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Cover Eden

Eden

von Yael Hedaya; Übersetzt von: Ruth Achlama

Erschienen 2013 bei Diogenes
Sprache: Deutsch
944 Seiten
ISBN 978-3-257-60376-7

Kurztext / Annotation

Eine Mitfahrgelegenheit in ein anderes Leben suchte Langzeit-Single Alona, als sie den geschiedenen Mark traf, der gerade eine Trattoria eröffnet hat und phantastisch kocht. Doch die Idylle mit Häuschen und Garten und zwei kleinen Kindern auf dem Lande hat ihre Schönheitsfehler, genauso wie die der anderen Paare in Eden Be Tipul In Treatment Alles bestens

Textauszug

[126] Alona

Noch vor dem Aufwachen wusste sie, was sie heute auf den Zettel der Sorte schreiben würde, von der sie jeden Morgen einen an den Rand ihres Computerbildschirms heftete, den Klebezettel mit dem einen Wort, das sie täglich durch ein anderes ersetzte, damit es ihr als Blinklicht, Inspiration oder Warnung diene. Gestern hatte sie "beruhigen" draufgeschrieben und, wie gewöhnlich, ein überdimensionales Ausrufezeichen angefügt, um sich an die Dringlichkeit der Sache zu erinnern, ein auf die Spitze gestelltes, scharfes Dreieck mit einem weichen Kreis darunter, und wie gewöhnlich kam sie sich lächerlich vor, als sie dieses Zeichen malte, das sie doch systematisch und zuweilen verächtlich aus den Manuskripten der von ihr redigierten Schriftsteller strich, vor allem bei den besonders jungen oder alten unter ihnen, deren Texte immer so eine Dringlichkeit an sich hatten. Wenn ihr eine Atmosphäre des Ausrufezeichens schafft, braucht ihr das Zeichen selbst nicht mehr, regte sie an, und um jeden Morgen diesen Zusatz zu rechtfertigen, sagte sie sich, in der Literatur ist das verboten, aber im Leben ist es - und wie kindlich klang ihr dieser Ausdruck - "erlaubt", dieses zusätzliche Zeichen, das schon zur Hauptsache, zur Losung des Tages geworden war, ein geometrischer Ausruf: dringend, dringend, dringend.

Alles war so dringend.

Auch der nächtliche Schlaf verlief für sie angespannt, ein Ohr auf die Geräusche im Kinderzimmer gerichtet, Atemzüge und Gemurmel, erste Anzeichen von Unbehagen - Umwälzen im Bett, leises Quietschen von Idos Bettgestell, [127] Majas Seufzer wie die traurigen Seufzer alter Leute, das Klickklick eines über den Boden rollenden Plastikschnullers - ein Orchester, das seine Instrumente stimmte, und dann der erste Klang, lang und zögernd oder entschieden, Geige oder Oboe: Maaamaaa, auf dessen Schweif an Ausrufezeichen sie ins Kinderzimmer schlitterte, fast flatterte wie eine aus ihrer Höhle gescheuchte Fledermaus, und mit halb geschlossenen Augen und schläfrigem Herzen trat sie dann zu dem aufgewachten Kind, letzthin meist Ido, nicht beruhigend, nicht verzeihend, sondern tadelnd, und auch wenn sie eine Wange streichelte oder einen Schnuller aufhob und ihn wieder zwischen geöffnete Lippen steckte - ein Fischmaul auf einem feuchten Rund auf dem Kissen - oder eine verrutschte Decke zurechtzog oder eine andere abnahm, spürte sie, dass sie mit ihrer Anwesenheit nicht Ruhe, sondern Drohen verbreitete: Falls ihr wieder aufwacht, komme ich nicht, oder ich komme ärgerlich. Und wenn sie dann, in ihrem Bett, dem Zirpen der Grillen und dem lauten Klacken lauschte, das die Schleuderschwänze, die wie winzige Dinosaurier an den Hauswänden hingen, ihren Kehlen entrangen, und ihren eigenen Herzschlägen und dem Wispern der Blätter an den Bäumen, diesem nächtlichen Klanggespinst, saß einer seiner Fäden, derjenige, der zum Kinderzimmer führte, stets um einen ihrer Finger gewickelt, und am Morgen hasste sie sich selbst, weil sie, statt noch ein wenig bei ihnen im Zimmer zu verweilen, um mit Wunderkleber die Fetzen ihres Schlafgespinstes zu einen, eilig geflüchtet war, um noch ein bisschen Restschlaf zu retten.

Mark war viel besser in diesen Dingen. Sie bezeichnete [128] das als Teil seines chaotischen Wesens: Weil du keinen wirklich festen Tagesablauf hast, verteidigst du auch nicht eifersüchtig deine Nächte, sagte sie, wusste jedoch, dass das nicht stimmte, dass die Dinge, wie gewöhnlich, viel komplizierter lagen und dass sie auch als Eltern gegensätzlich waren. Mark lebte gern den Augenblick, während sie fürchtete, wenn sie nur den kleinen Finger gäbe usw. Mark wusste nicht, wo ihr Finger aufhörte und wo seine Hand anfing.

Deshalb hatte sie sich mal in ihn verliebt. Immer wieder rief sie sich diesen Grund in Erinnerung, wenn sie beobachtete, wie er sich weigerte, ein separates Leben innerhalb ihres gemeinsamen zu führen. Vor

Beschreibung für Leser

Unterstützte Lesegerätegruppen: PC/MAC/eReader/Tablet

Biografische Anmerkung zu den Verfassern

Yael Hedaya, geboren 1964 in Jerusalem, dort Studium der Philosophie und Anglistik und New York Kreatives Schreiben. Heute tätig als Journalistin für verschiedene israelische Zeitschriften und wohnt bei Tel Aviv.

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