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Cover Allmen und die Dahlien

Allmen und die Dahlien

Erschienen 2013 bei Diogenes
Sprache: Deutsch
224 Seiten
ISBN 978-3-257-60337-8

Kurztext / Annotation

Ein Dahliengemälde von Henri Fantin-Latour, einige Millionen wert, wurde entwendet. Die steinreiche alte Dame, der es gehörte, Dalia Gutbauer, hat ein auffallend emotionales Verhältnis zu diesem Bild. Johann Friedrich von Allmen soll es wiederbeschaffen - um jeden Preis. Fall Nummer drei führt ihn und Carlos in das Labyrinth eines heruntergekommenen Luxushotels. Und damit in die Welt der Reichen und Schönen - umschwirrt von all denen, die auch dazugehören wollen.

Martin Suter, geboren 1948 in Zürich, arbeitete bis 1991 als Werbetexter und Creative Director, bis er sich ausschließlich fürs Schreiben entschied. Seine Romane - zuletzt erschien Elefant Business Class Allmen

Textauszug

[101] Zweiter Teil

1

Keine Dreiviertelstunde nachdem er die Suite drei hundertvier verlassen hatte, tigerte er in seiner Glasbibliothek auf und ab und wartete auf Carlos.

Dieser war im Keller der Villa mit der Heizung beschäftigt. Der Brenner sprang nicht an, der Heizungstechniker ließ auf sich warten, und Carlos versuchte, die Panne selbst zu beheben. Anstatt sich um seinen frierenden Patrón zu kümmern.

Einer der Momente, in denen Allmen die Spießigkeit seines Dieners verfluchte, mit der dieser auf seinem gesicherten Einkommen als Hauswart und Gärtner beharrte.

Es war kalt im schlecht isolierten ehemaligen Treibhaus. Grauschwarze Regenwolken hatten die hellgraue Hochnebeldecke aufgefressen. Es würde ihn nicht überraschen, wenn es auch noch zu schneien begänne.

Allmen beschloss, seinen Diener dadurch zu [102] bestrafen, dass er höchstpersönlich Feuer machte. Er öffnete die Tür des Schwedenofens, zerknüllte ein paar Zeitungen, stopfte sie in die Brennkammer und machte sich auf die Suche nach Holz.

Er hatte Carlos schon oft dabei beobachtet, wie er Feuer machte, aber noch nie darauf geachtet, wo er das Holz herholte. In der Küche war es nicht. Auch in dem Raum, der als Waschküche und Lagerraum diente, fand er es nicht. Schließlich zog er einen Mantel an und ging hinaus. Hinter dem Haus fand er tatsächlich einen sehr ordentlichen Holzstapel, den er vorher noch nie beachtet hatte. Er nahm drei Scheite und ging damit zurück zum Haus.

Carlos musste gerade das Vestibül betreten haben. Allmen war sich sicher, dass er ein Grinsen unterdrückte, als er ihn im Kamelhaarmantel mit seinen drei Holzscheiten sah. Er kam auf ihn zu und nahm sie ihm ab. Seine Hände waren rußverschmiert, und er stank nach Heizöl.

Carlos ging in die Bibliothek, Allmen folgte ihm im Mantel und sah zu, wie er die Zeitungen aus dem Ofen entfernte, aus einer Blechschachtel Anfeuerholz nahm, es aufschichtete und mit einem einzigen Streichholz in Brand setzte, alles in höchstens einer Minute. Er entschuldigte sich und kam zehn Minuten später sauber und in schwarzer Hose, weißem Hemd, Kellnerjacke und schwarzer Krawatte [103] zurück. " ¿En qué le puedo servir, Don John?", fragte er, wie kann ich Ihnen behilflich sein.

"Siéntese usted", sagte Allmen.

Carlos nahm Platz im zweiten Lesesessel und wartete.

"Hardy Frey ist Leo Taubler!", platzte Allmen heraus.

"¡No me diga!"

Er reichte ihm das Foto von Dalia Gutbauer und Leo Taubler aus den fünfziger Jahren. "María hatte recht. Wie auf den Erinnerungsfotos von Hardy Frey - derselbe Mann. Was wissen Sie über ihn?"

"Mucho", antwortete Carlos. Er entschuldigte sich, ging die Treppe hinauf und kam mit dem Mäppchen seiner Internetrecherchen zurück. Er reichte Allmen ein Foto.

Es zeigte zwei Männer auf einer Hotelterrasse vor Topfpalmen, beide gutaussehend und elegant gekleidet, der eine formell, der andere sportlich, offenes Hemd mit Seidentuch. Kein Zweifel: Der mit dem Seidentuch war Leo Taubler.

Die Bildunterschrift lautete: "Kurt Bergler, alias 'Räuber Knigge', hier mit seinem Freund, Leo Taubler, dem man vergeblich eine Mittäter- oder Mitwisserschaft nachzuweisen versuchte."

Das Bild stammte aus einer Folge über spektakuläre Banküberfälle, die Carlos in einem [104] Zeitungsarchiv unter dem Suchbegriff "Leo Taubler" gefunden hatte.

Bergler war ein Bankräuber, der durch seine hervorragenden Manieren auffiel und deshalb "Räuber Knigge" genannt wurde. Er trieb sechs Jahre lang sein Unwesen in verschiedenen größeren Städten des Landes, immer mit der gleichen Methode: Er betrat zu den Hauptgeschäftszeiten unmaskiert und elegant gekleidet die Bank, ließ sich eine große Note wechseln und legte dabei diskret eine SIG P210 a

Beschreibung für Leser

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