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Cover Scoop

Scoop

von Evelyn Waugh; Übersetzt von: Elisabeth Schnack

Erschienen 2013 bei Diogenes
Sprache: Deutsch
288 Seiten
ISBN 978-3-257-60352-1

Kurztext / Annotation

William Boot, der beim Daily Beast

Textauszug

[11] 1

Bereits als junger Mann hatte sich John Courteney Boot, wie sein Verleger behauptete, "einen festen und beneidenswerten Platz in der zeitgenössischen Literatur gesichert". Von seinen Romanen wurden im Erscheinungsjahr fünfzehntausend Stück verkauft, und sie wurden von Leuten gelesen, deren Ansicht John Boot schätzte. Wenn er nicht gerade an einem Roman schrieb, sorgte er dafür, dass sein Name in intellektuellen Kreisen mit nicht besonders einträglichen, aber schicken Arbeiten über Geschichte und Reisen im Gespräch blieb. Die vom Autor handsignierten Erstausgaben wurden manchmal für einen oder zwei Schilling über dem Ladenpreis weiterverkauft. Acht Bücher waren von ihm erschienen - angefangen mit dem Leben Rimbauds, das er als Achtzehnjähriger verfasst hatte, und zuletzt mit Zeitverschwendung, einer betont bescheidenen Schilderung einiger entsetzlicher Monate bei den Indianern Patagoniens. Von den Leuten, die bei Lady Metroland verkehrten, konnten sich die meisten an drei oder vier Titel seiner Bücher erinnern. Er hatte eine Menge reizender Freundinnen, von denen die entzückende Mrs Algernon Stitch am höchsten angesehen war.

Wie alle ihre Bekannten kam auch John Boot gewöhnlich mit seinen Problemen zu ihr, wenn er selbst nicht [12] weiterwusste. Zu diesem Zweck durchquerte er eines beißend kalten Junimorgens den Park und sprach in ihrem Haus - einer prachtvollen Schöpfung Nicholas Hawksmoors, die sich bescheiden in einer Sackgasse hinter dem St James's Palace versteckte - vor.

Algernon Stitch stand unten in der Diele. Die Melone hatte er auf dem Kopf; seine Rechte, unter die er eine rote, fürstlich verzierte Aktentasche geklemmt hatte, tauchte aus dem linken Mantelärmel auf; die andere Hand vergrub sich eigenwillig in der Brusttasche. Aber noch mehr behinderte ihn der Regenschirm unter seinem linken Arm. Er sprach undeutlich, denn er hatte das zusammengefaltete Morgenblatt zwischen den Zähnen.

"Komme nicht hinein", schien er zu sagen.

Der Mann, der John die Tür geöffnet hatte, kam Stitch zu Hilfe, nahm ihm Regenschirm und Aktentasche ab und legte sie auf den Marmortisch, nahm auch den Mantel und half seinem Herrn beim Hineinschlüpfen. John reichte ihm die Zeitung.

"Danke. Danke vielmals. Sehr liebenswürdig. Sie wollen wohl Julia besuchen, wie?"

Von hoch oben erklang eine feine, doch äußerst durchdringende Stimme und schwebte die majestätische Kurve der großen Treppe hinab.

"Algy, versuch bitte, nicht zu spät zum Essen zu kommen! Die Kents kommen heute!"

"Sie ist oben", sagte Stitch. Er hatte jetzt den Mantel an und sah von Kopf bis Fuß ganz wie ein englischer Kabinettsminister aus: groß, hager, mit einer langen, schmalen Nase und langem, schmalem Schnurrbart - das ideale [13] Vorbild für ausländische Karikaturisten. "Sie ist noch nicht aufgestanden", sagte er.

"Ich habe heute Morgen Ihre Rede gelesen. Sie war ausgezeichnet." John war immer höflich zu Stitch, wie jedermann; die Leute von der Labour Party liebten ihn.

"Rede? Ich? Ach so! Ja, liest sich's gut? Mir kam es scheußlich vor. Trotzdem danke! Besten Dank! Sehr verbunden!"

Und damit begab sich Stitch ins Kriegsministerium, und John ging nach oben zu Julia.

Wie ihr Gatte gesagt hatte, war sie noch im Bett, obwohl es bereits nach elf Uhr war. Ihre sonst lebhaften Gesichtszüge waren mit Paste bedeckt und starr und bedrohlich wie eine Aztekenmaske. Doch sie ruhte nicht. Miss Holloway, ihre Sekretärin, saß mit Heften, Rechnungen und Briefen neben ihr. Mit der einen Hand unterschrieb Mrs Stitch Schecks; in der andern hielt sie den Telefonhörer und diktierte Einzelheiten für die Kostüme eines Wohltätigkeitsballetts. Ein eleganter junger Mann stand auf einer Stehleiter und malte Schlossruinen an die Zimmerdecke. Josephine, das achtjährige Stitch-Wunderkind, hoc

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