufführung dieses Oratoriums nötig waren, doch musste Saint-Denis mit seiner verlässlichen Orgel und dem kleinen Grüppchen begeisterungsfähiger Sängerinnen und Sänger vorliebnehmen, allen voran Pater Sentout, dessen Liebe zur Chormusik nur noch von seiner Leidenschaft für Gaumenfreuden und die städtische Rugbymannschaft erreicht wurde. Damit, so dachte Bruno, eignete er sich wie kaum ein anderer zum Priester dieser kleinen Gemeinde im gastronomischen und sportlichen Herzland Frankreichs.

Hinter dem Hügelkamm im Osten von Saint-Denis ging eben die Sonne auf, schien durch die bunten Bleiglasfenster und warf blaue, goldene und rote Strahlen ins Kirchenschiff, in dem Pater Sentouts schwarze Soutane nun besonders hervorstach. Brunos Augen richteten sich jedoch unwillkürlich auf Florence, die zu ihrem weißen Kleid einen hellroten Schal trug. Mit hocherhobenem Kopf und ohne je in die Noten schauen zu müssen, sang sie ihr Solo, und ihr blondes Haar schimmerte im Sonnenlicht wie ein Heiligenschein.

Bruno beglückwünschte sich im Nachhinein, dass er ihr eine Anstellung als Naturkundelehrerin am hiesigen collège vermittelt hatte. Als Lehrerin hatte sie auch Anspruch auf eine von der Schule finanzierte Wohnung auf dem Schulgelände, die groß genug war für eine geschiedene junge Mutter mit zwei kleinen Kindern, Zwillingen. Florence war eine willkommene Bereicherung für Saint-Denis und vor [9] allem auch für den Chor, denn ohne sie hätte Pater Sentout wahrscheinlich nicht gewagt, die Matthäuspassion einzustudieren.

Erst jetzt schien Florence Bruno ganz hinten im Mittelgang zu bemerken. Sie lächelte und nickte ihm zu. Auch andere aus dem Chor hoben zum Gruß die Hand, doch Bruno, der plötzlich sein Handy am Gürtel vibrieren spürte, ging widerwillig nach draußen, um den Anruf anzunehmen.

"Bruno, ich bin's, Marie." Sie leitete das Hôtel de la Gare neben dem inzwischen verwaisten Bahnhof, denn die französische Eisenbahn hatte viele ländliche Strecken stillgelegt, um noch mehr Geld in ihre Hochgeschwindigkeitszüge investieren zu können. "Ich soll dir von Julien Devenon ausrichten, er habe eine nackte Frau in einem Boot den Fluss heruntertreiben sehen."

Ihre Stimme klang genervt. Bruno dachte an Julien, der in einem kleinen Gehöft auf der anderen Flussseite wohnte und wahrschei

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