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Cover Scott-Kings moderne Welt

Scott-Kings moderne Welt

von Evelyn Waugh; Übersetzt von: Otto Bayer

Erschienen 2013 bei Diogenes
Sprache: Deutsch
80 Seiten
ISBN 978-3-257-60353-8

Kurztext / Annotation

Scott-King ist ein staubtrockener Gelehrter, wie er im Buche steht. Er ist Lehrer für Latein und Griechisch in einem englischen Internat, findet moderne Sprachen vulgär und führt ein angenehm gleichförmiges Leben. Ein Essay, den er über den obskuren Dichter Bellorius geschrieben hat, trägt ihm eine Einladung zu einem Kongress in dessen Heimatland Neutralien ein. Dort aber herrscht eine Militärdiktatur, und der aufrechte Brite findet sich bald in absurder internationaler Gesellschaft wieder, mit aufdringlicher Gastfreundschaft traktiert, für politische Zwecke vereinnahmt - und in Lebensgefahr.

Evelyn Waugh, geboren 1903 in Hampstead, war Maler, Lehrer, Reporter und Kunsttischler, bis er in der Schriftstellerei sein Metier fand und zu einem der wichtigsten englischen Autoren des 20. Jahrhunderts wurde. Im Krieg diente Waugh als Offizier. Waugh, der seit seiner Studienzeit eine Neigung zu dandyhafter Extravaganz pflegte, liebte es, das Publikum durch kontroverse Äußerungen zu provozieren. Er starb 1966 in Taunton, Somerset.

Textauszug

[7] I

1946 unterrichtete Scott-King schon im einundzwanzigsten Jahr in Granchester Alte Sprachen. Er war selbst ein alter Granchesterianer und geradewegs von der Universität, wo er sich vergebens um einen Lehrauftrag bemüht hatte, an seine Schule zurückgekehrt. Da war er dann geblieben und ein wenig kahl und ein wenig rundlich geworden, ganzen Schülergenerationen zuerst als "Scottie", in letzter Zeit jedoch, obwohl er eigentlich erst in den besten Jahren war, als "der alte Scottie" bekannt; er war eine "Institution", und seine treffenden, leicht näselnd vorgetragenen Lamentationen über die moderne Dekadenz wurden ausgiebig parodiert.

Granchester ist nicht gerade das renommierteste Internat Englands, aber es ist - oder war einmal, wie Scott-King sagen würde - durchaus angesehen; es hat eine Cricket-Mannschaft, die alljährlich auf dem Lord's spielt; unter seinen Ehemaligen findet sich ein rundes Dutzend berühmter Männer, die im Allgemeinen ohne Scheu bekennen: "Ich [8] war in Granchester" - anders als die Zöglinge geringerer Einrichtungen, die eher sagen: "Also, offen gestanden, ich war auf einer Schule namens -. Sehen Sie, mein Vater konnte damals..."

Zu Scott-Kings Schülerzeit und zunächst auch nach seiner Rückkehr als Lehrer war Granchester in zwei annähernd gleich große Züge, einen humanistischen und einen naturwissenschaftlichen, aufgeteilt gewesen, wozu noch ein unbedeutendes und unbeachtetes Spezialgrüppchen kam, das man die "Armeeklasse" nannte. Jetzt lag der Fall anders, denn von den vierhundertfünfzig Schülern lernten kaum noch fünfzig Griechisch. Scott-King hatte seine altphilologischen Kollegen einen nach dem andern weggehen sehen, teils an ländliche Schulen, teils zum British Council, teils zur BBC , und an ihrer Stelle waren Physiker und Ökonomen von Provinzuniversitäten gekommen, so dass er selbst nun viele Stunden in der Woche hinabsteigen und Unterstufenschülern Xenophon und Sallust eintrichtern musste, statt sich einzig in den hohen intellektuellen Sphären der humanistischen Oberstufe bewegen zu dürfen. Aber Scott-King murrte nicht. Im Gegenteil, er fand eine besondere Genugtuung darin, sich in Betrachtungen über die Siege der Barbarei zu ergehen, und genoss seine herabgesetzte Stellung regelrecht, denn er gehörte [9] zu einer in der Neuen Welt unbekannten, in Europa aber recht verbreiteten Spezies, die sich an Bedeutungslosigkeit und Misserfolg zu berauschen vermag.

"Fade" ist das richtige Beiwort für Scott-King, und es war eine Art Verwandtschaftsgefühl, eine Blutsbrüderschaft in Fadheit, die ihn ursprünglich bewogen hatte, die Werke des Dichters Bellorius zu studieren.

Keiner, höchstens Scott-King selbst, hätte diesen an Fadheit übertreffen können. Als Bellorius im Jahre 1646, arm und entehrt, in seinem Heimatdorf starb, das seinerzeit in einem glücklichen Königreich unter der Herrschaft der Habsburger lag, jetzt aber dem turbulenten modernen Staat Neutralien [ Die Republik Neutralien ist frei erfunden und zusammengesetzt, steht für keinen existierenden Staat.] angehörte, hinterließ er als Lebenswerk einen einzigen Folioband mit 1500 Zeilen lateinischer Hexameter. Die einzige Wirkung, die er zu Lebzeiten mit diesem Werk erzielte, war, dass es den Königshof verärgerte und ihn seine Pension kostete. Nach seinem Tod wurde es völlig vergessen, bis es um die Mitte des vorigen Jahrhunderts in einer Sammlung von Spätrenaissancetexten in Deutschland wieder auftauchte. Dort fand es Scott-King, als er am Rhein [10] Urlaub machte, und die sofort erkannte Wesensverwandtschaft ließ sein Herz höher schlagen. Das Thema war unrettbar langweilig - ein Besuch auf einer imaginären Insel der Neuen Welt, wo in primitiver Einfachheit, von Tyrannei und Dogma unverdorben, ein tugendhaftes, keusches und vernunftbegabtes Volk lebte. Die Verse waren korrekt und melodisch und mit manch

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